Schlaggenwalder Porzellan
Der Beginn des Porzellanschaffens
Es war um das Jahr 1300 n.Chr., als der Asienreisende Marco Polo das China-Porzellan nach Europa brachte. Nicht allein der technische Wert des Werkstoffes Porzellan in seiner ganzen scherbendichten, glasurglänzenden Eigenart und seiner Transparenz (Durchschein) begeisterte die Europäer so, daß man diese Porzellangegenstände mit Gold aufwog, vielmehr waren es die ausgezeichnete künstlerische Formgebung der Gefäße und Plastiken und die nach der belebten Natur gestalteten Malereien und Dekore.
Bislang hatte man in Europa nur Fayencen und Töpferwaren erzeugen können, die nicht an das härtere und im Scherben vollkommenere Porzellan der Chinesen herankam. Obzwar das China-Porzellan dem heutigen europäischen gegenüber ein „Weichporzellan" darstellte, war es eben die Vollendung, die Spitze aller keramischen Erzeugnisse. Denn der ideale Versatz eines solchen Porzellans mit 50 Teilen Kaolin, 25 Feldspat und 25 Quarz wird im hochgradigen Porzellanbrand zu einem gesinterten Scherben und daraufliegend, verwachsen mit diesem, entsteht eine gläserne Haut.
Die Erfindung des europäischen Porzellans durch Böttger auf der Albrechtsburg in Meißen fällt in das Jahr 1709. Es ist somit ein Kind des Barocks. Alle seine Formen werden diesem feinen, glänzenden Werkstoff „Porzellan" zugute kommen, der höchstgeeignet ist, die bewegten Modulationen in Barock und Rokoko eigenwillig zu steigern. Von besonderem Wert dürften für Böttger die Anregungen gewesen sein, die er von Ehrenfried Walther von Tschirnhausen (1651–1708) erhielt, dem berühmten Mathematiker und Physiker, der aus dem mährischen Adel stammte und sich bereits früher, aber ohne Erfolg, mit der Herstellung des chinesischen Porzellans befaßt hatte.
Der große Bildhauer August des Starken, Kandler, und sein Hofmaler Herold wurden die Urheber der ersten Porzellanformgebung und Dekoration. Wir erinnern uns an die großen Meißner Tierfiguren, also Kabinettstücke zur Repräsentation für den Hof und für den neuen Werkstoff. Schon sehr bald kam man darauf, daß das Porzellan eine bestimmte Größe in der Modellierung gesetzmäßig vorschreibt. Auch die technischen Schwierigkeiten beim Brand zwangen zu kleineren Einzeldarstellungen.
Nach Meißen begann an allen Fürstenhöfen das eifrige Suchen nach dem Porzellanwunder, das Alchemisten und Arkanisten+) anzog.
1717, etwa zwei Jahre vor Böttgers Tod, nahm ein unzufriedener Laborant, der Emailer und Vergolder namens Hunger, 1718 auch der Meißner Arkanist Stölzel, das Geheimnis des „Porzellanmachens" mit nach Wien, worauf 1718 die Wiener Porzellanmanufaktur gegründet werden konnte. Somit kam aus Sachsen die Kenntnis der „Porzellankunst" ins alte Österreich. Als die Kaolinlager bei Aue in Sachsen sich zu erschöpfen begannen, suchte man den unentbehrlichen, edlen Stoff weit über die Grenzen hinaus.
Als 1790 in Zettlitz bei Karlsbad reiche Kaolinlager entdeckt wurden, wollte man auch in Österreich eine Porzellanindustrie aufbauen. Mit einem Hofdekret wurde dem Geognosten (Geologen) Mohls aufgetragen, Böhmen zu bereisen. Er berichtete über ausgiebige Kaolinvorkommen im Elbogener und Karlsbader Kreis; im Jahre 1811 dazu noch, daß dort neben Kohlelagerstätten weitere für die Porzellanherstellung notwendige Rohstoffe, wie Feldspat, Quarz und gemeine Tone, vorhanden sind. Damit erhielt das Egerland den Vorzug, eine bodenständige Porzellanindustrie zu gründen. Dem Bericht
+) Arkanist = Kenner der Massezubereitung und der Brennverfahren
Arkanum = Geheimnis; die Geheimnismacherei der Arkanisten
Arkansit = Mineral (Arkansite) nach dem Staate Arkansas (USA)
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