Liebe Landsleute!
Allen Lesern unseres Heimatbriefes wünschen wir eine „frohe Weihnacht. Für das kommende Jahr 1990 viel Glück und Gesundheit". Möge es ein friedliches Jahr werden und die Hoffnungen erfüllen.
Vielen herzlichen Dank sage ich allen Landsleuten, die unseren Heimatbrief mit ihren Beiträgen bereichert haben. Ganz besonders gilt der Dank Frau Walter und Walter Zeidler, letzterer den HB mit den schönen Heimatbildern gestalten half.
Ein herzliches „Dankeschön" an alle Spender, die die Erhaltung unseres Heimatbriefes mit ansehnlichen Beträgen ermöglichten.
Nun begehen wir zum 44. Mal das Weihnachtsfest seit der Vertreibung. Viele Landsleute haben damals nach dem Bekanntwerden, daß für immer die Heimatstätte verloren sei, es nicht wahrhaben wollen. Man meinte, wir würden wieder zurückkehren. Der Glaube an die Rückkehr hat sich nicht bewahrheitet und viele Landsleute haben die Heimat nie wiedersehen können. Viele von uns Lebenden haben bisher auch verzichtet, die Heimat, aus der wir gewaltsam vertrieben wurden, noch einmal aufzusuchen. Diejenigen aber, die sich dort umgesehen haben, kamen mit großer Enttäuschung zurück. Nur noch wenige bekannte Landsleute befinden sich in den einstigen Wohngebieten. Bald werden dort keine deutschen Laute mehr zu vernehmen sein.
Obwohl es uns heute gut geht, von den Sorgen erlöst und wir um's tägliche Brot nicht bangen müssen, denken wir doch an die damalige Zeit. Trotz der Not, die ja jeder wahrgenommen hat, war es daheim eine schöne Zeit gewesen. Sie gab uns das Gefühl des Geborgenseins. Vertraut waren uns die Gesichter, Freunde und die Verwandten waren um uns.
Heute sind wir in alle Winkel zerstreut und ganz selten kommt man zusammen. Die meisten von uns sind in einem Alter, wo das Reisen zu einem Besuch zu anstrengend ist. Man merkt es bei den Heimattreffen, wie groß die Lücken geworden sind.
So bleiben auch die Besuche an den Weihnachtsfesten, wo doch früher jeder trachtete daheim zu sein, aus. Außerdem ist heute eine ganz andere Zeit, als es die unsere in jungen Jahren gewesen war. Man besucht oft nicht mehr die Angehörigen, sondern eine Skipiste. Man putzt auch keinen Tannenbaum mehr, wie wir es getan haben, sondern kauft sich einen künstlichen oder überhaupt keinen mehr. Wie schön waren damals unsere Zuckerbäume, Christbaum oder Tannenbaum sagten wir nicht. Der mit Süßigkeiten und eigenem hergestellten Backwerk behangene Zuckerbaum war fast in allen Stuben. Wie herrlich glänzten die vom Vizenz erstandenen in Stanniol gewickelten Schokoladestücke. War es da ein Wunder, wenn man schon bald anfing verstohlen eines ums andere zu mopsen? Aber es wurde sehr darauf geachtet, daß wir Kinder uns des Plünderns des Baumes enthielten. Man kann es heute als „Erziehung zum Verzicht" betrachten. Man mußte ja damals auf vieles verzichten. Eine solche reichliche Bescherung wie heutzutage hat es nicht gegeben. Oft wurde das alte zerschundende Spielzeug etwas aufgefrischt und fehlende Glieder erneuert. Man war froh es wieder zu haben. Aber die größte Freude war der „geputzte Baum".
Am ersten Christtag in aller Früh ging man zum Nachbar gute Feiertage wünschen. Je nach Einkommen wurde ein kleines Geldgeschenk gegeben. Onkel und Tanten wurden nie vergessen. Da gab es ja immer einige Kronen. Wenn der Schnee unter den Sohlen knirschte, dann war richtig Weihnachten.
Ich erinnere mich an ein ganz besonderes Weihnachtsfest. Wir waren zwei Buben und hätten halt gerne einen Schlitten gehabt. Aber das blieb ein Traum, denn es war unmöglich diese Geldauslagen unseren Angehörigen zuzumuten. Der Wagnermeister Schimmer in der Brauhausgasse hatte einen schönen Rodler im Fenster ausgestellt. Oft ging ich daran vorbei. Natürlich haben wir verlauten lassen, was für ein schöner Rodler dort im Fenster stehe. Man tat so als höre man es nicht.
Als nun der Hl. Abend gekommen war, wir unser Bäumchen geschmückt hatten, und der Uhrzeiger auf 6 Uhr abends stand, rüsteten wir uns für das Abendessen. Pünktlich um diese Zeit wurde die Türe versperrt, denn man wollte an diesem Abend nicht von außen
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