Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 182
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Prověrkové komise Čechů v zajateckých táborech

Prüfungskommissionen der Tschechen in den Kriegsgefangenenlagern

Es ist uns Schlaggenwaldern wahrscheinlich nicht immer bekannt, daß es nach dem Krieg Prüfungskommissionen der Tschechen gegeben hat, die in den Kriegsgefangenenlagern der Siegermächte auftraten und dort in dem Sinne tätig wurden, Landsleute zu überprüfen, die in ihre Heimat und zu den Angehörigen heim wollten. Ein Landsmann hat eine derartige Überprüfung selbst erlebt und gibt sie hier wieder. (Die Redaktion)

Am 1. Januar 1945, in der Silvesternacht, griffen wir mit allen verfügbaren Kräften die amerikanischen Stellungen an und zwangen dem Gegner 45 km Gelände ab. Es war unser letzter Versuch gewesen. Einer so großen Übermacht konnten wir jedoch nicht lange standhalten, so zogen wir uns wieder an die Westwallinie zurück. Aber auch da gab es keinen Halt mehr, und am 22. März räumten wir auch den Westwall. Die verstopften Rückzugsstraßen erlaubten keinen raschen Stellungswechsel mehr und so waren wir bald vom Gegner eingekreist. Wir wußten, was die Stunde geschlagen hatte. Die mir unterstellte Gruppe sammelte und bezog noch einmal Stellung. Aber am Morgen des 23. März war es dann soweit. Wir ergaben uns den anstürmenden Amerikanern. Mit tausenden anderen Kriegsgefangenen wurden wir nach Marseille verfrachtet. Dort wurden wir nach Volkszugehörigkeit und Landschaft aussortiert. Die Sudetenländer verfrachtete man in das berüchtigte Lager „Schalong". Es war ein Hungerlager. Mir unterstanden 88 Männer. Alle 24 Stunden gab es für die gesamten mir anvertrauten Männer einen Schöpflöffel Kartoffel, Bohnen und Mehl. Kein Fett, kein Brot, nur einen wässerigen dünnen Kaffee, der vielmehr nur Wasser war. Mit dieser Ernährung hielten nicht viele durch.

Eines Tages erlebte ich die größte Überraschung. Bei meinem Umherschweifen in dem Lager kam ich in einen Raum, da begegnete ich meinem einstigen Bürgerschullehrer Franz Gerstner. Gebrochen saß er in einer Ecke und konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten. Seine Worte werde ich nie vergessen: „Es war alles umsonst!" Ich achtete ihn sehr und hatte auch Respekt. Aber helfen konnte ich nicht.

Nach etwa vier Wochen Aufenthalt in „Schalong" wurden wir einzeln aufgerufen. Vor einer Baracke mußten wir Aufstellung nehmen, dann verschwand einer nach dem anderen in einem Barackengebäude. Nach einer Weile kam er auf der anderen Seite wieder zum Vorschein. Aber keiner der Zurückgekommenen durfte mit dem noch vor der Baracke Wartenden sprechen. Wir wurden sofort abgesondert gehalten. Als ich nun an der Reihe war und die Baracke betreten hatte, brüllte mich sofort eine Stimme an: „Du Hitlerfaschist, komm her!" Da er diese Schimpfkanoda in tschechischer Sprache losgelassen hatte, reagierte ich vorerst nicht, obwohl ich es verstanden hatte. Nach einer Pause seiner flegelhaften Auslassungen sagte ich, daß ich ein Deutscher bin und ihn nicht verstehe. Da sprach er deutsch und sagte: „Sie waren doch ein Hitleranhänger, man sieht es an dem Rangabzeichen". Diese hatten uns die Amerikaner gelassen. Darauf erwiderte ich, daß ich kein Hitleranhänger gewesen sei, aber ein Deutscher, der seine Pflicht getan habe. Daraufhin lachte er und schob mir einen Formularbogen hin, den ich ausfüllte. Was da eigentlich verlangt wurde, weiß ich heute nicht mehr. Er machte mich nur darauf aufmerksam, daß man diese Angaben genau nachprüfen würde. Er selber las meine Angaben durch, schaute mich an, und hieß mich gehen.

Einige Tage nach diesem Vorfall wurden wir in Gruppen zusammengestellt, aber nicht zur Entlassung wie es in Parolen im Lager herumgesagt worden war, sondern in die Arbeitslager. Ich kam nach Dyjon in eine Werkstatt, wo ich Malerarbeiten ausführen mußte. Hier war dann auch die Verpflegung und Unterkunft menschlicher. Im Mai 1946 wurde ich dann nach Bayern entlassen.

Was sich die Siegermächte an Grausamkeiten an uns unterlegenen Deutschen geleistet haben, ist kein Ruhmesblatt in der Geschichte. Niemand kann die Erniedrigung eines Menschen in seiner Wehrlosigkeit ermessen, der diese nicht selber erlebt hat. Darum sollten wir dem Schicksal dankbar sein, daß wir nun schon 40 Jahre Frieden haben. Möge unseren Kindern das Leid erspart bleiben, was unsere Generation durch zwei Kriege und den Verlust der Heimat erduldet hat.

Wenzel Peterlik

● Wir bitten um Einzahlung der Bezugsgebühr 1985 noch vor Jahresabschluß ●

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