Kuh
und die zwei Ziegen nagen daheim am leeren Holzbarren — und da habe sie sich den Mut genommen, dort droben am Krudumknöckel einen Korb voll Grünes zusammenzurupfen, und jetzt habe sie in mir den Heger vermeint — und dicke Zähren rinnen ihr über die bleichen Wangen. Ich tröste das arme Weib, so gut ich es vermag, helfe ihr ein wenig den Graskorb wieder aufnehmen und gehe dann nachdenklichen Sinnes meinen Bergweg weiter hinan. Und nun ziehen mir allerlei Gedanken durch den Kopf: mit dem Wegverbot mag das verehrliche Forstamt ja immerhin Recht haben; auch zur Einstellung der Grasnutzung wird es seine guten Gründe gehabt haben — aber die Tragweite dieser Maßregel dürfte nach meinem Ermessen doch ein wenig unterschätzt worden sein. Das muß für die Bewohner der Krudumdörfer, deren Viehstand seit uralten Zeiten im Frühling und Frühsommer auf die Waldgräserei angewiesen ist, eine wahre Katastrophe gewesen, da muß es ja rein zum Hungerleiden bei Mensch und Vieh gekommen sein. Und noch eins kommt mir in den Sinn: die Milch- und Butterlieferung für die Stadt, die sich zum größten Teile aus den durch die „Milchweiber" in diesen Dörfern von Kleinbauern und Häuslern von Haus zu Haus gesammelten Vorräten zusammensetzt, muß die nicht auf einen gewaltigen Schaden, der Menge und der Beschaffenheit nach, genommen haben, wenn das Vieh monatelang darbt und um das gesunde Grünfutter gekommen ist? Da möchte ich denn mit Verlaub in aller Bescheidenheit nicht zuletzt in Sachen der Volksgesundheit in jener Stadt, die mir zur geistigen Vaterstadt geworden und als Heimatvorort von jeher am Herzen gelegen ist, an die Spitze einer Bittabordnung stellen: Die verehrlichen Stadtväter mögen auch obige Kehrseite der Medaille ein wenig näher betrachten und nachher vielleicht doch einige forstwirtschaftliche Bedenken unterdrücken, als da sind: ein paar ruinierte Fichtenpflänzchen, der gestörte Waldfrieden und beunruhigte Reh- und Hasenfamilien, die ja trotz Waldgräserei doch zum Großteile das Objekt feudaler Jagdherrlichkeit bleiben werden — nichts für ungut, liebe Jägerzunft, und Weidmannsheil, Heil aber auch allen übrigen Heimatgenossen in Dorf und Stadt!
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