Mit dem „Anschluß" endete weitgehend das herkömmliche Vereinswesen. Die mißliebigen Vereine und politischen Parteien wurden gleich aufgelöst, die Konsumgenossenschaften beseitigt, die Gewerkschaften in die „Deutsche Arbeitsfront" (DAF) übergeführt und gleichgeschaltet. Die anderen Vereine verloren Mitglieder an die „Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei" (NSDAP) und ihre Gliederungen (SS = Schutzstaffel, SA = Sturmabteilung, NSKK = NS-Kraftfahrkorps, NSFK = NS-Fliegerkorps, NS-Frauenschaft, Jugendorganisationen usw.), die fortan eine rege Tätigkeit entfalteten. Um nur einige Beispiele zu nennen:
Erfassung und Uniformierung der einzelnen Organisationen,
Durchführung von Appellen, Feiern, Aufmärschen zu allen möglichen Anlässen,
regelmäßiges Abhalten von Heimabenden, Bastelstunden usw.,
Teilnahme an sportlichen Wettkämpfen (Leistungsabzeichen),
Beteiligung an Geländespielen, Schießübungen usw.
Für viele Zeitgenossen bedeutete der „Anschluß" die Erfüllung aller Hoffnungen und Wünsche. Endlich bestand wieder Aussicht auf Arbeit und Brot. Ein neues „Wir-Gefühl" stellte sich ein, weil man nun in einem deutschen Nationalstaat (zum ersten Mal in der Geschichte!) und in einer intakten Volksgemeinschaft leben durfte.
Diese Einschätzung der Lage teilten nicht alle Landsleute, und die unrühmlichen, aus heutiger Sicht unverständlichen Pogrome gegen unsere unbescholtenen jüdischen Mitbürger Fischer und Weidl bereits im November 1938 gaben ihnen recht. Manche emigrierten, viele wurden unschuldig inhaftiert oder kamen im KZ um.
Am 1.9.1939 brach der Zweite Weltkrieg aus, nur elf Monate nach dem Anschluß des Sudetenlandes an das Deutsche Reich.
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