Ich weiß nicht, ob auch in unseren Tagen noch dort an der Berglehne über der Johannisbrücke um diese Zeit stille Lichtlein brennen — es ist schon lange her, seit man von dort fort in die neuen Totenquartiere am Wege nach Neusattl eingezogen ist, aber noch immer sehe ich dort auf den sanft ansteigenden Terassen ein blumengeschmücktes Grab neben dem andern und viele, viele Allerseelenlichtlein. Die Bürger der guten alten Zeit, Großvater und Großmutter, ruhen dort aus von harter Lebensarbeit, und unten im Winkel an der Mauer neben dem Leichenhäuschen schläft mein ganz kleines Schwesterchen, das ich nie gekannt; es soll nur wenige Wochen alt gleich als Englein in den Himmel hineingeflogen sein. Auf seinem kleinen Rasenhügel aber entzündete der Bruder trotzdem die gebräuchlichen dünnen, gelben Kreuzerlichtlein, die leider gar bald verglüht waren, und da mußte er, — Gott verzeihe ihm das Verbrechen, die Sache ist ja ohnedies verjährt — öfter ein wenig auf das Nachbargrab hinübergreifen, auf dem so viele Kerzen brannten: es waren nur zwei kleine Stümpfe, die der Wind ausgeblasen, aber auf des Schwesterleins Grab leuchteten sie, treu behütet, noch eine Weile hell fort, bis die Vaterunser alle gebetet waren, die die Mutter befohlen hatte. — — —
Des lieben, alten Gottesgartens ob der Johannisbrücke und seiner Totenfeste gedenke ich in Treuem, aber auch eine grauenhafte Erinnerung an ihn lebt in mir fort: Von den qualmenden Fabriksschloten über die Eger herüberkommend, wollte ich eines Morgens rasch an dem „Batzenhäusel" vorüber in die Stadt gelangen. Da begann urplötzlich die viele Klafter hohe Friedhofsmauer rechts lebendig zu werden, und mit einem gewaltigen Krach stürzten Mauerwerk, Erde, Särge und Leichen bunt durcheinander auf die Straße herab und erfüllten sie mit berghohem Schutt und entsetzlichem Leichengeruch. Wie durch ein Wunder dem Verhängnis entronnen, war ich dann die Bergstraße zur Stadt hinaufgeeilt und meldete dort bleichen Antlitzes das Entsetzliche. Seither aber haben die Stadtväter eine neue stämmige Mauer aufführen lassen, und der „alte Freithof" liegt wieder sicher und friedlich an der Berglehne über der Eger.
Das junge Geschlecht wird diesen Ort bald nur mehr
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