Das Schulwesen
Die deutsche Schule
Das Schlaggenwalder Schulwesen begann vor der Gründung der Stadt wahrscheinlich, wie überall auf dem Lande, mit Wanderlehrern. Der Unterricht beschränkte sich auf die Wintermonate, weil die Kinder in der übrigen Zeit ihren Eltern bei der Arbeit helfen mußten.
Der aufkommende Bergbau hob die Bürger aus den ländlichen Verhältnissen und verlangte für den Handel geschulte Kräfte.
Nach dem Zusammenwachsen der einzelnen Siedlungen und der Errichtung der St. Georgskirche – laut Pfarrgedächtnisbuch im Jahre 1242 – strebte man eine verbesserte Ausbildung an.
Mit der Zuweisung eines Pfarrers im Jahre 1357 wurde die Schule unter die Obhut der Kirche gestellt. Der Unterricht fand in einem eigenen Raum statt, und der Schulmeister war zugleich Mesner. Dafür bezog er als Kantor Kirchen- und Meßgebühren.
Leider liegen über die Entwicklung des Schulwesens in den folgenden Jahren keine Unterlagen vor, weil die Hilfskräfte der kaiserlichen Truppen im Jahre 1632 alle Bücher und Akten im Rathaus vernichteten.
Wie die gesellschaftliche Entwicklung am Ende des Mittelalters zeigt, entsprachen die vorhandenen Dom- und Stiftschulen mit ihrem Bildungsangebot nicht mehr den Bedürfnissen der Bürger. Die Bürgersöhne, die einmal im Rat sitzen wollten, brauchten eine auf das Praktische ausgerichtete Ausbildung, um dem Schriftverkehr und dem Rechnungswesen gerecht werden zu können. Wer als Handwerker in eine Zunft aufgenommen werden wollte, mußte eine bestimmte Vorbildung aufweisen, die „Christenlehre absolviert haben" und nach dem Aufkommen der Schreibschulen Elementarkenntnisse mitbringen. Dafür waren auch die Gelehrtenschulen nicht geeignet. Der Rat sorgte daher für entsprechende Einrichtungen. So entstand in Schlaggenwald unter städtischem Patronat die „deutsche Schule". Der Unterricht sollte von der Muttersprache ausgehen und bis in die Anfänge des Lateinischen führen.
Da es in dieser Zeit noch keine Schulbücher gab, bestand die Lehrweise an diesen Schulen – den späteren Volksschulen – im Vorsagen und Nachsprechen sowie im Aufgeben und Abhören des Lerngutes. Und das oft bei unzureichend ausgebildeten Lehrern!
Zu ihrer spärlichen Besoldung erhielten diese als Zulage ein Schulgeld und einen kleinen Geldzins, den die Bäckerinnung jährlich zu zahlen hatte.
Urkundlich wird die deutsche Schule in Schlaggenwald im Jahre 1537 erwähnt. Knaben und Mädchen wurden zusammen in einem Raum unterrichtet. Als erster – in den Akten vermerkter – deutscher Schul- und Rechenmeister wirkte Hans Kolb aus Nabburg.
Der Ausbau des Schulwesens hängt neben dem stets vorhandenen Interesse der Ratsherren, den Bildungsbedürfnissen der Bürger zu entsprechen, eng mit den geistigen Bestrebungen und der damit verbundenen Umstellung der Bürger durch den Humanismus (13. bis 16. Jh.) als Gegenzug zur Scholastik zusammen. Der Humanismus wollte die als engstirnig empfundene dogmatische Schulweisheit der Scholastik (etwa 9. bis 14. Jh.) ablösen. Es fand eine literarische und philosophische Wiedererweckung der Antike statt, die besonders durch die aufkommende Reformation beflügelt wurde.
Dieser Umbruch veränderte das kulturelle Bild der Stadt, und die Bürger stellten immer höhere Ansprüche. Der aufblühende Bergbau zog ständig neue Bergleute an. Die Stadt vergrößerte sich, und die Schule mußte ausgebaut werden. Der Rat stellte aber nicht nur neue Räume zur Verfügung, er forderte auch hohe Leistungen von den Lehrern und pflicht-
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