Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 197
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Víš, matičko, co se mi zdálo?

Weißt Du Mutterl, was mir träumt hat?

Bei ihrem schwererkrankten Kinde
sitzt die Mutter still und weint,
weil für sie in diesem Leben
noch nie die Sonne hat gescheint.
Sie schluchzt gebeugt vor Schmerz und Kummer,
so daß ihr fast das Herz zerbricht,
auf einmal wird das Kinderl munter
und leise es im Fieber spricht:

„Weißt Du Mutterl, was mir träumt hat?
Ich hab' in Himmel eineg'sehn,
da warn so viele schöne Engerln,
zu denen möcht ich gerne gehn.
Da brauchen wir kein Hunger z'leiden,
ich werd's dem lieben Hergott sagn,
er soll mir auch zwei Fliegerl geben,
die wern mich dann in Himmel tragn.

Es hat ihm Gott die Braut genommen,
sie liegt am Friedhof draußen still,
doch hier seinen treuen Herzen
war diese Seelenqual zuviel.
Im ersten Schmerz war er bewußtlos,
der Mutter brach das Herz zusamm',
da schlägt er müde seine Augen auf
und fängt verklärt zum Singen an:

Weißt Du Mutterl, was mir träumt hat,
ich hab' in Himmel eineg'sehn,
mein süßes Annerl tut so traurig
als Englein dort umegehn.
Sie hat mich weinend so gebeten:
oh laß mich doch nicht ganz allein.
Drum behüt Dich Gott, mein liebes Mutterl,
meine Hochzeit wird im Himmel sein.

Ein Pärchen schon im greisen Alter,
die sitzen in der Früh beisamm'.
Daß ihm was besonders druckt am Herzen,
das merkt sie ihm ganz deutlich an.
Sie streichelt ihm die grauen Haare,
geh' Alter, sag was hast den heut'?
Da schaut er tief in ihre Augen
und traurig klagt er ihr sein Leid:

Weißt Du Mutterl, was mir träumt hat,
ich hab uns zwei im Himmel g'sehn,
ich war so jung und frisch und munter
und Du wie einst so wunderschön.
Was suchen wir auf dieser Welt noch,
erlöst möcht ich schon gerne sein.
Drum komm Du altes, braves Mutterl,
wir gehn mitsamm' in Himmel ein.

Dieses ist eines von Tante Adele ihrer vielen gesammelten Gedichte, die ich vor zwei Jahren, als ich sie besuchte, abschreiben durfte.

Adele Harbauer (Thumas, Rabensgrün), Kratisried/Allgäu

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