Schlaggenwald
im Bezirk Elbogen, eine herrliche und billige Sommerfrische.
Wenn der Wanderer von der stolzen Burggrafenstadt Elbogen mit der Bahn oder zu Fuß kommend durch das vielfach gewundene, enge, von steilen Granithängen flankierte und mit Fichten, Birkenbeständen bewachsene, an der Seite des wild rauschenden Flutbaches, die letzte Krümmung des fast alpinen Zechtales verläßt, so bietet sich ihm ein überraschender, prächtiger Anblick der altberühmten Bergstadt Schlaggenwald mit der St. Georgs-Dehanalkirche auf der Höhe und dem am Abhange vorgelagerten Stadtteil dar. Der erstaunte Fremde steht nun auf historischem Boden einer teilweisen noch mittelalterlichen Kleinstadt mit geschichtlich reicher Vergangenheit in naturschöner, gesunder Lage und in der Nähe mächtiger Hochwälder, die sich auf den Ausläufern des Kaiserwaldes dahinziehen. Welch herrliches Panorama von Feld, Wiese, Teiche und den in Baumgrün versteckt liegenden Dorfschaften! Obwohl die freie Bergstadt Schlaggenwald bereits 1222 geschichtlich mit ihrem reichen Zinnsegen bekannt war, so ist doch sicher anzunehmen, daß schon vor dem Jahre 1000 Bergbau betrieben wurde und auch eine deutsche Siedlung bestand, wie aus den vorhandenen Opfer- und Thingstätten am Krudum geschlossen werden kann. Am 15. Mai 1357 wird ein Priester Ulrich als Pfarrer in Schlaggenwald ernannt und am 17. Dezember 1490 verleiht Heinrich der III. von Plauen der Stadt Schlaggenwald ein „vollkommenes Egerer Stadtrecht" mit seinem Familienwappen als Stadtwappen. Die Blüte der Bergstadt fällt in die Besitzzeit der reichbegüterten und mächtigen Herren Pflug von Rabenstein.
Um das Jahr 1600 waren in Schlaggenwald 32 adelige und Patrizierfamilien seßhaft und erforderte der reiche Bergsegen die Errichtung eines k. k. Bergoberamtes. Die Stadtkirche vom Jahre 1521, das Niedermann- und die Pflughäuser stammen aus dieser Glanzperiode, der große Stadtbrand vom Jahre 1713 vernichtete auch die zweite Kirche zu St. Anna, welche 1726 wieder erbaut, von dem berühmten Freskomaler Elias Dollhof mit Meisterhand geschmückt wurde. Aus Schlaggenwald stammen noch andere hervorragende Männer, so der Zeitgenosse Luthers, Kasper Bruchius, ferner Zacherias Theobaldus, Christophorus Crinesius, Andreas Richter, Cölestin Werner und der Prager Maler Anton Hölperl. Schlaggenwald besitzt ein reichhaltiges Museum und ein wertvolles Archiv mit vielen sehr seltenen Urkunden und Werken. Auch Wolfgang von Goethe weilte in den Jahren 1811 und 1818 hier und befindet sich am Rathause eine bezügliche Gedenktafel. 1812 besuchte Kaiser Franz der I. mit seiner Tochter Maria Louise unsere Bergstadt und befuhren den 72 Klafter tiefen Stollen des Hubertusstockes. Bei diesem Aufenthalte besichtigte Kaiser Franz I. die erste böhm. Porzellanfabrik Lippert & Haas, die heute unter der Firma Haas & Cžjžek A.-G. Weltruf genießt. Schlaggenwald hatte auch seinerzeit eine gut besuchte Lateinschule. Gegenwärtig zählt die Stadt in 568 Häusern rund 3400 Einwohner, besitzt eine Knaben-, Mädchen-Volks- und Bürgerschule, ist der Sitz eines Bahn-, Post- und Telegraphen-Amtes, eines Distriktsarztes und einer Apotheke. Die Stadt liegt in der Mitte der Autobuslinie Karlsbad—Marienbad mit täglich 12 Hin- und Rückfahrten, besitzt zwei katholische und eine evangelische Kirche. Die Lage in rund 600 Meter Seehöhe in reiner Gebirgsluft ist ebenso reizend, wie in gesundheitlicher Beziehung von äußerst günstiger Wirkung zur Behebung von Nervosität, Lungen- und Herzbeschwerden, wozu wesentlich ein idyllisch gelegenes Strandbad mit Kahnfahrten und die mächtigen Waldbestände beitragen. In nächster Nähe liegen die seltsame Waldquelle mit Waldandacht, die weiten lauschigen Waldwege zum Krudum mit der Dr. Kempfwarte, dem Muckengrundteich, Zwerglöchern, den Walddörfern, Dreihäuser und Kohling. In ¾ stündiger Entfernung liegt die Bergstadt Schönfeld mit ihrem massiven Aussichtsturm und über die waldreiche hohe Heide zum Herrensitz Schloß Ziegelhütten mit best zu empfehlender Restauration des Besitzers Hubl. 30 Minuten von der Stadt entfernt befindet sich das sanatoriumartige Erholungsheim des deutschen Turnverbandes mit guter Gastwirtschaft zum „Jahnheim", gegenüber liegt die Schießstätte „Pinge", Eigentum der Schützengesellschaft, ebenfalls mit solidem Gasthaus „Schießhaus." Unmittelbar an Schlaggenwald schließt sich das Stollenwäldchen mit dem Vogelschutzpark und dem Wolfshof an.
Die Bevölkerung ist ein heiterer, gesunder Egerländer-Thüringerischer Menschenschlag, so daß der Erholungsbedürftige sich bald heimisch fühlt. Hier sind alle jene Vorbedingungen in gesundheitlicher Hinsicht vorhanden, die für die Wahl einer guten und dabei sehr billigen Sommerfrische in Betracht kommen. Auskunft erteilt auf alle Anfragen bereitwilligst der Oberlehrer i. R. Josef Fischer, Schlaggenwald.
N. B. Tagespensionen von 18—24 Kč je nach Dauer und Ansprüche.
Rozdělení textu na listy je odhad — text může o odstavec přetéct na sousední list. Původní znění vlevo je vždy přesné.
Klikni na větu a ukáže se, kde na skenu stojí. Zvýrazňují se celé řádky, ne přesná slova — místo je tedy přibližné.
