Fasching in Schönfeld
Fasching in Schönfeld
Die Erinnerung an die Heimat kann uns niemand nehmen. Und wenn man noch so alt wird, immer wieder schweifen die Gedanken dorthin zurück. So auch in der Faschingszeit, mancherorts auch Fosnat genannt. Es war halt die lustigste Zeit des Jahres und sie wurde von jung und alt bis zur letzten Minute ausgenützt. Jeden Sonntag waren die vielen Wirtshäuser, in denen Klavier oder Ziehharmonika gespielt wurde, voller Gäste. Ein Trupp „Maschkerer" um den andern gab sich die Türklinke in die Hand und überall wurde fleißig getanzt.
Schon als Kind war ich vom Faschingstreiben faßziniert. Meine Eltern nahmen mich oft mit ins Wirtshaus. Ich bekam rote Limonade und manchmal „Spanln", das tradionelle Schmalzgebäck. Zwei Maschkerer sehe ich heute noch vor mir. Sie hatten Kartoffelkörbe über die Köpfe gestülpt. und sahen furchterregend aus. Kaum war ich der Schule entwachsen, ging ich selber „maschkern". Mit einer Larve vorm Gesicht war ich, sonst eine ruhige Natur, ein ausgelassener Mensch. Als ich meinen Mann, den Egerer Toni, kennen lernte, mußte er natürlich mit. Seine Mutter zog ihm altmodische Frauenkleider an. Linkisch, lang und dürr, stand er in der ersten Wirtsstube unter der Tür. Als er die Röcke hob und umständlich in den Hosentaschen kramte, erkannten ihn seine Freunde und riefen: „Tone, kumm hinta, bleib dou!" „Jawohl, ich kumm glei", sagte er, und unter allgemeinen Gelächter stieg er flux über den Tisch. Das war das erste und letzte Mal, daß er „maschkern" war.
Die Vereine veranstalteten Faschingsbälle, die gut besucht wurden. Da hat sich manch alte Maid eine junge und manch junges Mädchen eine alte Larve aufgesetzt. Das gab bei der Demaskierung oft die tollsten Überraschungen. Da hat manch' einer der eignen Frau den Hof gemacht, oder die Schöne entpuppte sich als Mann. Auf jeden Fall wurde das Alter vergessen, es wurde getanzt bis in die Früh und mancher Muskelkater in Kauf genommen.
Faschingssonntag war der traditionelle Faschingszug. Da war „ganz Schönfeld auf den Beinen" und von weit und breit kamen die Zuschauer. Für die „Maschkerade" war der Schneider Jordan Julius, kurz „Oantl Tschulle" genannt, zuständig. Nähte er im Anfang nur einige Kostüme auf Bestellung, wurde er bald als Maskenschneider in der ganzen Umgebung bekannt. Da gründete er einen Maskenverleih, der herrlich florierte. So konnte man bei ihm, sozusagen vom Feigenblatt anfangen, alle Kostüme bekommen, vom Egerland, von Wien, Schottland, dem Orient, Indien, aus der Prärie und Phantasiekostüme aller Art. Selbst Theatervereine durchstöberten oft seinen Fundus.
Hoch her ging es noch am Faschingsdienstag, wo schon am Tag die „Maschkeratrupps" von Wirtshaus zu Wirtshaus zogen, bei einem voran, der genannte „Oantl Tschulle", mit seiner Ziehharmonika. Mein Mann ist einmal mit einigen Freunden an so einem Dienstag beim Gräf Walter (Gasthaus am Markt) versackt. Es war schon Tag, da rief der Walter: „Manna gäitz ham, d' Leut gänga scho in die Kirchn nouchn Oaschakraizla. Zohlts murgn".
Unseren Marktplatz teilte der Flößgraben in die „Sommer- und Winterseite". Rasch liefen die Burschen über die Straße, die Stafferln hinunter und sprangen in den Graben. Sie wollten von den Kirchgängern nicht gesehen werden. Dort maschierten sie im knietiefen, eiskalten Wasser bis zum Schlachthäusl, wo sie wieder herauskrabbelten. Auf Umwegen schlichen sie dann nach Hause. Alle hatten eine tüchtige Erkältung davongetragen. Wir waren damals noch nicht verheiratet. Toni log tüchtig wie er zu der Erkältung kam, und ich bedauerte meinen Liebsten sehr. Viel später hat er mir erst die ganze Wahrheit erzählt.
Heute ist halt alles anders geworden. Aus dem Fasching wurde der Karneval und aus der Larve die Maske. —
„Und wer ist Dein Vater?" wurde der Franzl in der Schule gefragt. „Des woas i niat". „Franzl, das mußt Du doch wissen. Da mußt halt Deine Mutter fragen". Am andern Tag, als der Bub wieder gefragt wird, sagt er forsch: „Ma Mutta hout g'sägt a Maschkerer"
A. Egerer (Lochschmidt), Schönfeld
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