Versöhnung?
Von Tschechen enteignet,
verfolgt und entrechtet:
Das Volk der Sudeten,
vertrieben, geächtet.
Wir mußten die Heimat
als Bettler verlassen.
Wir haben verzichtet
zu rächen, zu hassen.
Wir haben die Fremde
und Heimweh erfahren,
das Schicksal ertragen
in all diesen Jahren.
Versöhnungserklärung –
wozu ist sie nötig?
Für Prags Interessen
zeigt Bonn sich erbötig!
Es fehlt doch die Einsicht,
uns einzugestehen:
Euch Deutschen aus Böhmen
ist Unrecht geschehen!
Und trotzdem verzeihen,
die Untat vergeben?
Es gibt kein Vergessen,
solange wir leben.
Erst recht keinen Schlußstrich!
Die Lösung bleibt offen.
Wie können wir noch auf
Gerechtigkeit hoffen?
Das Recht auf die Heimat
bleibt ewig bestehen.
Verbrechen verjährt nicht –
wenn wir auch vergehen.
F. P.
Fahrt ins Egerland
Am 16. 10. 1996 brachen wir frühmorgens mit einem Bus der Sudetendeutschen Landsmannschaft von Weilburg a. d. Lahn in die alte Heimat auf. Über die Autobahn und durch das Fichtelgebirge, vorbei an Bad Berneck und Wunsiedel strebten wir unserem ersten Ziel Marktredwitz zu. Nach einer Führung im Egerlandmuseum und Mittagessen im Kulturhaus ging die Reise weiter in Richtung Grenze, die wir bei Waldsassen anstandslos passierten. An Eger und Falkenau vorüber erreichten wir am späten Nachmittag Karlsbad und unser Standartquartier Hotel „Pupp". (Hätten wir uns früher einmal träumen lassen, in diesem feinen Hotel abzusteigen?) Nach dem Abendessen taten sich ein paar Egerländer zusammen und machten noch einen Spaziergang zur Sprudelhalle und zu den Mühlbrunn-Kolonnaden. Als Gruppe kann man das riskieren!
Einst Wahrzeichen unserer Bergstadt
[obr] Über der Kirchstaffel stehen die Dechantei und die St.-Georgs-Kirche, in der wohl nie mehr ein Gottesdienst stattfinden wird. Foto: F. P., März 1996
Am nächsten Morgen stand eine Fahrt nach Eger mit Stadtführung und Besichtigung der Burg auf dem Programm. Im Balthasar-Neumann-Haus führten wir mit verbliebenen Deutschen interessante Gespräche über vergangene Zeiten und das Leben in der Tschechei jetzt. Auf der Burg konnten wir den vom akademischen Bildhauer Willy Ruß aus Schönfeld geschaffenen „Egerländer Kachelofen" bewundern, ein Meisterwerk keramischer Reliefkunst, das während des letzten Krieges in dreijähriger Arbeit entstand. Am Nachmittag besichtigten wir in Franzensbad Kurhäuser und -anlagen, die teilweise schön renoviert sind. Spaziergänge rundeten den Ausflug angenehm ab. Auch das Wetter hielt.
Am 18. 10. zog es uns – das reichhaltige Frühstücksbüfett im Hotel konnte sich sehen lassen – zum Stift Tepl. Die Besichtigung der romanischen Pfeilerbasilika (Gründung der Abtei 1193 durch den Adeligen Hroznata) und der zweigeschossigen Bibliothek war sehr beeindruckend. Das kurze Gespräch mit dem Vertreter des Abtes, einem Slowaken, erwies sich als aufschlußreich. Ein Mittagessen im Hospiz schloß sich an. Weiterfahrt nach Marienbad. Kreuzbrunnen und Kuranlagen boten in der Herbstsonne einen freundlichen Anblick. Um 15 Uhr erlebten wir als Höhepunkt den „musikalischen Brunnen". Von bekannten Opernmelodien untermalt, schießen die vielfältigen Fontänen himmelwärts, Fotomotive ersten Ranges! Die Kaffeepause war im Waldgasthaus „Nimrod", zwischen Marienbad und Sangerberg gelegen, angesagt. Unser Weg führte danach weiter über Sangerberg, Glatzen, Bad Königswart und Sandau wieder nach Karlsbad zurück.
Am nächsten Tag bummelten wir unter meiner Führung durch die Stadt. Ich hatte dort die Handelsschule besucht und kenne den Kurort sehr gut. So sparten wir der SL Kosten. Die Maria-Magdalena-Kirche, ein Werk Kilian Ignaz Dientzenhofers, lud zum besinnlichen Verweilen ein. Anschließend erwarben wir ein paar Kleinigkeiten als Mitbringsel. Nach dem Mittagessen begaben wir uns noch nach Elbogen, wo uns der Heimatpoet Toni Schuster durch die ehemalige Kreisstadt führte. Die Renovierung der Häuserzeilen am Marktplatz macht erfreuliche Fortschritte. Zu meiner Überraschung nahmen wir den Rückweg über Schlaggenwald, Schönfeld und Wasserhäuseln. Durch das enge, romantisch-gewundene Zechtal und unseren Heimatort fuhr der Bus besonders langsam. Das veränderte Ortsbild ist nach wie vor bedrückend. Da ich erst im August mit Verwandten dagewesen und diesmal kein Aufenthalt vorgesehen war, hielt sich mein Bedauern in Grenzen. Die Mitreisenden, darunter auch Einheimische aus Weilburg, bewunderten die schöne Landschaft des Kaiserwalde und waren von der Fahrt ins Tepltal sehr angetan.
Am Abend kehrten wir zum Ausklang im „Egerländer Hof" (Chebský Dvůr) am Fuße des Schloßberges nahe dem Sprudel ein. Der deutschstämmige Besitzer aus Falkenau namens Kraus bewirtete uns gut und preiswert. Ab 20. 10. hieß es Abschied nehmen. Bei einem Abstecher nach Maria Kulm zelebrierte ein junger Kaplan aus Weilburg, der mit seinen Eltern an der Fahrt teilnahm, in der Gnadenkapelle einen Gottesdienst. Wir sangen die Schubertmesse. Eine heimatverbliebene Frau aus dem Wallfahrtsort begleitete auf dem Cello. Das war ein würdiger Abschluß unserer Reise in die alte Heimat.
Anna Zimmerhackl geb. Veit
Heimatbrief, Heimattreffen und Patenschaft sind die letzten Klammern, die uns Vertriebene aus Schlaggenwald und Umgebung zusammenhalten. Durch sie bleiben die Erinnerungen an die unvergeßliche Heimat wach und wir in Treue verbunden!
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