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er derart beschäftigt, daß er nur alle paar Wochen zu uns ins Dörferl kommen konnte. Ich war in der Zwischenzeit nicht faul und setzte Pölsterchen mit Grübchen an. Vater war darüber immer entzückter, zumal er auch feststellte, daß ich ihn nicht mehr aus seinen Träumen riß. Er suchte für mich die tollsten Kosenamen, manche waren sogar etwas unfein.
Als Frühling und Sommer vorbei waren und es herbstelte, setzte mich Mama an sonnigen Tagen mit Heini zusammen auf eine Decke in den Garten. Sie konnte vom Stubenfenster aus zusehen, was wir anstellten. Ich nagte meistens an einem Brotrindl und lallte wurstelnd vor mich hin. Heini dagegen spielte bereits mit einem Holzpferdchen, oder er scheuchte die Hühner. Manchmal waren sie so frech, daß sie mir die Rindln aus der Hand oder die Krumen vom Mäulchen wegpickten. Darüber konnte sich Mama sehr erbosen. Sie kam angerannt und erschreckte das Federvieh dermaßen, daß es in alle Windrichtungen auseinanderlief. Dann klaubte sie die Dreckerln zusammen, die es auf unserer Decke verloren hatte. Einmal aber erstarrte Mamas Herz vor Angst und Schreck. Heini stand plötzlich vor mir, an seiner Hand und an dem Ärmchen ringelte sich etwas Dunkles, Glänzendes. Mama stieß einen Schrei aus und stürzte aus dem Haus. Sie entriß dem ahnungslosen Heini das Spielzeug und warf es weit über den Zaun. Dann raffte sie Decke und uns zusammen und eilte davon. Wir durften nie mehr allein in den Garten. Mama hatte damals nicht erkannt gehabt, daß es nur eine Blindschleiche war.
Der Name, der mir als erster im Gehirn hängen blieb, war „Anneres". Der Mensch dazu war unser Hausherr. Bei ihm wohnten wir zur Miete. Schmidt hieß er noch. Alle Leute mochten ihn gern. Er war ein stiller Mensch und immer freundlich. Und er war ein Kinderfreund. Ich hörte nur, daß der Onkel Anneres ein guter Mann sei. Obwohl er dunkles Haar, buschige Augenbrauen und einen mächtigen Kaiserbart hatte, fürchtete ich ihn nicht. Er streichelte mir oft über die Haare und brachte mir Klötzchen zum Spielen. Er roch so vertraut nach Holz und Leim. Mit seinem Namen verbinden sich für mich Begriffe wie Geborgenheit, Wärme, Güte, Verläßlichkeit. Darum freue ich mich, daß mein jüngster Enkelsohn auf den Namen „Andreas" getauft wurde.
Wir kamen nicht viel aus dem Dorf heraus. Der Weg war holprig und mit dem Kinderwagen, der auf hohen Holzrädern wankte, kaum zu befahren. Mama setzte uns auf dicken Polstern in das Leiterwägelchen, wenn wir nach Schlaggenwald mußten. Manchmal mußte ich vom Dr. Singer die Mandeln mit Jod abgepinselt bekommen. Dabei schrie ich derart, daß die Buben und Mädchen über den Markt liefen und vor dem Doktorhaus warteten, bis wir vor der großen Haustüre erschienen.
Einmal nahm Mama uns Kinder mit ins Zechtal. Sie half dort beim Heumachen. Sie setzte uns auf eine Decke und blieb in unserer Nähe. Da hatte ich Durst. Mama holte aus dem Korb die Flasche mit dem Kakao. Als ich daraus zu trinken versuchte, verschluckte ich mich dermaßen, daß ich nach Luft schnappte und blau anlief. Daraufhin eilten alle Leute aus der näheren Umgebung herbei und sparten nicht mit guten Ratschlägen. Man schlug mir heftig auf den Rücken, man stellte mich auf den Kopf, und man schüttelte mich wie ein Sparschwein. Endlich wurde ich den Schluck Kakao wieder los und bekam allmählich wieder meine normale Hautfarbe. Nie wieder habe ich aus einer Flasche getrunken, bis heute nicht.
Mitunter fuhr uns Mama den Berg hinauf zum „Sand" oder zur „Heid". Dort suchte sie gern nach Pilzen. Dabei fand ich einmal einen schlafenden Hasen. Als ich nach ihm fassen wollte, wurde er wach und setzte ganz erschrocken in Riesensätzen über Heidekraut und Schwarzbeerstauden. Ich selbst war untröstlich und zitterte am ganzen Körper wie Espenlaub.
Allmählich kam die Zeit, da ich genauer hinhörte, wenn sich die großen Leute unterhielten. Sie sprachen viel vom vergangenen Krieg, von den Hungerjahren, vom Hamstern und von der Arbeit. Ich vernahm die Namen Schlaggawall, Ellbuagn, Karlasbod, Theising, Piatscha, Isonzo, Krain, Kärnten, Wien, Frech, Markof, Stark u. s. w., und ich begann sie allmählich zuzuordnen. Ich begann auch zu verstehen, was es heißt, wenn jemand Hunger oder Durst leidet, und wenn jemand friert. Dann entdeckte ich die Freude an Blumen, Gluckerlan, Wiewerlan und Haberlan und die Freude am Geruch von frischem Hefekuchen und am Gesang meiner Mama. Ich freute mich über den Hahnenschrei, das Gänsegeschnatter, das Hühnergegacker und über die Sonne, die mich wärmte. Heute weiß ich, daß dies alles die Wurzeln waren, die ich in den Boden schlug, der mir so zur Heimat wurde.
So wuchs ich heran, immer liebevoll umsorgt. Ich wurde recht neugierig und war stets auf Entdeckungen aus. Kaum hatte Mama mir den Rücken zugewendet, bewegte ich mich bereits
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