Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 182
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Až přijde Ježíšek

As Christkinnl kummt

Hermine Walter, geb. Palm

Hurch, Böiwl hurch, va da Weitn
touts Glöckl bis dou her leitn!
As Christkind kummt, glei wirstas segn
vom Himml håuch bis oje schwebm.

Gell, bist recht brav, göihst her za mir,
vom Fensa as, dou zeiche dir,
wöi d'Engel va vurn bis hintn
im Finsan Stern uazindn!

Wenns nouchat göiht, dös Jesulein,
durch unna Tür in d'Stubm nein,
bist gånz schnell stad u nimmste zåm,
fåltst deine Händ u bist schöi fromm!

Wos denkstn du, dös fräigt de fei,
nouch ållahånd u månchalei,
ob d'imma af da Suppm isst
oda neat afs Betn vagisst.

Gottvåta håuts ins Böichl gschriem,
was d'nämle håust dös Gåa triebm,
sa Böiwl wår danem gwesen
u håut die Sündn glesen.

Öitzt råte dir, ba meina Sell,
dass d'Wåuhrat sagst, sinst mousst in d'Höll!
Gie löiwa glei dös Gånza zou,
dann bistas låus u håust da Rouh!

As Christkind wird se vül freia
u bestimmt dir ålls vazeiha,
sua kröigt amend mei Anderl nuch
dean nogelneia Dåmpflokzuch.

(Für meinen Enkelsohn Andreas)

Vzpomínky pod vánočním stromkem

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wie diese Menschen weinend mit dem Handwagerl in ein Notquartier zogen. Später haben sie sich einem Kohlentrupp angeschlossen.

Natürlich habe ich nicht nur Leid und Elend gesehen. Mama ging mit uns oft in die Stadt. Wir spazierten über die herrlichen Promenaden, die Alte Wiese und durch die Parks bis hinter zum „Freundschaftssaal". Dort tranken wir im Kaffeegarten Schokolade und aßen feines Gebäck. Der Besitzer des Cafés war ein Kunde meines Vaters. Die Menschen waren hier alle gut gekleidet und gepflegt, sie saßen an weißen Tischen in bequemen Stühlen und hörten dem Konzert zu. Die Kaffeemädchen huschten lautlos zwischen den Tischreihen und bedienten sehr aufmerksam die Gäste. Manchmal nahm mich mein Vater mit auf die Pferderennbahn. Da er betrieblich mit der Rennbahnverwaltung zu tun hatte, konnten wir ohne weiteres in die elitäre Umgebung der vornehmen Klasse. Vater hielt mich an der Hand und führte mich über den weißen Kies. Ich mochte das gern. Der Anblick hübscher, eleganter Frauen und gepflegter Herren sowie der Duft teurer Seifen und Parfüms entzückten mein Herz so sehr, daß ich noch lange davon träumte. Wenn ich allerdings nach Rennschluß durch den Ausgang kam und längs des Zaunes die Bettler sah, war ich tief bestürzt.

Eines Tages zogen wir in das neue Haus. Ich wollte erst nicht, denn ich hatte Angst. Das Gebäude stand nämlich im Überschwemmungsgebiet des Chodaubaches, allerdings auf einer winzigen Anhöhe. Niemals ist das Wasser bis zu unserem Haus gekommen, drei Meter davor blieb es stehen. Die nahe Volksschule stand jedoch ganz im Wasser. Einmal dauerte es drei Wochen, bis wieder unterrichtet werden konnte. Da entschloß man sich, den Chodaubach zu regulieren und damit vielen Arbeitslosen Arbeit und Brot zu geben, wenn auch nur für wenige Monate. Kaum wohnten wir in unserem Haus, wurde Mama ernstlich krank. Sie sah elend aus und hatte oft verweinte Augen. Wenn ich sie deswegen fragte, gab sie mir ausweichende Antworten. Ich hatte große Angst um sie. Immer öfter mußte meine Großmutter aus Gfell kommen, um den Haushalt zu betreuen. Im Frühjahr 1932 starb unsere gute Mama. Meine Kindheit war vorbei. Sie kehrte nur zurück, wenn ich bei meiner Großmutter in Gfell sein durfte. Sie ersetzte mir das, was ich mit Mama verloren hatte.

Ab dem Herbst ging ich nach Karlsbad in die Schule. Ich bekam ein Klavier ins Zimmer gestellt und mußte in jeder freien Minute üben, während andere Kinder draußen spielen durften.

Inzwischen war das Heer der Arbeitslosen weiter gewachsen. Die politischen Fronten verhärteten sich, das Verhältnis zwischen Deutschen und Tschechen wurde immer gespannter. Die Not wuchs tagtäglich und mit ihr die Aggressionslust. Menschen, die früher friedlich und freundlich waren, wurden ungerecht, verbittert und gereizt. Als ich einmal auf dem Heimweg von der Schule war — es ging ein eisiger Wind — trug ich schöne, neue Handschuhe. Ich hatte sie zu Weihnachten bekommen. Sie waren aus weicher Wolle und hatten nach der damaligen Mode breite, buntgestreifte Stulpen. Mir kam eine Essensträgerin entgegen. Ich kannte sie, weil sie samstags immer eine Wochenzeitung zu uns brachte. Ihr Mann hatte zwar noch Arbeit, aber er verdiente sehr wenig. Das Ehepaar hatte einen Sohn, der begabt war und ins Gymnasium durfte. Er sollte einmal etwas „Besseres" werden. Die Eltern arbeiteten sich die Finger wund, um es ihm zu ermöglichen. Weil sie sich aber von dem lieben Gott enttäuscht fühlten, liefen sie Marx und Engels in die Arme. Sie haben immer die Faust gehoben und gegen das „Kapital" geschrieen. Als der brave Junge später in Rußland fiel, rannte seine arme Mutter nach Fischern in die Kirche, um beim Herrgott Trost zu suchen. Sie war es nun, die mir entgegen kam. Schon von weitem schimpfte sie, daß ich ein Kapitalistenbankert sei, weil ich mit Stulpenhandschuhen herumlaufe. Nichts als ein verhätschelter Fratz wäre ich, und schämen sollte ich mich. Wenn ich ihre Tochter wäre, würde sie mich windelweich prügeln. Dazu muß ich erwähnen, daß die Frau weder Mantel noch Kopftuch und schon gar keine Handschuhe trug. Über ihre schwarze Schürze hatte sie nur ein windiges Jackerl gezogen. Für diese Frau war das Maß voll, als sie mich sah. Sie schleuderte mir ihre ganze aufgestaute Wut ins Gesicht.

Mein Vater hatte unterdessen selbst große Sorgen. Die Aufträge waren rapid zurückgegangen, er hatte Leute entlassen müssen. Ein Handschuhfabrikant ließ sich in Karlsbad eine Villa bauen, ging aber dann in Konkurs, bevor das Haus fertig war. Vater verlor dabei mehrere tausend Kronen an unbezahlter Arbeitsleistung. Das brachte seinen Geschäftsgang ganz beträchtlich ins Schleudern. Wenn er nicht einen krisenfesten Dauerkunden gehabt hätte, dann wäre diese Angelegenheit wahrscheinlich sehr schlimm für ihn ausgegangen.

In den Sommermonaten des Jahres 1938 hatte die Wirtschaftskrise ihren Höhepunkt erreicht. Kundgebungen, Streiks, Demonstrationen und Zusammenstöße waren an der Tagesordnung.

Von staatlicher Seite wurde alles getan, um die Kluft zwischen den Deutschen und den Tschechen noch zu vertiefen und das Deutschtum zu unterdrücken. Währenddessen hallten große Worte und schöne Versprechungen über Deutschlands Grenze in unsere Heimat. Alle sollten wir als gleichberechtigte Bürger in einem geeinten Reich leben, glücklich sein, Arbeit haben und nie mehr hungern müssen. Wen kann es da noch wundern, daß unterdrückte und ausgemergelte Menschen in Scharen diesen Lockungen hinterherliefen? Wer seinen Kindern kein Brot geben kann und wer sie frieren lassen muß, fragt nicht mehr lange, woher die volle Schüssel kommt, er ist leicht einzufangen. Egal von welcher Seite auch immer. Und wer das nicht glaubt, hat blinde Augen.

Mitten in dieser Zeit großer Not starb meine Großmutter. Plötzlich schaukelte ich in einer Nußschale auf stürmischer See und konnte nirgendwo einen ruhigen Hafen finden. Da holte mich eines Tages meine Tante Marie nach Chemnitz.

Ein Jahr später, am Hl. Abend der ersten Kriegsweihnacht sah ich die Heimat wieder. Ich war mit dem Zug gekommen und stand auf dem Vorplatz des Oberen Bahnhofs in Karlsbad. Unter mir lag die Stadt still und verdunkelt. Nur da und dort blitzte ein verbotenes Licht. Über den Kaiserwaldbergen funkelten ungezählte Sterne. Der Fiaker vom nahen Stand kam auf mich zu und grüßte freundlich. „Rechta schöna Weihnachten, Freilein!" sagte er, dann knallte er mit der Peitsche, daß die Pferde munter lostrabten. Bald spürte ich, wie der schmerzende Druck, den man Heimweh nennt, von meinem Herzen wich.

Hermine Walter, geb. Palm

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