Bronze oder Temperguß Verwendung. Für einen Teller benötigt man z.B. zwei Formteile; sie werden vor dem Zusammensetzen gereinigt, im Zinnbad vorgewärmt und in eine Formenpresse (Holzpresse) eingespannt. Dann erfolgt der Guß. Zur Beschleunigung kühlt man die Formen mit einem nassen Lappen ab und schlägt sie mit dem Hammer auf. Die Nahtstellen des gegossenen Stückes werden auf der Werkbank „entgratet", gefeilt, auf der Drehbank mit Handstahl abgedreht, geschliffen, poliert und Stücke aus mehreren Einzelteilen nach Bearbeitung zusammengelötet. Solche zusammengesetzte Gegenstände sind wesentlich schwieriger herzustellen. So wird z.B. ein Suppentopf aus 6 Teilen, ein gotischer Leuchter mit einer Höhe von 60 cm aber aus 24 bis 36 Teilen gefertigt.
Das Verfahren vom Bereiten der Legierung über den Guß bis zur Nachbearbeitung setzt reiche Erfahrungen voraus. Interessante Varianten lassen sich mit der Patina-Politur erzielen.
Zinngegenstände können auch „krank" werden. Sie bekommen hellgraue Flecken; auf diesen bildet sich ein Pulver, das Zinn zerfällt, und es entsteht ein Loch. Man nennt diese Erscheinung „Zinnpest".
Das Zinnmetall besitzt noch eine andere Besonderheit. Beim Hin- und Herbiegen ist ein „Knistern" zu hören, das „Zinngeschrei", eine Eigenheit, die kein anderes Metall aufweist.
Zu den fast unerschöpflichen und gesegneten Zinnerzfundorten im Bereich der alten Heimat zählten neben dem Kaiserwald früher auch das Erz- und das Fichtelgebirge. Am Fuße des Kornberges bei Selb stand die „Vorsuchhütte", in der das Erz aufbereitet wurde, und die Burgruine Epprechtstein erinnert an die reiche Bergbauvergangenheit. Im Erzgebirge lag der Hauptförderplatz St. Joachimsthal, im Kaiserwald Schlaggenwald–Schönfeld–Lauterbach. Das enge Tal der Seifertsgrün hatte noch 1699 nicht weniger als 14 Gebäude ..., die allein dem Erzbergbau dienten, und vom Hubwerk bis in die Stadt gab es allein 8 Pochwerke, die das Zinnerz mit Stempeln zerkleinerten, sowie unter anderem eine Schmelzhütte. Mit der Zinnmetropole Schlaggenwald erlebte das Kaiserwaldgebiet eine etwa 300jährige Blütezeit, die im 16. Jh. ihren Höhepunkt überschritt. Denn noch im gleichen Jh. begann der Rückgang im Erzbergbau. Die Gründe dafür waren Heimsuchungen verschiedener Art, wie Überschwemmung, Pestseuche, Glaubensspaltung, Kriegslasten durch den 30jährigen Krieg, Türkenkriege, Erbfolgekrieg, Siebenjähriger Krieg sowie Abbauerschwernisse, Kostenerhöhungen und Absatzschwierigkeiten. Im Jahre 1870 stellte man den Bergbau ein.
Ein kurzes Aufleben im Ersten Weltkrieg erlosch bald wieder.
Im Zweiten Weltkrieg schürfte die Fa. Friedrich Krupp, Egerländer Erzbergbau AG, erneut nach Erz.
Seit 1945 beutet der tschechische Staat mit modernisierten Mitteln die Erzminen aus.
Das Zinngießerhandwerk in Schlaggenwald
Während sich die Bergstadt zur bedeutendsten Metropole der Zinngewinnung in Westböhmen entwickelte und ihre höchste Blütezeit erreichte, war man natürlich auch an einer weiteren Verarbeitung des Zinns interessiert. So begannen in Schlaggenwald, Schönfeld und Lauterbach die ersten Zinngießer ihre Tätigkeit, und schon nach wenigen Jahren gab es in Schlaggenwald zahlreiche Zinn- und Glockengießereien einheimischer Herkunft. Am Anfang nannte man die Zinngießer auch „Kannengießer".
Bereits gegen Ende des 16. Jhs. bildete sich eine Zunft, der anfangs auch die Zinngießer von Schönfeld, Petschau und Elbogen angehörten. Ihre eigene Zunft gründeten die Schön-
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