Eine heitere Geschichte aus Schlaggenwald
Eine heitere Geschichte aus Schlaggenwald
Über den Fasching im allgemeinen und über den Fasching in Schlaggenwald ließe sich viel Lustiges, Amouröses und Interessantes berichten. Wenn ich allein daran denke, wie wir schon als Halbwüchsige unsere kleinen Abenteuer beim Tanz im Bahnhofshotel, beim Reinhold und bei den Bällen im Großen Ochsen erleben durften, kommen mir immer wieder die angenehmsten Gefühle in den Sinn. Mein Gott, war das manchmal zauberhaft und schön.
Heute will ich von einem kleinen Ereignis, aus dem ja leider schon längst vergangenem Fasching aus Schlaggenwald berichten, wie es sich einst zugetragen haben soll oder auch wirklich zugetragen hat.
Ich selbst habe die Geschichte nicht miterlebt, aber man hat sie mir zuverlässig als wahre Begebenheit geschildert.
Im „Ochsen" war ein großer Faschingsball. Alle Honoratioren waren sichtbar oder teilweise sichtbar vertreten. Schließlich sollte der Maskenzwang ja auch eingehalten werden.
Je weniger man erkannt werden wollte oder je mehr man Eindruck auf die ja ach so schönen Schlaggenwalder Frauen und Mädchen machen wollte, umso schöner hatte man die Verkleidung ausgewählt.
Da tauchte nach einiger Zeit mitten im Faschingstrubel plötzlich eine ganz besonders schöne Maske auf, hinter der man einen feschen Mann vermuten konnte. Die Maske zeigte sich lustig und tanzte lebhaft wie der Lump am Stecken.
Der so hübsch verkleidete Mann versuchte alle schönen Frauen zum Tanz zu gewinnen. Aber auch die Frauen waren seinem Charme und seiner Maskenschönheit sehr zugetan und viele wollten mit ihm tanzen.
Neben dem beschwingten Tanzerlebnis wollten die Frauen aber auch bald wissen, wer sie denn da so im Arme hielt.
Daher bestürmten sie den Mann, sich doch durch irgend ein Zeichen zu erkennen zu geben. Wenn man ihn fragte, wer er sei oder wie er heiße, nickte er mit dem Kopf und sagte leise: „eben, eben". Aber mehr als „eben, eben" war aus ihm nicht herauszubringen.
So ging es stundenlang, bis sich die Masken nach Mitternacht allmählich entblätterten, um von der ungewohnten Einengung befreit zu werden. Nur unsere schöne Maske wollte ihr wahres Gesicht nicht zeigen. Auf alle Wünsche und Bitten sagte er immer wieder nur: „eben, eben".
Schließlich weit nach Mitternacht nahm er die Maske endlich ab. Die Frauen, die ihn umstanden, waren plötzlich derart erstarrt, daß sie sich nicht von der Stelle rühren konnten. Die schöne Maske entpuppte sich als Herr Eben. Herr Eben aber war der „Grobitter Lerchenvascher" der Stadt Schlaggenwald. Herr Eben verbeugte sich vor den Damen, sagte lächelnd „eben, eben" und verschwand aus dem Saal. Langsam erfaßten die Damen, mit denen er getanzt hatte, die Lage und es schauerte sie, wenn sie daran dachten, daß sie mit dem getanzt hatten.
Da rief plötzlich ein junges Mädchen mit lebhafter Stimme: „Ach, solange der Tod nicht mit mir tanzt, soll es mir egal sein." Und in diesem Augenblick setzte auch die Musik mit einem rasanten Marsch ein, der die Schlaggenwalder Kavaliere aufforderte zu den Damen zu eilen. Schon zeigte sich, wie rasch das lustige Treiben die Mißstimmung verscheuchte, so daß bald wieder der echte Schlaggenwalder Fasching den Saal beherrschte.
Wie gesagt, ich weiß nicht, ob sich die Geschichte wirklich so zugetragen hat, aber sie soll wahr sein. Jedenfalls hat man sie mir so erzählt! „Eben, eben".
(Eine wahre Begebenheit — Die Redaktion)
Der Schlaggenwalder Heimatbrief ist die letzte Brücke zur Heimat!
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