Im Jahre 1823 besuchte der große Dichter zum letzten Male unsere Heimat, blieb ihr aber bis zu seinem Lebensende in Gedanken verbunden, hatte er doch durch ihre natürlichen Quellen, durch den Reichtum an landschaftlichen Schönheiten und an Mineralien Gesundung für seinen Körper, Freude und Spannkraft für seinen Geist gefunden.
Schlaggenwald ehrte das Andenken Goethes durch Errichtung zweier Gedenktafeln. Die eine befand sich in der ehemaligen Gaststätte im Rathaus, wo Goethe eingekehrt war, die andere war an der Marktplatzseite des Rathauses angebracht. Beide Tafeln enthielten das Portrait Goethes und eine Inschrift, die besagte, daß der große Meister der Dichtkunst in den Jahren 1811 und 1818 in unserer Stadt verweilte.
Der Brand des Rathauses im Jahre 1977 vernichtete auch diese Gedenktafel.
Die Urgebirgsgesteine unserer Heimat, wie Feldspat, Glasstein, Granit (Gemenge aus Feldspat, Quarz und Glimmer), Gneis (granitähnliches Tiefengestein), Greisen (durch Gase veränderter Granit) und Quarze, und das Vorkommen vor allem von Zinn- und Wolframerzen in verschiedenen Erscheinungsformen (als Drusen¹⁴⁾, Graupen und Stufen) und Verbindungen (als Zinnstein und Wolframit), dazu das Auftreten zahlreicher anderer Erze und Mineralien, dienten dem Herrn Geheimrat zu eingehenden Studien und sorgten für die Bereicherung seiner umfangreichen Sammlungen.
Eine kleine Auswahl der Funde, die Goethe „von Schlackenwalde" mitnehmen konnte, veranschaulicht auch heute noch den Reichtum an „Bodenschätzen", die im Schoße unserer Heimaterde verborgen liegen:
- Amethyst, weiß und violett (vom Berg Krudum), Schmuckquarz,
- Apatite, grün, auf Zinngraupen, Schmuckstein,
- Berylle, grün, säulenförmig,
- Brauneisenerze, Buntkupfererze,
- Flußspat, violettblau, Kristalle würfelig,
- Gipskristalle, Glimmer, Glimmerschiefer (Biotit),
- Gneise, Granite (sehr quarzreich),
- Karpholit, davon Stufen, feine Nadeln,
- Kupferkies, Mangankies u. -blende,
- Molybdänglanz,
- Opale, Phosphorit, Quarze (Bergkristall, Rauchquarz u.a.),
- Wolframit, braun, schwarz,
- Zinnstein, als Drusen, Graupen, braun, schwarz,
- Zinkblende, schwarz, mit Kupferkies usw.
Um das Interesse Goethes an der Geologie, am „Mineralogisieren", wie er es nannte, ranken sich auch einige Anekdoten. So trieb sich Goethe einst mit Herrn von Stein in den Bergen um Schlaggenwald herum und suchte, nach seiner Gewohnheit, eifrig nach seltenen Steinen, als ein heftiger Regen einsetzte. Stein wurde ungeduldig, wegen der Nässe mißmutig und wollte nach Hause. Goethe indessen bekümmerte weder der Regen noch die Unruhe seines Begleiters. Schließlich begehrte Herr von Stein auf und rief ärgerlich: „Nun, wenn Sie so ein ausgesprochenes Interesse an Steinen haben, zu welchen Steinen rechnen Sie dann mich?" – Gelassen erwiderte Goethe: „Zu den Kalksteinen, mein Bester, wenn Wasser auf sie kommt, dann brausen sie auf!"
Goethe sprach und schrieb wiederholt von seinem „geliebten Böhmen". Er besuchte bei seinen Bäderreisen zwar nur den deutschsprachigen Teil des Landes, wußte aber sehr wohl, daß es dort zwei Völker gab, deren Existenz nicht frei von Spannungen war. Als weltgewandter Staatsmann fand er auch Kontakte zu führenden Tschechen. Sein Interesse an der Geschichte Böhmens und seine persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse fanden ihren
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