Schlaggenwälder Heimatbrief — únor–březen 1997
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Slovo úvodem k dohodě mezi Německem a Českou republikou

Schlaggenwalder Heimatbrief — Februar / März 1997

Februar / März 1997

Liebe Landsleute!

Das neue Jahr ist nun schon wieder einige Wochen alt. Die Faschingszeit dauert heuer nicht allzu lange, dafür währen die Possenspiele auf dem politischen Parkett um so länger. Inzwischen ist auch die sog. „deutsch-tschechische Versöhnungserklärung", die ohne Einbeziehung der betroffenen Sudetendeutschen zustande kam, unterschrieben und medienwirksam gefeiert worden. Doch es fehlt(e) nicht an berechtigter Kritik.

Eine Beurteilung des Inhalts wird erst nach einiger Zeit möglich sein, wenn die beiden Parlamente darüber abgestimmt haben und der vollständige Text vorliegt.

Doch einige Bemerkungen seien schon jetzt angebracht:

Obwohl den Tschechen bei der „Zwangsaussiedlung" – eine neue Vokabel hat Einzug gehalten! – durch die Enteignung des Vermögens der Sudetendeutschen Sachwerte in Milliardenhöhe zufielen, sieht diese „Erklärung" für die Entschädigung von NS-Opfern einen Betrag von mehr als hundert Millionen D-Mark vor. Die Opfer der Vertreibung indessen finden keine Erwähnung. Ein Kotau der deutschen Außenpolitik gegenüber tschechischer Forderungen!

Prag hat sich mit Müh und Not – und natürlich völlig unverbindlich – zu einem mageren verbalen Bedauern über die Leiden der Deutschen beim Vertreibungsprozeß durchgerungen, während die eigentliche Prozedur Rechtens gewesen sei und bleibe. Wer darin einen Fortschritt gegenüber früher oder gar ein Zeichen zur Versöhnung sieht, muß sich grober Oberflächlichkeit ziehen lassen. Sogar Präsident Havel hat seine Ansichten geändert und erklärt, daß die Sudetendeutschen wegen ihrer Haltung nach 1933 – damit ist wohl wieder der Vorwurf des Landesverrats gemeint – an ihrer „Aussiedlung" selbst schuld seien. Es werde keine Entschuldigung mehr geben, auch keine Entschädigung oder gar Rückkehr! Mit diesen Äußerungen hat er sich selbst demaskiert. In der Erklärung lastet sich die deutsche Seite die Schuld an einer Vertreibung von Tschechen aus den Sudetengebieten im Jahre 1938 an, wobei expressis verbis, also ausdrücklich, das Wort „Vertreibung" verwendet wird. Wo hat es, bitte, von einigen Ausnahmen abgesehen, eine solche gegeben und in welchem Umfang? Selbst tschechische Historiker geben zu, daß bisher kein einziger offizielles Dokument gefunden wurde, das eine organisierte „Vertreibung" bestätigt. Hier wird doch der freiwillige, in geordneter Weise verlaufene Umzug von den nach 1918/20 in die Grenzgebiete (zwangs)versetzten Angehörigen im öffentlichen Dienst (Bahn, Post, Polizei) zurück in das Innere des Landes zum willkommenen „Vorläufer" und Anlaß für die massenweise tatsächliche Vertreibung der seit Jahrhunderten seßhaften deutschen Bevölkerung hochstilisiert. Ebenso wird uns der Einfachheit halber auch noch die Schuld an der Besetzung der Rest-Tschechei durch die Wehrmacht auf Befehl Hitlers in die Schuhe geschoben.

Vor einer Aussöhnung steht als Bedingung die Anerkennung der historischen Wahrheit, eine Art „conditio sine qua non". Unter dem Motto „Die Wahrheit siegt" (Pravda vitˇezi) ist doch die erste Republik (ČSR) 1918 angetreten, oder nicht? Die Beurteilung und Aufarbeitung der Geschichte Böhmens danach hat eben nicht beim Jahr 1938, sondern spätestens (!) bei 1918 zu beginnen. (Bundeskanzler Kohl, der Geschichte studiert hat, fängt bei 1933 an.) Unterschlägt man (bewußt?) den wahren Ablauf, setzt das bekannte Verwechseln von Ursache und Wirkung ein, das die Aussagen auch oder gerade der bundesdeutschen Politik(er) so auffällig kennzeichnet. Man nehme doch endlich auch offiziell klipp und klar zur Kenntnis, daß „1938" die Folge von „1918" war! So weit, so schlecht.

Und leider noch etwas: Der bayerische Ministerpräsident, Schirmherr über seinen „Vierten Stamm", und die CSU, die bisher – uneingeschränkt – als Garanten für die Vertretung der Interessen eben dieser Volksgruppe gegolten haben, mußten sich nolens volens, d. h. wohl oder übel, dem erwarteten bundesweiten Konsens zu dieser – eigentlich überflüssigen – Erklärung anschließen. Das ins Spiel gebrachte „kondizionierte", also an gewisse Bedingungen geknüpfte „Ja" aus München kann nicht einmal als Trostpflaster gewertet werden.

„Was nicht gerecht geregelt ist, ist nicht endgültig geregelt." Dieses Bekenntnis Abraham Lincolns, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika von 1860 bis 1865, steht wie ein Vermächtnis auf der letzten Seite unseres Heimatbuches. Zwischenstaatliche Vereinbarungen, die zwar opportun, aber schlecht ausgehandelt sind, eine Seite begünstigen, Wahrheit und Unrecht verschweigen oder darüber hinweggehen, verdienen diesen Namen nicht. Sie fordern Kommentierung und Richtigstellung geradezu heraus! Wenn für Rechtssinn Willfährigkeit, für gesundes Nationalgefühl krankhafte Anbiederei steht, dann hat die politische Handlungsweise einen moralischen Tiefpunkt erreicht.

Liebe Heimatfreunde! Könnte man diesem Geschehen einen humorigen Aspekt abgewinnen, dann ließe sich mit einem Schuß Sarkasmus sagen: „Dees neia Gäuha fängt jä schu gout ua!" Kommt alle noch gut über den Winter! Eine gesegnete Zeit und ein frohes Osterfest wünscht Euer Lm. Franz Pöttig

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