Weihnachtsbäckerei
Nun wird es langsam winterlich. — Die ruhigen Herbsttage sind gezählt. Der Abreißkalender an der Wand wird mit jedem Tag dünner.
Als ich noch ein Schulmädchen war, haben meine Eltern das „Karlsbader Badeblatt" gelesen. Diese Zeitung kam zweimal in der Woche und wurde Mittwoch und Samstag von einer Zeitungsfrau ausgetragen.
Als Weihnachtsgeschenk gab es einen Jahreskalender. Die Jahreszeiten mit den jeweiligen Monaten, Namenstage, nützliche Hinweise und auch der Humor kam nicht zu kurz. Doch besonders beliebt waren die Geschichten, die wir am Abend beim warmen Kachelofen von der Mutter vorgelesen bekamen. So angeregt, griff die Mutter auch mal zur Gitarre und sang uns zur die heutige Zeit unmöglich „schmalzige" Lieder vor. Von einem Bettelmädchen — oder dem „armen Waaslbua", der sich zur Winterszeit ans Friedhoftor schlich „sei Muatterl" zu suchen ...
Da konnten wir noch weinen — jetzt heulen die Video-Rekorder!
Nun gehöre ich auch zu den ältesten Schlaggenwalderinnen! Mein hoher Geburtstag war im Heimatbrief vermerkt. Da kann man nichts herunterhandeln, obzwar ich mich noch gar nicht sooo alt fühle. Das Herz ist jung geblieben! Wofür ich Gott zu danken habe.
Bald kommt nun wieder die Weihnachtszeit heran, wo man an Vielerlei denken muß ...
Ich krame schon einmal das alte Rezeptbüchlein meiner Schmeller Großmutter heraus. Immer wieder komme ich darauf zurück, denn auch die Mutter hat es an mich weitergegeben und ich möchte es gerne fortsetzen an die nächste Generation. Das gute Backwerk zur Weihnachtszeit.
Nun, da ist man früher erst einmal ins „Ladl" zum Einkaufen gegangen. Ich ging gerne mit. Schon wenn das Türglöckl bimmelte, sah man sich drinnen erst einmal um. Ein Sack Walnüsse stand da. Rosinen, Weinbeerl und Mandeln wurden in Spitztüten — in Deka — versteht sich, abgewogen. Sirup im Glas! Für die Pumpernickl. Dazu die Gewürze Nelken, Zimt und Muskat. Das Fischgewürz für die braunen Saucen. Den Pfefferkuchen holte man sich beim Viezenz-Reif Konditor. Das weckt Erinnerungen, wie auf dem weißgedeckten Ladentisch die Pfefferdoken und Pfefferreiter standen. Wie armselig kommt uns das heute vor! Luxusverpackt holt man aus den Supermärkten was das Herz begehrt. Es kann also losgehen mit der Plätzchenbackerei. An die guten Vorsätze im vergangenen Jahr möchte ich lieber nicht denken — nicht mehr so vielerlei und die Hälfte der angegebenen Mengen der Rezepte. Doch was wäre die erwartungsvolle Vorweihnachtszeit, wenn es nicht nach Zimt und Mandeln duften würde?! Also weg mit den Schuldgefühlen und den guten Vorsätzen, nach den Feiertagen die hinzu-„gefressenen" Pfunde (Entschuldigung) wieder abgespeckt.
Wollen wir mit den feinen „Linzerbutterplätzchen" beginnen:
Man nehme ... 1 1/4 Mehl, 3/4 Butter, 6 Eidotter, etwas Zitronengeschmack, ein paar Körnlein Salz! knetet alles zusammen, kühl ruhen lassen, dann ausrollen und mit verschiedenen Formen ausstechen, mit Ei bestreichen und bei Mittelhitze backen.
Das Eiweiß kann man zu Schnee schlagen, Zucker, Vanillin, gemahlene Mandeln oder Haselnüsse unterheben, kleine Häufchen auf Oblaten setzen und bei leichter Hitze backen; wenn sie ausgekühlt sind, mit Zucker oder Schokoladenglasur verzieren.
Kaum zu glauben, daß dieses Rezept aus dem vorigen Jahrhundert stammt und von der Freundin meiner Großmutter, Fräulein Sali Ratgeber aus Schlaggenwald, Marktplatz — Putzeck — , aufgeschrieben worden ist (Hesskonditorhaus).
Nürnberger Elisenlebkuchen:
Teig: 2 Eier, 200 g braunen Farinzucker, 1 Vanillin, 1 Messerspitze Nelken, 1 gestrichener Teelöffel Zimt, Rum und Zitronengeschmack nach Belieben, 75 g Orangeat und ebensoviel Zitronat, 1 Messerspitze Backpulver, 125 g Mandeln und Haselnüsse gemahlen und soviel dazugeben, daß der Teig noch streichfähig ist. Auf Oblaten, 40 Stück, ca. cm Durchmesser, bergförmig häufen, mit einem in Wasser getauchten Messer. Bei leichter Hitze backen.
Vanillinkipferln:
300 g Mehl, 200 g Margarine, 125 g geriebene Haselnüsse, 75 g Puderzucker, 1 Vanillin, 1 Eigelb und zwei Löffel Milch. Zu einer Rolle formen, im Kühlschrank ruhen lassen, dann kleine Stücke schneiden und als Hörnchen auf's Backblech setzen. Leichte Hitze noch heiß in Puderzucker und Vanillingemisch
věta pokračuje na dalším listu ⟶
Rozdělení textu na listy je odhad — text může o odstavec přetéct na sousední list. Původní znění vlevo je vždy přesné.
Klikni na větu a ukáže se, kde na skenu stojí. Zvýrazňují se celé řádky, ne přesná slova — místo je tedy přibližné.
