Seifertsgrün.
Hans Pflug, der sich in hohem Maße um die Belange der Bergwerke und der Bergknappen verdient machte, stand am kaiserlichen Hof in großem Ansehen. Er wurde 1527 deutscher Landeshauptmann, 1528 Hofmarschall und Bergkommissar zu St. Joachimsthal; 1533 bis 1537 war er oberster Kanzler des Königreiches Böhmen. Er lieh dem Kaiser 12000 fl.rh. (Rheinische Gulden) und erhielt dafür pfandweise die zum Kloster Tepl gehörigen 18 Dörfer und den Ort Sangerberg. Im Bergbaugebiet von Schlaggenwald führte er als erster den systematischen Bergbau ein und verfaßte 1517 eine neue Bergordnung, nach der streng darauf zu achten war, daß die Bergleute beim Einkauf von Lebensmitteln nicht „überhalten" (= übervorteilt) wurden, der Bergvogt mit zwei Geschworenen ständig den Zustand der Gruben überwachte und kein Unheil durch liederliche Arbeit entstand. Erkrankte Bergleute erhielten den halben Wochenlohn, und die Gewerkschaft bezahlte den Arzt.
1535 ließ Hans Pflug eine Flößgrabenordnung veröffentlichen; von 1547 an flößte man von der Königswarter Hochfläche herab Holz nach Schlaggenwald und Schönfeld und führte nach 1555 eine Grabensteuer ein.
Mit der durch das Teich- und Kanalsystem vermehrten Wasserkraft konnten die Zwittermühlen in Gang gesetzt und der Bergbau in noch größerem Umfang betrieben werden – für die Arbeiten im Schlaggenwalder Revier ein vorteilhafter und glücklicher Umstand.
Ständiger Zuzug von Bergleuten ließ die Stadt beträchtlich anwachsen, und die Zahl der Wohnhäuser - meist nur für eine Familie mit Erd-, selten mit Obergeschoß – nahm ebenfalls zu. Häufig setzte man Fachwerk ein, für das 2. Stockwerk war dies die Regel. Die zweistöckigen Häuser der reichen Gewerken hatten große, hohe Zimmer mit Fensternischen, ihre Treppen aus Holz oder Stein waren mit schön geschnitzten Geländern versehen, und die Türstöcke der großen Häuser zeigten an der Außenseite nicht selten die Medaillons und manchmal auch die Handwerkszeichen der Familie. Die Ausgestaltung verriet den Reichtum der Besitzer.
Bereits um 1500 begann man mit dem Bau einer Wasserleitung, die zu jeder Jahreszeit ein sehr gutes Trinkwasser in ausreichender Menge zu den abgedeckten oder überdachten „Röhrenkästen" (Fließbrunnen) lieferte. Daneben blieben schon seit langer Zeit ausgebaute, ehemalige Schachteingänge als Naturbrunnen bestehen, aus denen sich ein gutes Trinkwasser schöpfen ließ.
Der Pflugstollen, ein Wasserabzugs- und Abbaustollen
Die günstigen Berichte über den Ertrag der Gruben und den Abbau der Erze in der Tiefe konnten Hans Pflug nicht darüber hinwegtäuschen, daß die bisherige Art der Hebung der Grundwasser mit Hand- und Göpelschöpfrädern, Heinzenkünsten1) und später Kolbenpumpen ein Tiefergehen unmöglich machte und so die dort liegenden Erze verloren waren. Alle Sachverständigen sahen Abhilfe nur in dem Bau eines tiefer anzulegenden Wasserabzugsstollens. Ohne Hilfsmittel und Erfahrungen schien die Aufgabe fast unlösbar. Allein mit dem Wagemut der Unternehmer war das möglich. Hans Pflug ermutigte sie durch Zusicherung erheblicher Geldunterstützung, Gewährung ungewöhnlicher Rechte und Freiheiten sowie durch außerordentliche Hilfe für die dabei beschäftigten Bergarbeiter. Wegen der in Aussicht gestellten Vorteile waren Geldgeber aus Augsburg und Nürnberg an einer Beteiligung interessiert. Dazu gehörten die Patrizier Welser, Scheurl,
1) Wasserhebemaschinen, mit Wasser- oder Pferdekraft unter Verwendung von Kettenkörben, Bällen und Göpel u.a. arbeitend
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