Heimatadressen der Eigentümer mit schwarzer Ölfarbe aufzupinseln. Diese Aufschriften auf dem glatten, naturbelassenen Holz ziehen noch heute die Aufmerksamkeit auf sich und zeugen davon, daß es damit eben eine besondere Bewandtnis hat.
Schließlich war es soweit. Der Ausweisungsschein lag vor. Es hieß, von der geliebten Heimat Abschied zu nehmen. Bei den meisten war es für immer. Nur der, dem ja solch grausames Geschick widerfahren ist, weiß um den Gram und das Leid, die besonders die Eltern und Alten heimsuchten und quälten.
Unsere Kiste, mit Haushaltsgut bis oben an den Rand gefüllt, passierte – bangen Herzens – ohne Zwischenfälle die hochnotpeinliche Ausgangskontrolle. Sie überstand danach, ohne Schaden zu nehmen, den rauhen Umgang bei der Verladung auf den Lastwagen, auf dem auch wir Platz zu nehmen hatten, überdauerte im Sammellager Neusattl die Grobheiten der Umladung in die viel zu kleinen Gepäckabteile, ging auch bei der nächsten Stapelung in die am Bahnhof bereitgestellten Viehwaggons nicht aus den Fugen und geriet nach einem tagelangen Transport über Marktredwitz und Regensburg, nahezu unversehrt, in das tiefste Niederbayern. Nach einem Lageraufenthalt in Eggenfelden und einer schier endlosen Beförderung mit Holzgaser-Lkw auf staubigen, kurvenreichen Landstraßen erreichte sie mit uns den einsamen Dorfplatz einer kleinen bäuerlichen Gemeinde an der Vils als vorläufiges Ziel.
Da uns niemand aufnehmen wollte, erfolgte die Zwangseinweisung in ein Mietshaus. Dort leistete das gute, gediegene Stück im einzigen Zimmer als unentbehrlicher Lagerkasten (liegende „Ålmat") für die knapp bemessenen Lebensmittel und auch als Sitzmöbel weiter gute Dienste. Der Inhalt, der präparierten „Geheimfächer" war nun höchst willkommen und half uns, im folgenden strengen Winter auf dem Tauschwege manche Notlage besser zu überstehen. Auch bei der nächsten Übersiedlung Ende 1947 nach Oberbayern diente unsere vertraute Kiste wieder als Lagerbehälter für den auf den umliegenden Feldern in der Kornkammer Bayerns nachgelesenen (nåuchgåhrln) Weizen. Mit dieser Füllung stellte sie ein in der damaligen Zeit unschätzbares Umzugsgut dar!
Als der wachsende Wohlstand der fünfziger Jahre die heimatliche Kiste mehr und mehr entbehrlich werden ließ, brachte es niemand übers Herz, sie gänzlich auszumustern, zu zerlegen oder gar zu verheizen, hatte sie uns doch durch die Zeiten der Not begleitet. In ihr fanden nun abwechselnd Gartenutensilien, Blumenschüsseln, Feuerholz, Fichtenzapfen (Koustln) und Vogelfutter ein winterliches Quartier, Mäuse jedoch keinen Zutritt.
Einmal, als mich eine plötzliche Anwandlung von Neugier plagte, öffnete ich mit einem Nageleisen vorsichtig einzelne Bretter, um nachzuschauen, ob in den geheimen Versteckspalten – vielleicht aus Versehen – etwas von der „Schmuggelware" zurückgeblieben wäre. Die Hohlräume indes waren leer. So nagelte ich die gelösten Teile wieder sorgfältig zusammen und beließ unserer „Aussiedlungskiste" ihren verdienten Platz in der Remise. Ich werde sie wohl meinen Kindern oder Enkeln hinterlassen, aber nicht ohne ihnen zu sagen, woher sie stammt und auf welchen wechselvollen Wegen sie die Eltern aus der Heimat in die Fremde begleitet hat.
F. P.
Woos unnara Åltn sua gsågt håm ...
An Ei gäiht a nåuch u üm die Höihna kinnt a.
A gouta Håhna wiad niat fett.
Döi siaht aus wöi d' Höihna untan Schwånz.
Bienan, Pfaa u Teich måchn aan bål årm u bål reich.
Vasenga, vabrenna solln Distln u Duarn!
D' Welt waa(r) v(ü)l schäna ohne Båusrat u Zuarn.
Is da Kuckuck nuch sua ålt, bäigt a asselwa Lied in Wåld.
Wenn da Herrgott an Nårrn hobm w(ü)ll, leßt a an åltn Mua 's Wei sterbm.
Aus der alten Heimat
[obr] Das Foto zeigt die Volksschule (Grundschule) über dem früheren Zehentplatz, in der auch jetzt noch unterrichtet wird. Da die umliegenden Gebäude fehlen, entsteht dieser „Durchblick". Die Aufnahme entstand dort, wo zu unserer Zeit die Anwesen von Marie Kühnhackl bzw. Anton Ubl standen. Vom rechten Bildrand an befindet sich ein neues Schulgebäude an der Stelle, wo früher die Bewohner der Sackgasse lebten. F. P.
Mundart-Ecke: Kochrezepta und Jubiläumsvers
Kochrezepta – Woos kochstn heint Gouts?
Aan Tuap in ånnan u an Hodan dazwischn, damit nix uabrennt. – Gunga Hund u Duaschn. – Nix u Butta drüwa. – Goutn Åppatit!
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Jubiläumstreffen am 7./8. September 1996!
Schlåggawåla, löiwa Leit, bål is wiedramål suaweit. Mirkts Enk vüa döi schöina Tooch, kummts hålt aa nåuch Auabooch!
Schlaggenwalder Heimat- und Geschichtsverein e. V.
83734 Hausham, Nagelbachstraße 53
1. Vorsitzender: J. A. Tauber
Vereinsmitteilungen
Beratungen in Auerbach i. d. Opf.
Wie bereits in der letzten Folge berichtet, berieten Vorstand und Beirat des Vereins am 29. 3. 1996 mit dem scheidenden und neuen Ersten Bürgermeister unserer Patenstadt aktuelle Fragen.
[obr] Teilnehmer v. l. n. r.: Seff Tauber, Toni u. Marianne Schnappauf, Franz Pöttig, Erna Kögler, Hanni Haberberger, Herbert Jakob, Helmut Ott, Heini Dilling, Franz Hofmann, Kurt Völkl, Lois Schwarzer mit Gattin mit der neuen Gmoifahne.
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