Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 176
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Dopis krajanům – vzpomínky na léto, senoseč a sklizeň borůvek

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der dortigen Flüchtlinge ausgesprochen. Er scheint aber zu vergessen, daß seine Landsleute es waren, und er gehörte ja damals als Priester dazu, die Millionen deutsche Menschen aus ihrem jahrhundertelange besiedelten Land vertrieben und sich an deren Eigentum bereichert haben. Noch kein Wort kam aus seinem Munde, das dieses Verbrechen an den Menschen kritisiert hätte. Was soll man von einem Kirchenmann halten, der nicht nach dem Evangelium handelt, in dem doch der schöne Satz steht: „Wenn Dich einer auf die linke Wange schlägt, so halte ihm auch die recht hin" oder „liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst". Sind es nur Sprüche, die andere einzuhalten haben. Wenn ich nicht irre, soll er auch bei den sogenannten Partisanen untergetaucht gewesen sein. Sollte es zutreffen? Nun, ich war im Einsatz gegen diesen Gegner. Was da an Grausamkeiten geschehen ist, will ich hier nicht aufführen. Es wäre aber angebracht, wenn der Papst auch einmal die deutschen Vertriebenen erwähnen würde. Wir Sudetendeutsche haben zu keinen Bürgerkriegen Anlaß gegeben, die in diesen Ländern wüten, die er bisher besucht hat. Eine Befriedung ist noch immer nicht gelungen. Auch die dort herrschende schreckliche Not wurde nicht gelindert, obwohl das deutsche Christentum bereits viele Millionen durch „Brot für die Welt" und „Missereor" für diese Armen gespendet hat. Wann wird der Friede endlich Wirklichkeit werden?

Wenn der Heimatbrief in Eueren Händen ist, wird Pfingsten bereits vorbei sein. Einst daheim war auf den Feldern schon reger Betrieb. Die Erdäpfel mußten gehackt werden und gestrichen sein. Dabei fällt mir ein, wie akurat unser Landsmann Köhler mit den Pferden der Roßmeissl Seffa tiefe und schnurgerade Furchen zog. Wie saftig das Kraut sich in der Sonne und dem leisen Winde wiegte, die Wiesen dem Mähen entgegenwuchsen und so manches Kleefeld schon Blößen zeigte. Wie bald wird auch hier in der neuen Heimat das Ernten des Heues beginnen. Nur wird man kein Zischen der Sense mehr vernehmen, die Maschinen besorgen das Mähen, und kein Wetzstein wird die Sensenschneide berühren. So haben sich die Zeiten geändert. Der Mensch ist nicht viel mehr gefragt. Wer wollte auch heute noch so schwere körperliche Arbeiten ausführen? Wer will sich um 3 Uhr morgens aus seinen Träumen wecken lassen, um so zeitig früh viele Stunden zu arbeiten. Es ist gut, daß Arbeitserleichterungen durch die Maschinen geschaffen wurden. Unsere schnellebige Zeit kann sich kein Betunlichsein mehr leisten.

Für uns Buben und Mädchen begannen in dieser Zeit immer die Schulferien. Auch wir haben da feste mit angepackt. Mancher hat die Kühe durch den Kartoffelacker führen müssen, wenn diese gestrichen werden mußten, und das Heubergen-Helfen war eine Selbstverständlichkeit. Wie haben wir intensiv das Heu am Boden eingetreten, der Schweiß lief in vielen Rinnsalen den Körper herab. Da gab es aber kein Coca Cola oder Limonade zum Durstlöschen, da mußte der Röhrkasten herhalten. Das war bestimmt gesünder als die heutigen künstlichen Getränke. Wenn man Glück hatte, dann hat es einen Schluck Bier von der Brauerei Kirchner gegeben. Auch da ist man sparsam mit diesem Getränk umgegangen, denn das Geld war knapp, und was nicht unbedingt sein mußte, darauf wurde eben verzichtet.

Dann kam die Zeit des Beerensuchens. Früh zog man in einem Trupp mit der Blesch los. Emsig wurden die Schwarzbeeren gepflückt, denn diese reiften ja in den Tagen des Juli. Was konnte man da nicht alles davon herstellen. Marmelade, Schwarzbeerkuchen, oh, wie schmeckte dieser gut, aber auch einen süßen Wein. Frau Steidl in der Bräuhausgasse konnte das ganz besonders gut. Da standen immer viele Gurkengläser angefüllt mit den Schwarzbeeren, und dazwischen lag recht viel Würfelzucker. Die Sonne mußte zum Reifen des Trankes helfen. In dieser heißen Sommerzeit war daran kein Mangel. Später kamen dann die Himbeeren dran. Die holten wir von der Ziegelhüttener Flur. Kein Weg war da zu weit, wenn es galt, den Haushalt etwas zu erleichtern durch das Sammeln der Früchte in der Natur. Natürlich darf das Schwämmagehen nicht vergessen werden. Da hat so mancher seine Plätzchen gewußt und diese als ein Geheimnis gehütet. „Schwämmabröih u kochta Kniala" war in Schlaggenwald ein Nationalgericht. Aus diesem Pflänzlein ließen sich gar viele schmackhafte Gerichte herstellen. Dann gingen die Schulferien dem Ende zu. Wenn der Schnitt und die Getreideernte vorbei waren, war auch die herrliche Freizeit vorüber. Wer hätte damals an eine Ferienreise denken können. Man war schon froh, wenn man bei nahen Verwandten einige Tage verbringen durfte. Was wird da unserer Jugend heute geboten? See und Meer, Auto und Flugzeug werden benutzt, um ins Ausland zu kommen. Wird da nicht immer mehr Unbescheidenheit wachgerufen? Nun, darüber soll nicht geurteilt werden. Nur das Gefühl des Zufriedenseins wird sehr stark ausgehöhlt, und das dürfte sich einmal — vielleicht schon bald — übel rächen. Möge die Zeit aber noch recht lange Wohlstand für uns alle bringen.

Euer Richard Brummeissl

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