Liebe Landsleute!
Wenn dieser Heimatbrief zu Euch kommt, dann ist der Sommer vorbei. Abgesehen von den Unwettern, die viele Landesteile heimgesucht haben, könnte man sagen, es waren schöne warme Tage gewesen. Nun, die Natur läßt sich in ihr Programm nicht hineinreden, auch wenn der Mensch noch soviele Eingriffe vornimmt, die zu ihrer Zerstörung beitragen. Die Natur rächt sich auf ihre Weise.
So manche Landsleute werden ihre Gedanken in die alte Heimat zurückschweifen lassen. Hat doch jede Jahreszeit einen besonderen Reiz gehabt. Besonders der Sommer hat uns in den Wald gelockt. Da war die „Beerenzeit". Schwarz- und Himbeeren gab es reichlich. Wir Kinder zogen in den Ferien am frühen Morgen mit der „Blösch" (Kanne) in den Wald und versuchten bis Mittag 2-3 Liter Schwarzbeeren zusammenzubringen. Der Nachmittag gehörte dann uns zum Spielen. Die Deiche lockten, und man zog mit Decke und Handtuch zum großen Deich. Zu meiner Kinderzeit war die „Ebnet" oder der „Muckengrunddeich" nicht „in" gewesen. Erst als Frau Dietrich die „Ebnet" gepachtet hatte, setzte dort der Badebetrieb ein. Oft bis in die Abendstunden blieben wir am Wasser.
Nach der Schwarzbeerzeit kam das „Himbeerholen" dran. Da gab es in der Ziegelhüttener Flur einen großen Hau mit reichlich tragenden Sträuchern. Kein Weg war damals den Kindern zu beschwerlich. Das „Schåmmergehen" im August machte besonderen Spaß, und man freute sich einen schönen gesunden Steinpilz gefunden zu haben. Eierschwammerln, Steinpilze, Birken- u. Rotkoppen waren die häufigsten Pilze, die bekannt waren. Nur der Schuldirektor Täuschl war ein Kenner aller eßbaren Pilze. Eine Schwåmmåvergiftung, wie sie hier häufig vorkommt, gab es meines Wissens nicht. Ja, wir Kinder halfen so gut wir konnten den Haushalt zu verbilligen. Bescheiden waren unsere Ansprüche. Urlaubsfahrten konnte sich damals niemand leisten. Man war froh, das tägliche Brot herbeischaffen zu können.
Um diese Zeit war das Geräusch des Korndreschers aus den Stadeln verklungen. Der traute Klang der Drischl (Dreschflegel) war nicht mehr zu hören. Schön war das Stroh in die Pansen geschlichtet. Die Stadel hatten mehrere Teilhaber und ein jeder hatte sein Abteil. Hader und Streitigkeiten wegen der Termine des Dreschens gab es nicht. Jeder brachte seinen Ernteanteil zur rechten Zeit unter. In unserem Ort gab es eine ganz schöne Anzahl von Stadeln. Fast in jedem Ortsteil war einer errichtet gewesen. Dreschmaschinen gab es nur sehr wenige. Ich weiß, daß eine mit der Hand zu bedienende in der Scheune der Dechantei war.
Kräftige Männerhände waren nötig, die die Holme der Leiergriffe umfaßten und das Ungetüm in Schwung hielten. Es war eine Knochenarbeit. Der Weidl am Graben hatte in den ersten zwanziger Jahren als erster schon eine elektrisch betriebene Dreschmaschine. Später hatte sich Dopinger eine Lohndreschmaschine angeschafft und führte den „Lohndrusch" ein. Aber einmal war auch eine Dampfdreschmaschinengarnitur im Ort. Ein Bild war bereits im HB veröffentlicht gewesen. Im Ort waren ja keine Bauern. Die Handwerker hatten ein Stücklein Feld und bauten das Nötigste an. „Köibritscher" nannte man diese. Nun geplagt hat sich jeder. Es war ein wahres Sprichwort: „Im Schweiße deines Angesichts sollst Du Dein Brot verdienen!" Trifft das heute noch zu? Wohl kaum. Wer braucht sich heute noch um genügend Brot zu sorgen?
Nun wäre daheim das „Kartoffelgraben" an der Reihe. Wir Kinder waren vormittags in der Schule, aber am Nachmittag da waren wir bei den Kartoffelgräberinnen. Unsere Aufgabe war das Ausziehen der Schöpfe (Kartoffelkraut) und dieses zu einem Haufen zusammenzutragen. Das bereits dürre Kraut gab ein schönes Feuerchen, in dem wir dann Kartoffeln gebraten haben. Schön beschmiert kehrten wir am Abend heim.
Heute noch höre ich die Kartoffeln vom Hudelwagen in den Keller poltern. Nun ist eine andere Zeit. Solche Plagerei gibt es heute nicht mehr. Aber jeder Leser wird bestätigen, so schön wie damals ist es nicht mehr. Nun, das dürfte auch die Fremde sein, in der wir schon mehr als 40 Jahre leben. Es geht uns zwar gut, aber die Geborgenheit, die uns die Heimat gab, vermissen wir.
Rozdělení textu na listy je odhad — text může o odstavec přetéct na sousední list. Původní znění vlevo je vždy přesné.
Klikni na větu a ukáže se, kde na skenu stojí. Zvýrazňují se celé řádky, ne přesná slova — místo je tedy přibližné.
