Die Glaubensspaltung und ihre Folgen (1517–1648)**
Am 30.10.1517, als Martin Luther seine Thesen verkündete, dachte er zuerst wohl nur an eine Reform; doch es kam anders.
Bald nachdem sich die Reformation angebahnt hatte, beschloß der mächtige Burggraf von Elbogen, Sebastian Schlick, die neue Lehre im Elbogener Kreis einzuführen. Auch die Bergleute von Schlaggenwald und Umgebung und mehrere alteingesessene Adelsgeschlechter schlossen sich dem Luthertum an. Hans Pflug legte zwar den Verfügungen des Rates keine Hindernisse in den Weg, trat jedoch nicht zum Protestantismus über. Der Rat vermittelte klug zwischen beiden Parteien.
Auf die Kunde von der Gegenreformation Kaiser Ferdinands von Österreich (1556–1564) forderten die Evangelischen von Elbogen die Stadt Schlaggenwald auf, sich einem Bittgesuch um Aufrechterhaltung der evangelischen Religion anzuschließen. Der Rat antwortete: Wenn der Gegenstand des Ansuchens Geld und Gut wäre, würde er sich anschließen; da es sich aber um Religion handle und der Anschein erweckt würde, daß es sich um eine Auflehnung gegen den Kaiser drehe, müsse er ablehnen.
Trotzdem wurde die Stadt bei Kaiser Matthias verleumdet, daß sie sich in hochverräterische Umtriebe eingelassen habe; der Monarch ordnete strengste Bestrafung an. Im Archiv der Stadt ist zu lesen:
„Anno 1616 ist Schlaggenwald bei dem Kaiser Matthias in Ungnad gefallen... Stadt hat sollen auf allen 4 Enden angezündet werden. Auf dem Weg zur Kirche trat dem Kaiser das erste Mal der Magistrat, das 2te und 3te Mal samt der Bürgerschaft... vergeblich zu... beim Kirchentor die armen Leute... Allda auf ihren Angesichtern... auch Ihro Majestät die Zähren über die Wangen sind geflossen...
Da hatte sich unter diesen armen Leuten ein sehr alter Bergmann oder Knappschaftsältester mit Namen Lorenz Weiskampf befunden...eine blühweiße Schwarten..., der hat dem Kaiser Matthias das Memorial oder Bittschrift mit aufgehobenen Händen dargereicht, auf welches der Kaiser seine Hand gelegt und gesprochen hat: ‚Ihr sollt Gnad haben...' – Nun aber war Weinen und Heulen vor lauter Freuden entstanden."
Das Archiv berichtet: „Zwei Jahre später, 1618 hat sich der Bürgermeister von Schlaggenwald der Gesandtschaft Thurns nach Wien angeschlossen, und nach dem Einzug Friedrichs von der Pfalz+) huldigten ihm die Schlaggenwalder als Landesherrn." Am Krönungstag, dem 4. Nov. 1619 – die Krönung wurde in Prag begangen –, hielt Schlaggenwald ein feierliches Hochamt mit Tedeum, beflaggte die Häuser und hielt eine Festsitzung im großen Rathaussaal ab.
Der 30jährige Krieg (1618–48), Rückgang des Erzbergbaus, Verarmung
Infolge steigender Abbau- und Verarbeitungskosten, immer ärmerer Zinnerze und der durch kriegerische Entwicklungen gestörten Absatzmöglichkeiten kam der Zinnbergbau unaufhaltsam nieder. Die wirtschaftlichen Ergebnisse waren schlecht, blieben aber noch in der Gewinnzone.
Ab 1600 verringerte sich die Ausbeute des Zinns laufend weiter; der Bergbau lag darnieder, und die Stadt litt erheblich unter Geldmangel (1617).
Im Erzbergbau wurde auf Grund der Erhebungen der kgl. Kommission die Bergordnung 1572 mit dem Ziel der Hebung des Bergbaues reformiert. Sie enthielt Bestimmungen über die Zahlung von Zulagen bei Arbeiten in der Tiefe, für Beseitigung von großen Bergbrüchen (1568) und für das Abteufen der Förderschächte.
+) Kurfürst Friedrich V. = Friedrich v.d. Pfalz „Winterkönig", Führer der protestantischen Union, flieht nach der verlorenen „Schlacht am Weißen Berg" (8.11.1620) geächtet nach Holland.
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