Sprache
Die Eigenart unserer Mundart im Egerland
Die Sprache als geistige Grundlage und Mittel zur Verständigung unter den Menschen eines Volkes ist ein Kulturgut, dessen Bedeutung man erst dann so richtig erkennt, wenn es in seinem Bestand bedroht wird. Dies müssen wir – leider – für die Mundarten unserer Volksgruppe befürchten.
Eine solche Bedrohung schien sich schon nach dem Ersten Weltkrieg abzuzeichnen, als 1918/19 der deutsche Sprachraum in Böhmen in die neugegründete ČSR eingegliedert wurde. Für unsere Heimat erwuchsen daraus aber keine sprachlichen Schwierigkeiten. Unsere Sprache war und blieb Deutsch.
Der Unterricht an den Schulen wurde bei uns, auch in den Jahren von 1918 bis 1938, in deutscher Sprache abgehalten, Tschechisch später nur an der Bürgerschule als Wahlfach angeboten. Lediglich an den höheren Schulen lehrte man bis 1938 Tschechisch neben Französisch und Englisch als Pflichtfach. Amtliche Urkunden und Vordrucke, die im Verwaltungswege ausgefertigt wurden, waren in dieser Zeit im allgemeinen zweisprachig, Zeugnisse, Geburts- und Taufscheine in der Regel nur in deutscher Sprache ausgestellt. Wer zum tschechischen Militär einrücken mußte, in Prag studierte oder im Innern der neuen Republik beruflich tätig war, konnte nicht umhin, sich die erforderlichen Kenntnisse in dieser Fremdsprache anzueignen oder diese zu vervollkommnen. Daher waren im Egerland nur wenige der tschechischen Sprache mächtig; allenfalls reichte es zur notdürftigen Verständigung. Andererseits konnten sich viele Tschechen, allein durch die lange Zugehörigkeit zur k.u.k. österreichisch-ungarischen Monarchie, auf deutsch gut verständlich machen. Dies galt auch für die tschechischen Bediensteten bei Bahn, Post und Gendarmerie, die von der Staatsgründung der ČSR im Jahre 1918 bis zur Angliederung des Sudetenlandes an das Deutsche Reich im Jahre 1938 alle Beamtenstellen besetzt hielten.
Das gediegene Schulsystem Österreichs und unsere bewährten Lehrkräfte verstanden es hervorragend, uns Schülern die deutsche Sprache in Wort und Schrift gründlich beizubringen, galt es doch auch, diese im Grenzraum ständig gegenüber derjenigen der slawischen Nachbarn zu behaupten.
Im täglichen Umgang bediente sich die Bevölkerung weniger des Hochdeutschen als Muttersprache, sondern unterhielt sich lieber in ihrer eigenen, für Fremde nicht immer leichtverständlichen „Schlaggenwalder Mundart". So hatte selbst Goethe bei seinen Besuchen im Egerland mit dem Verstehen der Mundart seine Schwierigkeiten, beliebte aber zu formulieren: „Jede Provinz liebt ihren Dialekt, denn er ist das eigentliche Element, in welchem die Seele ihren Atem schöpft."
Eine Mundart ist eine aus dem einfachen Volk kommende, in langen Zeiträumen gewachsene, in ihrem unverwechselbaren Klang bodenständige, eigentümliche und lebendige Sprache, direkt, kurz, saftig, manchmal sogar derb und keck und doch trefflich, oftmals viel besser als die Hochsprache formulierend, herzlich und nicht nachtragend im Ausdruck. Sie ist Ergebnis von Erfahrungen, bildreich Gebräuche und Gewohnheiten erdverbundener Bewohner, den Alltag der Bauern, den Werktag der Handwerker und Bergleute vertraut widerspiegelnd, voll von kleinen Weisheiten, unlöschbar eingeprägt im Gedächtnis der Menschen für ein Leben lang und ein Geschenk der Vorfahren an die Nachkommen, weitergegeben von der Mutter zum Kind, vom Großvater an den Enkel.
Und es läßt sich nicht bestreiten, daß aus der Vielfalt der Dialekte als den älteren und ursprünglicheren Sprachformen sich erst später eine einheitliche Schriftsprache entwickelte.
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