Zum Osterfest 1989
Liebe Freunde und Landsleute!
Jeder Osterbrief, den ich Ihnen bisher schrieb, ruft mir ins Gedächtnis, daß der Osterbrief 1985 das letzte Schreiben war, das mein Vorgänger Prälat Dr. Karl Reiß an uns richtete. „Ohne Kreuz kein Heil", wählte er als Thema und sprach damit etwas an, was auch zutiefst das Wesen unserer Volksgruppe berührt.
Wir bereiten uns auf das Paschafest, auf Ostern vor, nach dem es mit den Jüngern zu feiern, Jesus so sehr verlangte, weil er dabei seine völlige Hingabe, sein Aufgehen in den Willen des Vaters ganz zum Ausdruck bringen konnte. Was der Herr beim Abendmahlsgeschehen am Gründonnerstag vollzieht, deutet bereits das Geschehen des Karfreitags an: Seine priesterliche Existenz ist totale Hingabe.
Daran soll uns das Kreuz als Zeichen unseres Glaubens und unserer Erlösung erinnern. Prälat Dr. Reiß, dessen Todestag sich am 17. April jährt und der Seelsorger der ganzen Volksgruppe sein wollte, hat deshalb immer wieder in Predigten bei Vertriebenenwallfahrten und Heimattreffen auf die Symbolkraft des Kreuzes hingewiesen. Er bat die Eltern, ihre Kinder mit dem Kreuz zu segnen und erinnerte unter anderem an die Tradition unserer alten Heimat, jedes Brot von der Hausmutter vor dem Zerteilen mit dem Kreuz zu bezeichnen.
In meinem Weihnachtsbrief habe ich auf unsere Pflicht hingewiesen, ein Ja zum Leben zu sprechen. Leben ist aber nur möglich durch Hingabe, durch Bereitschaft zum Opfer. Das ist der Sinn des Priestertums. Der Herr ist der Weg der Hingabe in den Tod am Kreuz und durch die Auferweckung zum bleibenden Leben gegangen, damit wir das Leben haben in seinem Namen. Jesus ist der einzige wahre Priester. Er hat uns freilich in seine Nachfolge gerufen. Durch Taufe und Firmung haben wir alle Anteil auch an seinem Priestertum. So gelten Hingabe und Bereitschaft zum Opfer nicht nur für die geweihten Priester und für die Ordensleute, sondern für jeden Christen. Wir sprechen daher vom allgemeinen Priestertum aller Gläubigen. Wenn in unseren Familien diese Hingabe für einander stärker gelebt wird, dann können aus ihnen wieder mehr geistliche Berufe erwachsen, die die Kirche und unsere Volksgruppe dringend brauchen.
Ich bitte Sie alle um dieses Für-einander-dasein, das möglich ist, wenn wir wie der Herr sprechen: „Vater, nicht mein Wille geschehe, sondern der Deine!"
Wenn unsere Volksgruppe von Familien mit solchem Geist getragen wird, wird auch die Aufgabe unseres Priesterwerkes Früchte tragen, sich um Priester- und Ordensnachwuchs unserer Volksgruppe zu sorgen. Dazu müssen Priester und Laien durch das Vorbild gelebter Hingabe ermutigen.
Ich wünsche Ihnen im Namen aller Mitbrüder, aller Ordensbrüder und unserer sudetendeutschen Ordensschwestern eine gnadenreiche Zeit der Vorbereitung auf das große Fest unserer Erlösung durch den Tod und die Auferstehung des Herrn. Möge der Auferstandene Ihnen reiche Freude und Zuversicht schenken. Gesegnete Ostern!
Ihr Pfarrer Friedrich A. Berger,
Vorsitzender des Sudetendeutschen Priesterwerkes
Allen unseren Lesern und ihren Angehörigen wünschen wir ein recht schönes Osterfest
věta pokračuje na dalším listu ⟶
Rozdělení textu na listy je odhad — text může o odstavec přetéct na sousední list. Původní znění vlevo je vždy přesné.
Klikni na větu a ukáže se, kde na skenu stojí. Zvýrazňují se celé řádky, ne přesná slova — místo je tedy přibližné.
