Statthalter in Amberg die deutsche Messe und die Heirat der Priester gestattet. Er begann bald, die Kirchengüter für den Staat einzuziehen, was sowohl eine Minderung seiner enormen Schuldenlast als auch einen Anstieg seiner landesherrlichen Gewalt bedeutete.
Durch den sogenannten „Augsburger Religionsfrieden" von 1555 wurde dem jeweiligen Landesherrn das Recht eingeräumt zu bestimmen, welches Bekenntnis seine Untertanen haben sollten. Ottheinrich (1556–1559), von „gotts gnaden pfalzgraue bey Rhein des Hay Rhö. Reichs Ertztruchas vnd Churfurst, Hertzog in Nidern und Obern Bayern" (15), schaffte mit einem Dekret vom 16. April 1556 in seinem Lande und damit auch bei uns in Auerbach den katholischen Glauben und Ritus ab.
Der letzte katholische Stadtpfarrer Auerbachs vor der Reformation hieß Kasper Scheinpuhler (1536–1548). Ihm folgte als erster evangelischer Pfarrer Simon Malzkasten (1552–1589). Dieser hatte es nicht leicht, denn Kurfürst Friedrich III. (1559–1576) war ein geradezu fanatischer Anhänger des gestrengen Schweizer Reformators Johann Calvin. Friedrich wollte unbedingt den Kalvinismus einführen. Deshalb befahl er z.B., alle liturgischen Gewänder sowie die Bilder und Heiligenfiguren schleunigst zu entfernen. Der Rat der Stadt und einige beherzte Bürger wehrten sich gegen die „Bilderstürmerei" und versteckten die gefährdeten Gegenstände, um sie vor einer Vernichtung zu bewahren.
Kurfürst Ludwig VI. (1576–1583), ein Sohn Friedrichs, war hingegen ein getreuer Anhänger der Lehre Martin Luthers, die dadurch wieder den Vorzug erhielt. Allerdings nur für kurze Zeit, denn Pfalzgraf Johann Kasimir (1583–1592) und Kurfürst Friedrich IV. (1592–1610) waren Kalvinisten. Ebenso wie der als „Winterkönig" in die Geschichte eingegangene Kurfürst Friedrich V. (1610–1621) versuchten sie vergeblich, den Kalvinismus in unserer Heimat einzuführen. Während seiner Regentschaft war Auerbach sogar kurzfristig Sitz der Regierung (11.8.1613–25.1.1614), die wegen der dort herrschenden Pest aus Amberg hierher geflohen war.
Für das einfache Volk war dieser ständige Bekenntniswechsel sicher eine große seelische Qual. „Man dachte lutherisch und handelte kalvinistisch. Fast jeder hatte eine doppelte Religion, eine im Munde, die andere im Herzen. Und man konnte mit Zuverlässigkeit nicht sagen, daß Einer derjenige wirklich sey, für den er sich ausgab. Das größte Mißtrauen herrschte und gährte unter den Parteien. Denn die heilige Religion, die Freundin des Friedens, sie war zur bitteren Hefe geworden und machte nur Grimmen und Blähung." (16)
Im Auerbacher Schloß kam am 26. Oktober 1589 Johann Joachim von Rustorff als Sohn des hiesigen Landrichters zur Welt. Er trat in den kurfürstlich-pfälzischen Staatsdienst und war vor allem als Gesandter unter Kurfürst Friedrich V. und seinem Nachfolger bis zu seinem Lebensende († 27. August 1640 in Haag in Holland) tätig. Seine ausführlichen Berichte, vor allem auch über den „Dreißigjährigen Krieg" (1618–1648), sind heute noch wichtige Geschichtsquellen für diese Zeit.
Der „Dreißigjährige Krieg"
Diesen seelisch-geistigen Nöten folgten bald noch andere, denn der durch den „Prager Fenstersturz" (23. Mai 1618) ausgelöste „Dreißigjährige Krieg" traf auch Auerbach bald voll. So vertrieben z. B. die Truppen Herzog Maximilians I. von Bayern (1597–1651) Ende 1621 die Soldaten des Herzogs von Weimar aus der Stadt und quartierten sich selber hier ein. „Sie hausten wie die Barbaren. ... Die Bürger seufzten unter dem Druck der Soldateska, die von ihnen vollständig ernährt werden mußte." (17) In derselben Zeit zogen auch noch 9000 polnische Kosaken durch Auerbach, die ebenfalls unsägliche Greuel verübten.
Bald wechselten sich schwedische und bayerische Truppen im Besetzen der Stadt ab. Plündernd, brennend und mordend zogen die verschiedenen Soldatenhorden durch die Gegend.
[obr] Abb. 6
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