Unsere Kocherei – daheim
„Essn u Trinkn hält Leib u Söl zåmm." – Dieses Sprichwort über eine ausgewogene Ordnung bei der Ernährung war auch bei uns verbreitet, ohne daß diese je in Völlerei ausartete. Die Menschen lebten bescheiden, Speis' und Trank genügten den Ansprüchen, Raffinesse war kaum gefragt. Dem werktätigen Lebensrhythmus mit seiner meist körperlich schweren Arbeit entsprechend sollte die Verpflegung Rechnung tragen. Außerdem bestimmten die jeweiligen wirtschaftlichen Möglichkeiten die Qualität dessen, was auf den Tisch kam. Immer wieder galt es, Kriegs- und Notzeiten durchzustehen, die stets Einschränkungen bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln mit sich brachten, und vielen von uns bleiben die farbigen Lebensmittelmarken aus dem Zweiten Weltkrieg mit ihren Zumessungen in Gramm in lebhafter Erinnerung. Die Arbeitslosigkeit zwischen den beiden großen Kriegen tat ein übriges, um die Mahlzeiten noch dürftiger ausfallen zu lassen, so daß dann mitunter Schmalhans Küchenmeister war. Und an der Nahrung ließ sich dann nochmals sparen, wenn die finanzielle Haushaltsdecke sich als zu kurz erwies.
Umso mehr verdienten unsere Mütter und Frauen höchstes Lob, wenn sie es immer wieder irgendwie bewerkstelligen konnten, ihre Familien trotz aller Mängel mit schmackhaften Gerichten in ausreichender Menge zu versorgen. „Wåssåsuppm u ä Schnietz Bråud¹⁾" oder „Eådeppl, Buttå u Sålz" wurden hierbei durchaus als gängige Mahlzeiten aufgefaßt, auf die oft zahlreiche hungrige Mäuler warteten.
Aber auch in besseren Zeiten blieb der Speisezettel im wesentlichen derselbe. Unentbehrliche und bodenständige Grundstoffe für viele Gerichte unserer böhmisch-österreichischen Küche bildeten Mehl und Kartoffeln. Einer Fehleinschätzung unterläge aber, wer unseren Speisenplan deshalb als einseitig oder gar primitiv einstufen wollte. Einfallslos war unsere Küche beileibe nicht. So ließen sich aus Mehl mit den entsprechenden Zutaten z.B. die bekannten böhmischen Knödel, Omeletten, Liwanzen²⁾, Nudeln und – für kirchliche Feiertage – Kuchen aller Art herstellen, aus Kartoffeln, gekocht oder „grün" (= roh gerieben), ebenfalls verschiedene Knödel- oder Pfannengerichte, ferner Beilagen oder Salate zubereiten. Die Verbindung beider bildete die Grundlage einer Reihe weiterer „nahrhafter Speisen", z.B. „Eådepplbiåzl³⁾, Puffå⁴⁾, Schtoppålå⁵⁾" und anderer Rezepte. Das tägliche Brot, ein Mischbrot aus Roggen- und Weizenmehl, stand als wichtiges Grundnahrungsmittel mit an oberster Stelle. Seine kleinen „Verwandten", die Semmeln, konnte man in vielen Formen kaufen, z.B. als „Hirlå" (Hörnchen) oder geflochtene Mohnsemmeln.
Gern gesehen waren kräftige Suppen, mit Grieß, Graupen, Haferflocken oder „Fanzl" (Omelette) als Einlage, und ein gehaltvoller Eintopf. Die Köchin rührte diesen ebenso wie die meisten der beliebten Soßen zum Binden mit dem sättigenden Einbrenn (Mehlschwitze) an.
„Fleischliche Freuden" als Braten, Schnitzel, eingelegt, gedünstet oder gekocht, gab es seltener und wenn, dann nur in kleineren Mengen, häufiger hingegen als Hackfleisch (Hackbraten oder Faschierts, je nach Form auch Karbonadl oder Wiegebraten = „falscher Hase" genannt). Innereien, wie Leber, Lunge und Nieren („Sauers") sowie Wurstsuppe dienten als preiswerte und willkommene Abwechslungen.
Als Festtagsbraten kamen an Ostern junges Zickl (Ziege), an Kirchweih und Weihnachten Gänse und Enten, aber auch Hühner und Hasen aus eigener Kleintierhaltung auf den Tisch.
Fisch – ausgenommen Salzheringe, damals noch ein sog. „Arme-Leute-Essen" –, bereicherte vor allem am Heiligen Abend und an Silvester als Karpfen die festliche Tafel.
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