Liebe Landsleute!
Eine recht frohe Weihnacht und ein glückliches, gesundes, neues Jahr wünschen wir allen Lesern des Schlaggenwalder Heimatbriefes. Möge uns allen das kommende Jahr 1986 das geben, was wir am nötigsten brauchen — „Gesundheit". Erst wenn man daran Mangel hat, weiß man, welch großes Glück es ist, nicht leiden zu müssen. In jungen Jahren glaubt man von der Geisel des Krankseins verschont zu sein. So sollten wir dem Herrgott in den Festtagen danken, wenn er uns die Gnade zuteil werden ließ, diese Zeit ohne Leiden miterleben zu können und uns davor bewahrt hat.
Vielen Dank will ich allen Spendern für den Fortbestand des Heimatbriefes und für unsere alten Landsleute sagen. Ganz besonders großen Dank unserer Landsmännin Frau Hermine Walter, die uns immer mit schönen Erinnerungen aus der unvergessenen Heimat im Heimatbrief erfreut. Möge ihr weiterhin die Kraft gegeben sein, uns noch viele schöne Erinnerungen an das einstige Daheim miterleben zu lassen.
Unserem Landsmann Walter Zeidler gebührt großer Dank. Er bereichert den Heimatbrief mit schönen Bildern aus der Heimatstadt und Umgebung. So manches Bild erweckt in uns zwar schmerzliche Erinnerungen an das Verlorene, tröstet aber auch, wenn man bedenkt, welcher Hölle wir entrinnen konnten. Wer möchte von uns Vertriebenen nochmals unter der tschechischen Herrschaft leben, besonders unter den heutigen Verhältnissen?
Auch allen Einsendern von Beiträgen für den Heimatbrief herzlichen Dank. Ich wünschte nur, es würden sich recht viele Landsleute an der Gestaltung unserer letzten Verbindung beteiligen.
Wie wir einst Weihnachten in der vertrauten Stube in der unvergessenen Heimat feierten, wurde schon früher geschildert. Damals hat es keinen solchen Rummel gegeben, wie er alljährlich auf uns eindringt. Es ist nicht mehr die Zeit des Hoffens und Wartens, des Ausruhens. Das Geschäftemachen geht über alles. Es ist eben eine andere Zeit, so bekommt man von der jetzigen Generation zu hören. Aber ist sie gut? Bringt sie den Frieden, den der Mensch so dringend braucht? Gewiß in materieller Hinsicht ist sie besser als die vergangene Epoche, in der wir das tägliche Brot aßen. Aber sind die Menschen glücklicher? Zufriedener waren doch wir, und darin fanden wir das Glücklichsein. Es war damals wichtig, daß man an den Feiertagen Glück gewünscht bekam von den Nachbarn und Bekannten. Dieser Brauch scheint jetzt ausgelöscht zu sein. Aber wir werden ihn nicht aufgeben.
Was für Segnungen hat man sich denn eingehandelt für das Althergebrachte? Unrast und Angst kursieren. Die vielen Scheidungen der Ehen sollten zum Nachdenken geben. Was wird aus den geborenen Kindern dieser Ehen, die nur ein Elternteil erzieht? Nie erfahren sie die Geborgenheit, die das junge Leben unabdingbar braucht. Nach meinen beruflichen Erfahrungen gibt es kein gesundes Erwachsenwerden, wenn es kein geordnetes Daheim gegeben hat. Wohin geht ein Volk, bei dem solche Mißstände zu beobachten sind. Es ist ein Wagnis, sich heute in den Abendstunden auf die Straße zu begeben. Wir sind schon sehr tief in der Moral gesunken. Auch die Kirchen sind nicht mehr in der Lage eine gesunde Steuerung der Seele zu gewährleisten. Auch der Versuch, die „Moderne" in den Kirchen einzuführen, wird nicht zur Besserung führen. Es fehlt die nötige Wärme, die nirgendwo mehr zu verspüren ist. Vielleicht sind wir noch zuviel in der Erinnerung verhaftet und in dieser verwurzelt. Das eine ist ganz sicher: gläubig waren wir, wenn auch nicht jeder ein Kirchgänger war.
So werden auch an diesem Weihnachtsfest wieder unsere Gedanken zurückeilen in die vergangenen Zeiten. Zurück zum geschmückten Kripplein mit dem Öllämpchen davor, zu dem mit allerlei Naschwerk behängten Fichten- oder Tannenbäumchen in der warmen Stube. Wenn auch die Geschenke damals ganz bescheiden waren, doch das Glücksgefühl allenthalben war überall zu spüren. Vergleiche zu heute wollen wir keine machen, denn das würde die Weihnachtsstimmung beeinträchtigen. Wir werden diese Tage mit unseren Angehörigen in Freude genießen, ist doch in der Hl. Schrift den Menschen das Heil und die Erlösung zugesagt. Frohe Weihnachten!
Euer Richard Brummeissl und Frau
Der Schlaggenwalder Heimatbrief ist die letzte Brücke zur Heimat!
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