Der Dieb**
Diebsgesindel hatte es bei uns daheim schwer. Man machte mit ihm kurzen Prozeß, wie die kleine Gassengeschichte beweist:
„Af dä Tröib, dåu wår ä Döib, af dä Donnå håm s'n gfångä, af'm Groom, dåu håm s'n gschloogn, af dä Peint, dåu håut ä greint, u am Turm, dåu is ä gschturm."
Herr Professor, öitzä haßt's raggärn!¹⁾
Der Benjau Tonl, ein stadtbekannter „Lauser"²⁾, sann ständig auf Bubenstreiche.
Einmal stand er am Marktplatz unter den Kastanienbäumen. Als er den alten und ehrwürdigen Professor Korb marktaufwärts spazieren sah, war sein Plan schon reif. Er ging hinüber zur Apotheke, die während der Mittagszeit geschlossen war, stellte sich unter die Klingel und weinte. Der Professor fragte ihn mitleidig nach dem Grund. Der Junge zeigte unter heftigem Schluchzen auf den Klingelknopf und deutete an, er möge ihn drücken, da er selber zu klein sei, doch dringend eine Arznei brauche. Der alte Herr verstand dies sofort, streckte den Zeigefinger und – drückte auf den Knopf. Im gleichen Augenblick aber wurde der Tonl lebendig, Weinen und Schluchzen waren wie weggeblasen, er hockte sich, stützte die Hände auf die Knie, schaute so sein „Opfer" von unten herauf an und sagte: „Herr Professor, öitzä haßt's raggärn", drehte sich um, lief über den Marktplatz ins Schandarmgassl³⁾ und war verschwunden. Inzwischen hatte sich oben ein Fenster geöffnet, der Herr Professor wurde nach seinem Verlangen gefragt und mußte sich für sein gutes Werk noch entschuldigen.
1) jetzt heißt es rennen!
2) Lausbub
3) Gendarmengasse
Steuerehrlichkeit
Wer weiß noch, daß der Klementschuster die vom Steueramt Elbogen an ihn gerichteten Steuerbescheide kurzerhand in den Flutbach warf mit dem Bemerken: „Dåu gäiht's hie, wåut's herkummä sat's!" –
(Hochdeutsch: Geht nur wieder dorthin, von wo Ihr hergekommen seid! –
Anmerkung: Der Flutbach mündet in Elbogen in die Eger)
Schulzidackel
Als um das Jahr 1910 ein gewisser Schulze aus Hamburg mit leeren Taschen gezogen kam, ahnte niemand, daß diesem Mann in der alten Bergstadt der Ruhm der Unsterblichkeit blühen sollte.
Er ging mit dem Hut in der Hand von Tür zu Tür betteln, sprach dabei hochdeutsch und entpuppte sich bald als ein Original, das von der Schuljugend den Spitznamen „Schulzidackel" erhielt. Wo immer er auftauchte, erscholl dieser Ruf. Schulze schimpfte zwar auf die bösen Buben, konnte aber damit nur wenig ausrichten. Im Gegenteil: Ein gewitzter Schulbub „vertonte" den Spottruf sogar zu einem Pfiff von vier kurzen Tönen:
Schul-zi-dak-kel! Dieser Pfiff gefiel jung und alt so gut, daß er, auch in anderen Tonhöhen, zum besten akustischen Such-, Sammel- und Erkennungssignal unter den Schlaggenwaldern daheim und in der Fremde geworden und geblieben ist.
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