Willibald Görl
Sa(n) Mutta stammt v(a)n Houhuaf
(Eingesandt von Lm. Jakob aus Richen bei Dieburg, Römerstraße)
Im Organ des Bundes der Eghalanda Gmoi „Der Egerländer" 85/1 erschien eine ausführliche Würdigung des Kirchenmusikdirektors Willibald Görl, den wir anschließend veröffentlichen. Für die Leser und für die große Familie Kühnhackel wird es interessant sein zu erfahren, daß seine Mutter eine geborene Kühnhackel vom Hubhof war; er also — und er denkt auch so — mütterlicherseits ein Schlaggenwalder ist. Der Kaufmann Anton Kühnhackel war sein Onkel.
Die Familie Görl kam 1948 an den Bodensee. Dort gab es keine Egerländer. Das Land Baden gehörte zur französischen Zone und nahm nur wenige Vertriebene auf. 1950 kam ich nach Ittendorf bei Meersburg auf einen Bauernhof. Die Suche nach einem „der red't wöi a Echalanda" führte uns beide zusammen. Die Freude in fremder Umgebung einen Landsmann gefunden zu haben, gab Görl gleich in der 1. Sonntagsmesse durch eine Variation über den „Schulzidackel" feierlichen Ausdruck. Als sich herausstellte, daß ich als Enkel des Üblsattlers Josef Ubl im Hause Kühnhackel ein- und ausging, war unsere Verbindung einfach zur Verwandtschaft erklärt.
Seine Frau, eine geborene Pleier aus Pichelberg bei Bleistadt, ebenfalls des Egerländerischen in einer ursprünglichen Fassung mächtig, nahm mich — als Ausnahme — auf Anhieb ebenfalls voll Freude auf.
Mehr als ein Jahr gehörte ich zur Familie; zu einer Insel in einer unverständlich (schwäbisch) sprechenden Welt. Nur die Tochter Isolde mit 12 Jahren sprach das Einheimische besser als die Einheimischen selbst und würdigte die Sprache ihrer Eltern nicht. Heute lebt sie in Selb als verheiratete Brandl (Brandl-Wirtshaus Zech) und wird an der Grenze mit Sicherheit die Sprache des Bodensees hinter sich gelassen haben.
Für unsere ungleiche Freundschaft — a Gstudierter und ein landwirtschaftlicher Arbeiter — mögen manche verwundert den Kopf geschüttelt haben. Uns entstanden dabei keine Fragen und wir blieben was wir sein wollten. Über aufgeblasene Herren oder Damen, die mehr aus sich zu machen suchten, als sie waren, konnten wir uns — für die Umwelt unverständlich, rasch in unserer Sprache einigen: „dös wår a schaina Malaff" oder „a dumme Ziech".
Lange schon sind wir getrennt, aber bis heute verbindet uns eine aufrichtige Freundschaft, die in der gegenseitigen Anteilnahme nicht weniger geworden ist.
Görl geht die Musik und das Egerland über alles. Deshalb bringt er es auch fertig, Sängerinnen und Sänger in Egerländer Mundart überzeugend singen zu lassen, obwohl sie aus Baden stammen.
Über Görls musikalisches Schaffen vermag ich mich nicht auszudrücken. Zwei Chöre allein, die ich kenne, die mich besonders anrühren, würden schon ausreichen, um zu wissen, wer Görl ist:
„Heimat, du meine Erde",
nach einem Text von H. Watzlik und die Worte von Marg. Pschorn.
„Ich möchte, wenn mein Leben niederbrennt
und meine Seele sich vom Dasein trennt,
noch einmal sagen in der letzten Nacht,
wie du mein Egerland mich reich gemacht.
Von Kindheit gabst nur Schönes mir.
Mit ganzer Liebe wuchs ich Land zu dir.
Und kehrte ich auf's neu ins Leben ein,
so möcht ich wiederum dein Kind nur sein!
Und wieder möcht durch Blumen, Blut und Leid,
ich dir gehören bis zur Ewigkeit."
Durch die von Görl dazu geschaffene Melodie ist ein neues herrliches Feierabendlied entstanden, von dem ich mir wünschen würde, daß es zuletzt einmal für mich gespielt werden
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