Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 196
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Vzpomínky, Evropa a obavy o budoucnost – dopis krajanům

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sehen würde. Aber man braucht die Deutschen! Sie geben eine gute Milchkuh ab. Jedes Volk melkt halt so gut es eben geht. Unsere auferlegte Steuerlast bringt ja die nötigen Mittel. Unsere hochentwickelte Technik, der Fleiß und unsere Sparsamkeit wird die EG und den gemeinsamen Markt sehr stärken, was den jetzt unterentwickelten Europäern zu gute komme. Aber schon jetzt werden kritische Stimmen laut, besonders der Mittelstand, — die Schlimmes befürchten. Bisher wurde kein Erfolg mit unserem Widerstand erreicht — weder im Bierkrieg noch in den Soja-Lebensmitteln ein Einfuhrverbot. Die Fleisch- und Butterberge werden immer höher, der Milchsee wird steigen, die Zeche für diese Wirtschafts- und Agrarpolitik wird uns sicher präsentiert werden. Alle anderen dürfte man wohl aus der EG Kasse entschädigen.

Den Frieden in Europa verdanken wir unserem passiven Widerstand. Im Grundgesetz ist festgelegt, daß kein deutscher Soldat außerhalb unseres Bundesgebietes zum Einsatz kommen darf. Dieser Artikel im Grundgesetz verhinderte bisher, daß unsere Bundeswehr als Feuerwehr in andere Kriegsgebiete beordert wurde. Weit voraus haben die Gründer des Grundgesetzes gedacht! Anscheinend haben sie vor 40 Jahren schon erkannt, daß Deutschland nicht ohne Soldaten bleiben wird. Leider verschlingt die Aufrüstung und Weiterrüstung ungeheuere Summen. Für die Amerikaner ist das aber immer noch zu wenig. Man sollte sich einmal fragen, was die anderen Länder für ihre Verteidigung ausgeben. Letzten Endes haben wir Westeuropäer doch gemeinsam nur einen Gegner im Osten.

Wollen wir hoffen, daß der Frieden noch recht lange auf unserem Festland bleiben möge. Es ist anzunehmen, daß die vielen Reisen unserer Staatsmänner dies bewirken. Auch der Papst leistet seinen Beitrag durch seine vielen Reisen und sein Küssen der Erde. Leider wurde die Not der in diesen Ländern wohnhaften Völker noch nicht gemildert. Im Gegenteil — mit den modernsten Waffen befehden sie sich.

Wer die Lieferanten der Kriegsgeräte in diese unterentwickelten Länder sind, wird uns verschwiegen. —

Wir dürfen gespannt sein, wie die Wahl ins europäische Parlament ausgehen wird. Ob die Anstrengung des Bekämpfens der „Republikaner" den bestehenden Parteien Erfolg gebracht hat? Eine kleine bewegliche Parteiarbeit scheint der Windhauch aber doch verursacht zu haben. Diskussionen werden rege geführt und im Fernsehen überschlagen sich die Redner. Es ist besser, man schaltet den Glotzkasten ab. Langweilig sind die Diskussionen und öden einen an. Die Auslassungen über den § 218 sind Wasser auf „grüne Mühlen", Abtreibung ist eine „moralische Angelegenheit". Der Staat sollte sich mehr um die lebenden Wesen, besonders um unsere Kinder bemühen. Da wäre noch sehr viel zu tun. So manche Familie spürt wenig von dem bei uns angeblich herrschenden Wohlstand. Sehr viele Familien können sich keinen wochenlangen Urlaub leisten. Der normale Verdienst eines deutschen Arbeiters reicht dafür nicht aus, vor allem, wenn schulpflichtige Kinder zu versorgen sind. Die Blechlawinen, die über unsere Straßen rollen, geben ein falsches Bild. Nur Wohlhabende, hier will ich keine „Kategorie" nennen, leisten sich diese Vergünstigungen. —

Jetzt steht uns die schöne Sommerzeit ins Haus. Man denkt zurück, wie diese einst erlebt wurde. Auf den heimatlichen Fluren war eine rege Tätigkeit festzustellen. Die Erdäpfelfelder wurden beharkt und dann gestrichen. Das Heumachen stand bevor. Viele Gewerbetreibende in unserem Städchen hatten ja auch eine Landwirtschaft, und so manches Kuhgespann hinterließ da ihr Merkmal. Nur gut, daß die Gemeindeverwaltung die im Spital untergebrachten noch rüstigen Menschen veranlassen durfte, stets mittwochs und samstags die Gassen oder Plätze zu kehren und zu säubern. So machte unsere alte Stadt doch immer einen gepflegten Eindruck. —

Pfingsten ist vorbei! Wie man mir berichtet hat, haben nur sehr wenige Schlaggenwalder und in der Umgebung einst wohnhaften Landsleute am 40. Sudetendeutschen Tag 1989 in Stuttgart teilgenommen. Das Alter und die Gebrechlichkeit unserer Landsleute ist wohl der große Hinderungsgrund. Immerhin sind wir ja schon 44 Jahre vertrieben, und viele sind nach dem Kriege überhaupt nicht mehr heimgekommen. Nun, denen blieb auch viel Leid erspart. Wer in den Lagern einsaß, der weiß ein Lied davon zu singen. Mögen solche Schandtaten wie 1945/46 sich nie mehr wiederholen.

Richard Brummeissl

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