Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 176
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Šaty barvy čajové růže

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dert), unserem Leibphotographen. Er hatte sein weitbekanntes „Atelier" auf der „Londoner Höhe". Wo die „Londoner Höhe" war? Das ist schnell erklärt: Die Verbindungsstraße zwischen Altfischern und Altrohlau führt über eine sachtansteigende Höhe, auf der damals zu größten Teil freies Feld war. Von der Kuppe aus konnte man weit ins Land sehen, auf der einen Seite zum Kaiserwald, auf der anderen zum Erzgebirge. Hier an diesem Scheitelpunkt also standen aneinandergereiht drei oder vier mehrstöckige Stadthäuser. Weshalb nun diese Gegend „Londoner Höhe" genannt wurde, ist mir nie bekannt geworden. Ich habe sie später mit einem Feldherrnhügel verglichen, als nämlich an ihren Hängen blutige Schlachten geschlagen wurden. Die Anhänger gegensätzlicher politischer Richtungen aus Fischern und Altrohlau prallten hier mehrmals aufeinander. Dann wurden Fahrtenmesser gezückt und gegen den Feind gestoßen. Bis die Polizei eintraf, gab es immer schon blutige Köpfe. Mit Gummiknüppel wurden dann die wirren Knäuel wieder entwirrt.

Wie gesagt, an dieser lokalhistorischen Stätte wirkte in einem der dortigen wenigen Häuser „unser" Photograph. Sein „Atelier" war in einem größeren Zimmer untergebracht. Es diente ihm wahrscheinlich nachts auch als Schlafstelle. Fast inmitten des Raumes stand der prachtvolle Photographenapparat, von dem immer mal Vogerl geflogen kommen sollte. An den Fenstern bleichten schwere Samtvorhänge, die kaum Tageslicht hereinließen, es brannte meistens die elektrische Lampe. Seitlich in einem dunklen Winkel warteten einige Kulissenwände auf ihren Einsatz. Unter ihnen war vor allem ein italienischer See mit vornehmer Villa und schlanken Zypressen seitlich im Bild und im Hintergrund nebelverschwommen das Gebirge. Auf einer anderen Wand toste mit weißer Gischt ein Wasserfall in die Tiefe, wo über das brausende Wasser ein zerbrechliches Brücklein führte. An steilen Felswänden vorbei fanden nur wenig Sonnenstrahlen in die Schlucht. Auf der dritten Kulisse war ein stilles Meer mit seinem weißen Sandstrand davor. Am Himmel aber ballten sich drohende Wolken auf und versprachen einen baldigen Sturm. Bei den mobilen Bildwänden verstaubten vollends ausgebleichte Chrysanthemen, Kamelien, Rosen, Dahlien, Nelken und Vergißmeinnicht aus Wachs und Papier. Die echte Fächerpalme quälte sich beim schmalen Lichtspalt eines Fensters. An der zweiten Zimmerseite stand halb auf dem ausgefransten „Perser" das rote Plüschsofa mit einem Tischlein davor. Daneben war die Kommode mit dem bewußten Eisbärfell, auf dem von vielen kleinen Kunden gelbe Fleckchen eingetrocknet waren. In dieser variablen Dekoration vermochte Herr K. fast unsterbliche Werke zu schaffen. Mama war von seinem Können überzeugt, drei Kinderbilder aus dieser Zeit, sie hängen in unserer Diele, beweisen es noch heute.

Nun war es also beschlossene Sache, daß wir ins „Atelier" gehen würden. Nach dem Sonntagsmittagessen kleidete uns Mama auf das Sorgfältigste an. Heini strahlte nachher im blütenweißen Schillerkragenhemd mit der marineblauen Hose und den Goldknöpfen daran. Und ich flatterte endlich mit dem Teerosenchiffonkleidchen durch die Wohnung. Mama wurde nervös und sagte, daß wir schon mal vor die Haustüre gehen sollten, aber keinen einzigen Schritt weiter, denn sie käme in spätestens drei Minuten nach, da sie auch gleich fertig sei.

Wir, Heini und ich, ahnten nichts Böses, obzwar der Satan bereits an der nächsten Ecke kicherte. Er war nämlich genau dort, wo seit zwei oder drei Wochen eine Baugrube ausgehoben wurde. Der Boden in Meierhöfen war zäh und lehmig, und weil es zwischenzeitlich heftig geregnet hatte, gähnte aus dem Grubengrund ein schmutzigbrauner See. Später mußte er erst ausgepumpt werden, damit man das dreistöckige Haus hineinbauen konnte. Heini, mein guter, folgsamer Bruder, konnte dem Versucher, der so scheinheilig winkte, nicht widerstehen und ging, trotz meines Protestgeschreis, ganz langsam, wie hypnotisch angezogen, bis an den Grubenrand. Dann blickte er in die Tiefe, als ob es da etwas zu sehen gäbe und machte noch ein Schrittchen vorwärts, ein Schrittchen zuviel. Ich sah, wie er plötzlich ganz sacht und unabwendbar versank. Er riß entsetzt die Arme hoch, konnte aber keinen Halt mehr finden. Da rannte ich zu dem Ort des schauerlichen Geschehens. Dort stand einsam und verloren, lehmverschmiert und wadentief in der trüben Brühe mein armer Bruder. Von heftiger Angst um ihn getrieben, warf ich mich sofort bäuchlings auf den Erdboden und faßte mit meinen zu kurzen Ärmchen nach dem Unglücklichen, der seinerseits hilfesuchend sich daran festkrallen wollte. Aber wir konnten zusammen nicht kommen. Inzwischen kam jedoch ein junger Mann angerannt. Er hatte von seinem Fenster aus die Tragödie über die Bühne gehen sehen und war sofort zum Helfen bereit. Mit seinen

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