Genossenschaften
Konsumverein
Im Jahre 1850 sind im Geiste der Selbsthilfe – für Arbeiter, Angestellte und Handwerker – der erste deutsche Konsumverein sowie der erste Kredit- und Vorschußverein gegründet worden. Ein Jahr später entstand ein Darlehenskassenverein, um Kleinbauern und Tagelöhnern zu helfen. Damit begann das gewerbliche und landwirtschaftliche Genossenschaftswesen. Grundidee aller Verbrauchergenossenschaften war, wirtschaftlich schwache Verbraucher zusammenzuschließen, um durch Großeinkauf eine preisgünstige Warenabgabe an Mitglieder zu ermöglichen.
In unserer Stadt hatten vor der Jahrhundertwende Facharbeiter einen Ein- und Verkaufsverein geschaffen. Um 1910 wurde der Konsumverein gegründet. Er trug zunächst den Namen „Konsumverein Zukunft". In Schönfeld entstand eine Zweigstelle. Nach der aus wirtschaftlichen und organisatorischen Gesichtspunkten sinnvollen Angliederung an den Chodauer Konsum, der den Bezirk Elbogen belieferte, lautete der Name „Konsumverein Chodau, Zweigstelle Schlaggenwald" bzw. „Schönfeld". Es war nicht einfach, Fuß zu fassen. Eine Gruppe von Idealisten opferte ihre karge Freizeit (Regelarbeitszeit werktäglich 10 – 12 Stunden), um mit Tatkraft das gesteckte Ziel zu erreichen. Erst im dritten Anlauf genehmigten die Behörden die mühsam ausgearbeiteten Statuten. Nicht minder schwierig war die Werbung von Mitgliedern. Die Mitgliedschaft war von der Einzahlung eines Geschäftsanteils abhängig, den viele Arbeitnehmerhaushalte nicht oder nur mit Ratenzahlung aufbringen konnten.
Die erste Verkaufsstelle befand sich am Alten Markt. Erst nach dem Ersten Weltkrieg konnte das Gebäude an der Hauptstraße erworben werden. Beim Umbau im Jahre 1925 entstanden Verkaufs- und Lagerräume für Lebensmittel, ein Verkaufsraum für Fleischwaren, ein Kühlraum sowie Wohnungen im ersten Stock. Im Jahre 1929 baute man auf der Oberen Gasse eine weitere Filiale.
Der Konsumverein, in der Umgangssprache „Konsum" genannt, bezog die Waren teils von Grossisten und teils direkt von den Bauern. Mit sogenannten Konsumbäckern und -fleischern war vereinbart worden, daß die Mitglieder mit Wertmarken einkaufen konnten, die sie im Konsum erwarben. Die Geschäftsleute rechneten monatlich mit den Filialen ab. Mit dieser Regelung wurde erreicht, daß den Mitgliedern auf alle Einkäufe Skonto gewährt werden konnte, also nicht nur für die unmittelbar im Konsum erhältlichen Waren. Es gab Rückvergütungsmarken oder die Möglichkeit, die Kassenbons zu sammeln und den errechneten Rabatt in einer Summe – zum Beispiel zum Weihnachtseinkauf – in Anspruch zu nehmen.
Die Gründer des Konsumvereins und die vielen ehrenamtlichen Helfer konnten mit der Durchsetzung der Genossenschaftsidee zufrieden sein. Nach dem Geschäftsbericht 1927/28 gab es bei uns über 600 eingeschriebene Mitglieder.
Nach dem „Anschluß" ist der Konsumverein aufgelöst worden. Auf die Rückzahlung der Geschäftsanteile mußten die Mitglieder bis 1940 warten.
Sparkasse
Die wirtschaftliche Entwicklung veranlaßte unternehmende Männer, im Jahre 1868 einen „Spar- und Vorschußverein" auf genossenschaftlicher Basis zu gründen. Die Stadt rief ihre Bürger auf, dem Verein beizutreten. Sie stellte auch Geschäftsräume im Rathaus bereit und beauftragte Gemeindebeamte mit der Durchführung der Aufgaben. Der Geschäftsumfang nahm rasch zu, so daß bald eigene Kräfte angestellt werden mußten.
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