Zug war der erste, der wieder passieren konnte. Mein Vater war natürlich sehr froh, als wir wieder daheim waren. Er hatte sich zwar gesorgt gehabt, aber er sagte sich andererseits, daß wir bei solch katastrophalen Wetterverhältnissen in Gfell bleiben mußten. Nach diesem Schneefall folgte bald das Tauwetter mit einer verheerenden Überschwemmung in Meierhöfen.
So klein ist die Welt!
Wenn auch schon einige Jahre vergangen sind, so finden wir es immer noch wert, dieses Erlebnis zu schildern.
Ich fuhr mit meiner Frau Margarete und unserer Tochter Sonja schon seit einigen Jahren zum Campen nach Kärnten / Österreich zum Keutschacher-See.
Mittlerweile hatten wir mit einigen Camperfamilien guten Kontakt, so daß wir um einen Zeltplatz auf dem immer gut belegten Campingplatz nicht bangen mußten. Es war auch in diesem Jahr der Fall, daß gute Bekannte uns einen Stellplatz freihielten.
Alles war o. k. Nur für unsere „Kleine" war in unmittelbarer Nähe keine Spielgefährtin zu finden. Dieses sollte aber anders werden. Nach ca. einer Woche wurde ein Stellplatz schräg gegenüber frei, und es war für uns erfreulich, eine Familie mit einem kleinen Mädchen zu sehen.
Meine Frau spazierte mit unserer Tochter zu den neuen Nachbarn und bot sich an, mit ihrem kleinen Mädchen zu spielen, bis sie das Zelt aufgebaut hatten. Schnell ergab sich ein Gespräch und so erfuhren wir, daß diese Familie aus Pappenheim war und schon seit zwei Tagen vor dem Campingplatz auf einen freien Platz wartete. Wie es durch die Kinder so kommt, kamen wir Eltern auch gleich ins Gespräch.
Nach 8 Tagen war der Urlaub unserer Freunde aus Augsburg zu Ende und der Platz neben uns wurde frei. Wir machten der Familie aus Pappenheim den Vorschlag, ihr Zelt wegen unserer Kinder auf den neben uns freigewordenen Platz zu stellen.
Gesagt, getan. Das Zelt wurde ab- und wieder aufgebaut. Gleich am nächsten Morgen beim Frühstück, wir saßen nun Tisch an Tisch, kam einer auf die Idee, abends zu grillen. Da es damals noch erlaubt war auf dem Campingplatz kleine Lagerfeuer anzuzünden, kam der Vorschlag, heute abend für unsere zwei Kleinen am Lagerfeuer Würstchen zu rösten. Alle waren begeistert.
Da nicht weit vom Campingplatz ein Wald war, sagte die Bekannte: „Da können wir ja zum Feuer machen 'Moggeln' holen." Meiner Frau als Hessin war dieses Wort total fremd. Sie fragte was „Moggeln" sind. Der Bekannte sagte: „Wenn Sie das nicht verstehen, dann gehen wir eben „Koustln" holen und brachte sie noch mehr in Verwirrung.
Doch ehe eine Aufklärung erfolgte, sagte ich zu dem Bekannten, daß dieser Ausdruck „Koustln" mir auch bekannt ist und aus dem Egerland stammt. „Ja natürlich, da komm ich ja auch her", sagte er.
Nun wollte ich es ganz genau wissen, wo er herkomme. Auf diese Frage sagte er mir: „Ich komme aus der Nähe von Karlsbad." Ich sagte: „Ich auch; und wo genauer?" Er antwortete: „Aus dem Kreis Elbogen". Ich rief: „Ich auch und wie heißt der Ort?" Er sagte: „Schlaggenwald". Ich sprang auf, der Stuhl flog um, und ich rief: „Das gibt es nicht, ich auch", und wir fielen uns um den Hals. Es herrschte ein großes Freuen und Fragen und Durcheinander. Auch kam dabei heraus, daß wir zusammen in den Schlaggenwalder Kindergarten gegangen sind. Es war der Ernst Lenk (Sohn des Schuhmacher Lenk) und ist jetzt in Pappenheim verheiratet.
Abends gab es erst das Grillfest für die Kinder und anschließend ein langes feucht-fröhliches Wiedersehen der Schlaggenwalder mit Frauen. Mittlerweile haben wir uns schon einige Male getroffen und sehr schöne Stunden verlebt. Gery Lugner (Sohn von Franz Lugner / Peint), der mit seiner Familie in Forchheim lebt, wurde zu solchen Treffen mit seiner Frau auch schon eingeladen.
P. S.: Moggeln oder Koustln sind: Tannenzapfen.
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