Das Töpferhaus am Gänsdörfel in Schlaggenwald
[obr] Das „Töpferhaus" am Gänsdörfel
Das Töpferhaus am Gänsdörfel in Schlaggenwald
Wer erinnert sich nicht noch heute an das in der Gegend auffallende große Haus, das etwas düster ausgesehen hat, bei seinen Spaziergängen in die alte Schießstatt. Nun es hatte einige Jahrhunderte überdauert. Nur weiß man nicht mehr den genauen Zeitpunkt des Entstehens. Aber es soll im 15. Jahrhundert erbaut worden sein. Einstmals wurde in diesem Haus irdenes Geschirr erzeugt. Daher hatte es den Namen „Töpferhaus" bekommen. Später wurden auch Erzeugnisse von Perlmutter-Knöpfen, Zierplättchen usw. gefertigt. Die Abfälle des Materials wurden in dem unweit stehenden Neidhartstadel deponiert. Wir Kinder haben da manchmal darinnen in den Abfällen „gebuddelt" und mit noch so manchem Rest unsere Freude daran gefunden und gerne mit den glänzenden Scherben gespielt.
Mir fiel auch eine kleine Begebenheit ein, die mir in Erinnerung blieb. Turnen und Singen gehörte damals zum Schulunterricht. Ab und zu wurde in diesen Stunden auch eine kurze Wanderung gemacht. Es war an einem schönen Herbsttag und unsere Klassenlehrerin, Fr. Rekt. Ernestine Müller, führte die Klasse in Richtung Schießstatt (Märzmühle). Wir hatten unser Schulgepäck dabei. Wie gerne man das losgewesen wäre, bemerkte ich, als wir an dem Töpferhaus vorbeigingen, denn dort wohnte ich. Leider fehlte mir die Courage einen Sprung in das Haus zu wagen. So schleppte ich halt die Tasche mit mir. An einer kleinen Anhöhe wurde „Halt" angeordnet. Von der Stelle aus hatte man einen wunderbaren Blick auf die Stadt und besonders zur Kirche hin. Fr. Rekt. ordnete das Singen an und so schmetterten wir unsere Stimmen in den wunderschönen Herbsttag. Das Ernten der Erdäpfel und der „Duoschen" war im vollem Gang. Überall auf den Feldern waren die Menschen emsig und mancher gefüllte Korb polterte in den Hudelwagen vor dem meistens ein Kuhgespann war, denn unsere Feldbesitzer hatten keine Pferde, deshalb waren sie auch als „Köipritscher" benannt worden. Auf dem Heimweg zogen wir singend über die Untere Trifft und hatten Gelegenheit durch das schon herabgefallene Laub der dort stehenden Ahornbäume zu „waten". Es war eine schöne Kinderzeit daheim. Das Heimweh an bestimmten Tagen bleibt daher nicht aus.
Marie Fritsche, geb. Klement
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