Über die 3800jährige Geschichte des Egerlandes und besonders des Gebietes um die heutige Bergstadt Schlaggenwald
Erkenntnisse aus meiner über 10jährigen Bergbautätigkeit in diesem Gebiet (vom Frühjahr 1935 — Mitte Juni 1945).
Ursprungsgebiet der Bronzekultur in Mitteleuropa und deren Schöpfer: Es ist bekannt, daß Teile des Volkes der Kelten auch in Böhmen seßhaft waren.
In Westböhmen, im Egerland, dem Gebiet um die heutige Stadt Schlaggenwald seßhaft, betrieben einzelne Gruppen Ackerbau, während die umherstreifenden Jäger dieses Volkes auf der Suche nach weiterer Nahrung jene „Seifenlager" entdeckten, die sich aus den Abgängen der zutage getretenen und verwitterten Erzgänge in Talmulden gebildet hatten. Diese Abgänge, vom Regen in die Täler geschwemmt, bestehend aus Körnern von Gneis, Quarz, Wolfram-, Zinn- und Kupfererz blieben liegen, während die leichteren Zinkblende und Molybdän vom Wasser weitergeschoben wurden, wie auch der feinere Sand.
Diese Jäger erblickten natürlich zwischen den weißen Quarzkörnern eben auch die andersfarbigen. Ihr Interesse war geweckt und sie begannen nun, sich mit diesen farbigen Körnern näher zu befassen. Man kam dahinter, daß die farbigen im fließenden Wasser von den Quarzkörnern zu trennen waren (Gewichtsunterschied). Wohl zuerst mit Sicherschüsseln (flache Schalen), dann in einfachen Holzrinnen mit Querleisten, an denen die Erzkörner liegen blieben. Auch diese wurden nach gleichem Prinzip getrennt.
Diese Erzkörner wurden wohl nach allen Regeln der Kunst der damaligen Zeit untersucht und ihre Eigenschaften ermittelt. Die schwarzen (Wolfram) schieden aus, da man in keiner Weise dieselben irgendwie zu verwerten vermag. Härte und hoher Schmelzpunkt. Die rotbraunen (Zinnerz) dagegen konnte man im Verhältnis leicht schmelzen und ergaben ein silbrigweißes Metall, das Zinn. Das war allerdins sehr weich und ließ sich formen. Die dritten, die gelblichen (Kupferkies) brachten sie bei höherer Temperatur ebenfalls zum Schmelzen und auch dieses Metall war mit ihren Steinwerkzeugen zu bearbeiten. Man formte zunächst einfache Gegenstände für den täglichen Bedarf, dann immer schwierigere , bis man schöne zum Kultgebrauch schaffte.
Gleichzeitig ergab sich, daß die beiden Metalle doch nicht für alle gewünschten Zwecke zu gebrauchen waren. Ihre Weichheit ist schuld. Da im Schlaggenwalder Gebiet beide Erze (Zinn und Kupfer) an gleicher Stelle und zu gleicher Zeit vorhanden waren und gewonnen wurden, ist es als logische Folge zu werten, daß durch entsprechende Schmelzversuche der beiden Erze und ihrer Metalle in ihrem Endergebnis ein neues Metall geschaffen wurde, eben die „Bronze". Wer den Namen „Bronze" erstmalig gebrauchte, wird wohl ein Geheimnis bleiben.
Dies war auch die Geburtsstunde und -stätte der „Bronzezeit" in Mitteleuropa, um 1800 v. Chr.
Dieses neue Metall wies eine genügende Festigkeit und Härte auf, man konnte es im weicheren Zustand formen und schließlich gießen. Die Bronze zeigte sich im großen und ganzen als „wetterbeständig". Daraus hergestellte Gerätschaften brachten den Menschen der damaligen Zeit große Vorteile. Haushaltgeräte wie Waffen waren die Erzeugnisse eines sich entwickelten Gewerbes im mitteleuropäischen Raum und wurden als „Tauschware" von hier aus in die gesamte nähere und weitere Umgebung über „Handelsmänner" verbreitet. Da zu dieser Zeit fast ganz Europa von den Kelten besiedelt war, erklären sich auch die vielen Gräberfunde mit ihren „Bronzebeigaben" in den verschiedenen Gebieten.
Da der Schlaggenwalder Raum nahezu im Zentralpunkt von Mitteleuropa liegt, ist es verständlich, daß die hier erzeugte Bronze, bzw. Bronzegegenstände eine strahlenförmige Ausbreitung fanden, z. B. tauschte man Bronzewerkzeuge gegen Salz auch in Hallstatt ein. Jedenfalls kann man das Gebiet um Schlaggenwald in Mitteleuropa als Ursprungsland abendländischer Kultur betrachten mit einer völlig „eigenständigen" Entwicklung.
Ich habe in einer Reihe von Büchern über die „Bronzezeit in Mitteleuropa" immer wieder Hinweise auf Westböhmen als deren Ausgangsplatz gefunden. Warum die Verfasser dieser Bücher nicht bis zu dem Raum um Schlaggenwald vorgedrungen sind, bleibt mir ein Rätsel.
Die ersten Häuser von Schlaggenwald befanden sich „im Seifen" und wurden im 30jährigen Krieg von den Schweden völlig zerstört.
Ing. Karl Prosch, Donauwörth
(früher Schlaggenwald)
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