Die „Porzelliner"
- nach einem Beitrag von Lm. Rudolf Marterer, Heimatbriefherausgeber 1961-71; teilw. gekürzt, abgeändert und ergänzt -
Seit Beginn einer fabrikmäßigen Herstellung von Porzellan im Jahre 1792 wuchs in Schlaggenwald und seiner Umgebung schon frühzeitig ein Stamm bewährter Porzellanarbeiter heran, deren fachliches Geschick von Generation zu Generation weiterentwickelt wurde. Für einen großen Teil der Bevölkerung bot die Beschäftigung in der „Fabrik" die materielle Grundlage, gab es doch fast in jedem zweiten Haus einen „Porzelliner". Und so war jener Betrieb, der sich mit seinen ausgedehnten Anlagen unterhalb des Stadtgebietes im romantischen Zechtal hinzog, für den Wohlstand der Stadt direkt und indirekt von größter Bedeutung.
Die Erinnerung an das Leben und Treiben in unserer Vaterstadt wäre unvollständig, wenn man der Porzelliner nicht gedächte, über deren Tätigkeit manche unserer Landsleute leider nur unvollständig unterrichtet sind. Der Wert des Porzellans ist uns eben daheim nie so recht zum Bewußtsein gekommen, da wir direkt an der Quelle saßen und unsere „Kredenz" (Anrichte) meist mit solchem Geschirr vollgestopft war. Erst in der Fremde erkannten wir, welchen Wert ein guter Porzellanteller, eine Schüssel, ein Suppentopf oder ein Becher von erlesenem Geschmack besitzt. Selbst die einfachsten Leute waren gut und reichlich ausgestattet.
Zur Ehre unserer Heimatstadt können wir sagen, daß die hervorragende Qualität des Schlaggenwalder „Weißen Goldes" in erster Linie der sorgfältigen Arbeit der Porzelliner zu verdanken war, die jahraus, jahrein gewissenhaft ihre Arbeitspflicht erfüllten.
Die meisten unserer Porzelliner hatten von der Pike auf gelernt und waren von erfahrenen Meistern in allen einschlägigen Arbeiten praktisch unterrichtet worden. Die Betriebsleitung und die nach dem Ersten Weltkrieg in Karlsbad-Fischern gegründete „Staatsfachschule für Porzellanindustrie" hatten sich die praktische und theoretische Ausbildung von Fachkräften zum Ziel gesetzt. Durch vom Arbeitgeber und vom Staat gewährte Stipendien konnten begabte, minderbemittelte, junge Schlaggenwalder Porzelliner ihr fachliches Wissen und Können zum Nutzen ihres Betriebes erweitern. Nach Abschluß der Lehre, die in früheren Zeiten bei den Drehern und Malern 4-5 Jahre dauerte, mußte der Lehrling eine Prüfungsarbeit (Probestück) anfertigen. Der Freispruch von der Lehre, nach alter Sitte ein feierlicher Akt, zu dem die Beteiligten in Frack und Zylinder erschienen, beendete die Ausbildung. Auch wenn ein Berufskollege zu Grabe getragen wurde, war diese Kleidung ungeschriebenes Gesetz. Es war Brauch, den frischgebackenen Gesellen nach dem Freispruch mit „Sie" anzusprechen. Abends begossen die Arbeitskollegen diese Freisprechung in einem Wirtshaus; für die Kosten hatte der Freigesprochene aufzukommen. Laut mündlicher Überlieferung ging es da nach echt „schlaggenwalderischer Gselligkeit" oft bis zum Morgengrauen lustig und fidel zu. Diese schöne Gepflogenheit blieb mit geringen Abweichungen bis zum Ersten Weltkrieg erhalten.
So mancher Porzelliner ging nach der Lehrzeit in die Fremde, um etwas von der Welt zu sehen und andere Arbeitsmethoden kennenzulernen. In Selb, Tirschenreuth, Waldsassen, Weiden, Thüringen, Dresden, Berlin, Wien, überall traf man Schlaggenwalder Dreher und Maler. War ihr Fernweh gestillt, zog es die meisten wieder nach der Heimat zurück.
Hervorzuheben sind bei den Porzellinern Fleiß, Sparsamkeit und die Pflege guter Freundschaft. So mancher brachte es zu einem Häuschen, einigen Feldern oder sonstigem Besitz, und nicht wenige bearbeiteten als Nebenerwerbs- und Kleinstlandwirte (mit Ziegen, Geflügel usw.) mit der Familie das Feld. Unter den Modelleuren, Oberdrehern,
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