Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 180
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Náš Chebsko (Egerland)

Unser Egerland

Unser Egerland

Wenn wir heute vom Egerland sprechen, so meinen wir das erweiterte Egerland, zum Unterschied des historischen Egerlandes und des Stammes Egerland. Die Besiedlung des Egerlandes erfolgte verhältnismäßig schon sehr früh. Es war dies eine Angelegenheit des Regensburger Bistums und verschiedener Klöster an der Grenze zu Böhmen. Mit dem Ende des 10. Jahrhunderts erfolgte schubweise die Besiedlung des Egerlandes und Böhmerwaldes, in der Hauptsache von der benachbarten Oberpfalz ließen die Klöster ihre Bauern den Grenzwald roden. Die zahlreichen Ortsnamen auf -grün und -reuth weisen heute noch darauf hin.

Die kaiserliche Reichsstadt Eger mit ihrem Gebiet, schon 1061 zum erstenmale erwähnt, kam 1266 unter König Ottokar vorübergehend und erst 1322 unter König Johann als Pfandherrschaft zu Böhmen. Kirchlich gehörte das Egerland bis 1807 zum Regensburger Bistum, erst dann wurde es dem Prager Bistum angegliedert.

Das Egerland blieb bis zum Ende des 18. Jahrhunderts unabhängig von der Prager Verwaltung und Gerichten. Diese Sonderstellung, die das Egerland einnahm, bewahrte auch dem Volksstamm seine stark hervortretenden Eigenarten und sein kräftiges Selbstbewußtsein.

Die Wissenschaft wurde bis ins 14. Jahrhundert in lateinischer Schrift überliefert. Erst mit der Gründung der 1. deutschen Universität in Prag wurde die Wissenschaft auch in deutsch gelehrt. Am Hofe Karl des IV. war die deutsche Sprache überwiegend. Im Kloster Tepl ist eine Handschrift des neuen Testaments aufbewahrt worden, das in deutsch geschrieben und später gedruckt in vielen Auflagen in Deutschland verbreitet wurde. Ein Dramatiker, der seine Werke in deutsch in Nürnberg drucken ließ, war der in Buchau, Heimatkreis Luditz, geborene Clemens Stephany, der ab 1558 in Eger wohnte, dort seine Bücher schrieb und verarmt 1592 in Eger verstarb. Er war einer der bekanntesten Egerländer Dramatiker der damaligen Zeit. Die Heimatkreisbetreuung Luditz ließ ihm zu Ehren in Offenhausen, Niederösterreich, eine Gedenktafel in der Dichtersteinanlage errichten. Ebenso auch noch für die Schriftsteller Bruno Brehm, der väterlicherseits aus Chiesch stammt, sowie für Dr. Wilhelm Pleyer aus der Hammermühle Rahenstein.

Reich an Volkskultur war unser Egerland. Diese Volkskultur ist mit der Geschichte des Egerlandes eng verbunden. Unsere eigene Kindheit wurde durch Brauchtum und Sitte des Egerlandes geprägt. In unseren Egerländer Gmoin geben wir dieses Brauchtum an unsere Kinder und Enkel weiter. Wir müssen uns unserer Geschichte und unseres Herkommens bewußt werden. Wer weiß z.B., daß im 16. Jahrhundert ein Kaspar Frank aus Joachimsthal nach Ingolstadt als Lehrer in die „Hohe Schule" kam?

Die stärkste Ausdrucksweise einer Volksgruppe ist der Volkstanz. Dieser Volkstanz ist an das Brauchtum gebunden. Hier müssen wir unseren „Ehemaligen" danken, daß sie unseren Volkstanz an die derzeitige Jugendgruppe weitergegeben haben.

Neben dem Volkstanz haben wir die vielen Volkslieder, die in den Egerländer Liederbüchern gesammelt sind. Außerdem gibt es aber auch noch alte erotische und bisher als anstößig geltende Volkslieder. Viele Liedersammler verzichteten oder „reinigten" den Text dieser erotischen und zweideutigen Lieder. Gerade aber der hintergründige Humor des Egerländer Volksliedes zeigt eine gesunde Einstellung.

Natürlich sollen diese nicht bei offiziellen Veranstaltungen gesungen werden, jedoch bei geselligen Zusammenkünften können diese ruhig auch einmal vorgetragen werden.

Pepp Kolb

(entnommen aus dem Gmoibladl der Eghalanda Gmoi z Ingolstadt,
Folge November/Dezember 1984)

Auf Wiedersehen am 21. und 22. September 1985 in Kahl am Main zum Treffen der Schlaggenwalder!

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