Gekürzte Darstellung des Schlaggenwalder Bergwerkbaues (nach V. Prökl, 1887)**
Nachdem mit Hammer, Schlägel und Eisen Längsorte (Gänge) bis 40 m hergestellt und mit Holz ausgesetzt waren, hat man dieses angezündet und durch Feuer die Erzgesteine porös und mürbe gemacht, damit sie leichter zerkleinert werden konnten. Durch dieses Ausbrennen entstanden die Brennorte, in denen nach Räumung abermals Holzstämme und Klafterholz angezündet wurden, wodurch sich die Brennorte nach allen Seiten hin vergrößerten. Durch wiederholte Ausfeuerung und Räumung bildeten sich große, hohe, hohle Räume, die in der Bergmannssprache den Namen „Weiten" führen. Solche Höhlungen wurden nicht nur nebeneinander, sondern auch 4–5 Stockwerke übereinander angelegt, daß die mächtigen Zwittererzkörper nur auf den Bergfesten – den bis in die Tiefe hinab ausgesparten natürlichen, kolossalen Eckpfeilern – standen. Aber auch diese wurden schließlich mit Brand behandelt, um den Zinngehalt zu gewinnen. Diese Feuerarbeiten konnten, wie leicht begreiflich, nur unter steter Lebensgefahr geschehen; gar viele Bergleute haben dabei ihr Leben verloren. Das zutage gebrachte Zwittergestein hat man in Mörsern zerstoßen und auf Handmühlen zu Pulver gemahlen, um es schmelzen zu können. Später, als Hans Pflug den Flößgraben anlegen und Hans Portner, Hauptmann, im Jahre 1525 Erz-Pochmühlen erbauen ließ, konnte das Zwittererz durch Wasserkraft mittels eiserner Fallstampfen zerkleinert und schmelzbar aufbereitet werden.
Eine sinnreich konstruierte Kunst-Wasserhebemaschine, 1529 von Kunstbaumeister Hedler erbaut, förderte auf dem Hauptschacht der Hub das Zwittererz und Grundwasser bis zur Sohle des tiefen Pflugstollens. Um zur Radstube zu gelangen, mußte man 12 Fahrten (Leitern) etwa 60 m hinabsteigen. Ein riesenhaftes Wasserrad von ca. 14 m im Durchmesser setzte mit großer Geschwindigkeit das Pumpengestänge in Bewegung und hob die Gewässer und Erze herauf. Immer noch tiefer wurde gegraben, bis im Jahre 1560 eine zweite Maschine zur Hebung der Zinnschätze aus noch größerer Tiefe aufgestellt wurde. Beide Maschinen hoben in 24 Stunden 2069 Faß oder 16552 Kubikschuh Wasser. Die Kosten der Maschine zahlten die Gewerkschaften durch eine Auflage von 24 Kreuzern für jeden Zentner Gatterzinn und 12 für jeden Zentner Graupen und Waschzinn.
Der auf Silber eröffnete Bergwerksbau beschränkte sich mit Erfolg auf den alten „Pinzinger" (Schacht) von 1550–1580. Die Zechen erstreckten sich von Gfell bis zum Galgenberg. Das erste Silber wurde im Gewandhaus geschmolzen, im Jahre 1581 eine Silberschmelzhütte in der Sicherloh erbaut, 1771 der Stollen aufgelassen und die Schmelzhütte demoliert.
Die eine halbe Wegstunde vom Ort entfernte Pinge, ehedem das Hauptlager des Huberstockes, ist das Kennzeichen des Bergniedersturzes von 1568. Nach Messungen von Bergwerkskundigen hatte der herausgehobene Erzstock einen Durchmesser von 100 Klaftern (ca. 200 m) und eine Höhe von 12–15 Klaftern, daher ein Flächenmaß von 10.000 Quadratklaftern und einen Inhalt von etwa 150.000 Kubikklaftern, die uns noch bekannte, abgegrenzte Pinge ein Ausmaß von 17.600 Quadratklaftern und eine Tiefe von 15 Klaftern. Dieser Geländetrichter („Krater") ist aufgefüllt und planiert worden.
Bruschius schreibt: „Ab 1550 ist der Zwitterstock hinter der alten Hub im Kehuts-Pinger... und ist am gemeldeten Ort das erste Brechen 1568 geschehen, da das Wetter zu allen Schächten zugleich ausgestoßen. Die Beamten ..., davon hat etliche das Wetter wider die Bergvesten geworfen, daß der Seelsack knakt hat; dergl. Brechen ist den 14. April aufn Schnödenstock geschehen, da es zu Tag ausbrochen, ...."
(Da Bruschius bereits 1557 starb, ist eine Verschmelzung mit dem Chronik-Bericht 1568 im Abschnitt „Heimsuchungen" wahrscheinlich.)
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