Da der Vorname Anna bei uns weit verbreitet war, feierten viele Familien diesen Namenstag am 26. Juli bei Kaffee und Streuselkuchen; auch ein „nåckåtå" war keineswegs zu verachten. Es entsprach einem herkömmlichen Brauch, Kinder mit kleinen Geschenken zu Frauen mit diesem Vornamen zu schicken. Obwohl in der Neustadt die St. Annakirche stand, gab es kein eigenes Patroziniumsfest wie in Zettlitz bei Karlsbad.
Während der Sommerferien halfen groß und klein „beim Schniet" (Getreideernte). Die Kinder gingen am Ebmetteich zum Baden oder wurden „in die Beeren" geschickt. Zum Schulbeginn, Anfang September, erhielten sie die alten Hefte zurück. Häufig fertigten sie aus den Seiten lange Schwänze für die Papierdrachen. Überall auf den Fluren ließen Scharen lustiger Kinder ihre mit Fratzen bemalten Drachen steigen, ein untrügliches Zeichen dafür, daß der Herbst nahte. Blies der Wind über die Stoppeln und sammelten sich die Zugvögel auf den Leitungsdrähten zum großen Flug in den Süden, dann hieß es bei uns: „Mariä Geburt, dåu zöihå die Schwålm furt" (8.9.). Die Hopfenzupfer kehrten aus dem Saazer Land zurück.
Am zweiten Sonntag im September feierte unsere Bergstadt traditionsgemäß ihre „Kirwå" (Kirchweih). Die Vorbereitungen begannen schon am Montag vorher mit einem gründlichen Hausputz vom Dachboden bis zum Keller. Dann galt das Interesse der rührigen Hausfrauen besonders den leiblichen Genüssen. Dazu gehörte es, auf großen runden Kuchenblechen, die in keiner häuslichen „Röihå" Platz fanden, die „Kirwåkouchn" sorgfältig mit Apfelscheiben, Mohn, Powidl, Quark, Schwarzbeeren, Zwetschgen und, je nach Geschmack, mit Rosinen und Streusel zu belegen und beim Bäcker backen zu lassen.
Auf dem Marktplatz oder auf der „Tröib" herrschte eine Woche lang bei lauten Orchestrion- und Drehorgelklängen reges Volksfesttreiben, das am Kirchweihsamstag seinen Höhepunkt erreichte. Karussel (Ringelspiel), Schiffsschaukel, Tunnelbahn, Schau-, Schieß- und Wurfbuden luden jung und alt zu Kurzweil und Lustbarkeiten ein, und Zauberkünstler zeigten ihre Kunststücke. Und wenn die Stimmung am höchsten war, rief einer im Übermut: „Woos håmmå heint?" Im Chor erscholl die Antwort: „Kirwå!" Am Abend drehte sich alles beim Kirwåtanz.
Am arbeitsfreien Kirchweihmontag priesen am Jahrmarkt die Händler in den zahlreichen Verkaufsständen ihre Waren, wie Kleidung, Schuhe, Geschirr und andere Haushaltsartikel, an. Auch Zuckerwerk fand immer seine Abnehmer, und über allem lag der Duft von gebrannten Mandeln und türkischem Honig.
Vier Wochen später, Mitte Oktober, feierten wir Schlaggenwalder auf den umliegenden Dörfern die sog. Landkirchweih, auch „Echålandå Kirwå" genannt. Für die ländliche Bevölkerung bedeutete diese Kirchweih etwas Besonderes: Sie galt dem Erntedank und war Hausfest zugleich. So waren Korn, Hafer und Gerste mit Gottes Hilfe eingebracht, die „Houtmannlå" von den Stoppelfeldern verschwunden und die Klopftakte der Drischeln (Dreschflegel) und das Gebrumm der Dreschmaschine beim „Druusch" in Scheunen und Höfen verklungen. Der Bauer konnte mit ansehnlichen Vorräten in Haus und Scheune zufrieden sein.
Der Kirchweihsonntag begann mit einem prunkvollen Gottesdienst und der Weihe von Erntegaben. Verwandte und Bekannte kamen von auswärts zum Fest und erhielten zum Abschied mancherlei Mitbringsel und Wegzehr. Am Nachmittag reichte die Hausfrau Gästen und Gesinde zum Kaffee den saftigen „Kirwåkouchn". Auch die Bettler, „Fechtå" genannt, kamen auf ihre Rechnung.
Für Nachschub an begehrten Zwetschgen sorgten viele Schlaggenwalder gerne am „Zwatschichmårkt" in Petschau, der auf den Montag der Landkirchweih fiel.
Hagebutten und Schlehen einzutragen, Weißkraut einzuhobeln und einen gehörigen
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