Wanderleben mit, weil die Eltern in Schönfeld, Schlaggenwald und Elbogen wohnten, bis sie durch die schon erwähnte Uebernahme des väterlichen Anwesens in Dreihäuser endlich dort wieder seßhaft wurden. Unterdessen waren außer dem Aeltesten noch vier Geschwister zugewachsen. Kempf's Vater war eine ernste, kernhaftbiedere Natur, seine Mutter eine geistig bewegliche Frau mit lebhafter Phantasie und in ihrem Erstgeborenen kam die Vereinigung der beiden Erbanlagen, sich glücklich ergänzend, zur schönsten Geltung. Die Volksschulbildung genoß unser Andreas unter sehr tüchtigen Lehrern in Elbogen. Seine auffällig gute Begabung drängte zu weiterer Ausbildung, wozu in dem Realgymnasium von Elbogen willkommene Gelegenheit gegeben war, wenn auch die Entfernung von Dreihäuser, besonders zur Winterszeit, eine große Beschwerlichkeit verursachte. Täglich mußte der weite Weg zurückgelegt werden, bei einem Höhenunterschied von etwa 300 Meter, und als Mittagessen hatte er im Schulzimmer das mitgebrachte Brot mit etwas Butter oder einen Apfel, da die väterlichen Einkünfte bei der starken Familie eine bessere Verpflegung nicht ermöglichten. Mit der Umwandlung der Elbogener Anstalt in eine reine Realschule trat auch für Kempf ein Wendepunkt seiner Entwicklung ein. Seine Neigung ging zu den humanistischen Fächern. Um an ein Gymnasium übertreten zu können, unterrichtete ihn der edle Kreuzherrenordenspriester P. G. Pecháček, welcher damals als Kaplan in Elbogen war, in selbstloser Weise, worauf dann in Mies das Mittelschulstudium fortgesetzt wurde. Den Unterhalt dabei verdiente sich Kempf durch seine Tätigkeit als Hauslehrer u. a. auch in der Familie Streeruwitz, und hatte den späteren österreichischen Bundeskanzler als Schüler. Nach abgelegter Reifeprüfung entschied er sich für das Studium der Medizin in Wien und hatte die dortigen Koryphäen dieser Schule mit Billroth an der Spitze als Lehrer. Schon während des Universitätsstudiums ließ seine Gesundheit öfter zu wünschen übrig und als junger Doktor nahm er eine Stelle am Seehospiz in Rovigno an, um sich selbst auch an der Adria zu erholen und zu kräftigen. Doch kehrte er bald nach Wien zurück als im Jahre 1896 an der Lehranstalt Theresianum ein Assistenzarzt gebraucht wurde, was für ihn zur Lebensaufgabe wurde, da er einige
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