Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 176
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Šaty barvy čajové růže

Das Teerosenkleid

Gelb war meine Lieblingsfarbe. Ich liebe es auch heute noch, wenngleich ich mich nun mehr dem ruhigeren Grün zugewendet habe. Aber damals in der Kindheit und Jugendzeit war eben Gelb meine ungeteilte Freude. In allen Nuancen liebte ich es, vom Zitronengelb, dem Gelb der Mimosen, dem einer blühenden Löwenzahnwiese oder eines Rapsfeldes, dem goldenen Gelb von reifendem Getreide bis hin zu dem hauchzarten Gelb der Teerosen.

Immer träumte ich davon, einmal ein Kleid von ihrer Farbe zu besitzen. Meine gute Mama war aber leider anderer Ansicht. Sie meinte, daß Gelb keine Farbe für kleine Mädchen sei. Weiß, Rosa, Himmelblau oder allenfalls ein lindes Grün wären für mich geeignet, und überhaupt würden meine blonden Haare mit dem Stich ins Rötliche ganz und gar nicht mit Gelb harmonieren. Ich war maßlos enttäuscht und konnte Mamas Bedenken niemals teilen. Darum trug ich auch weiterhin meinen heißen Wunsch treu im Herzen und äußerte ihn bei allen möglichen Gelegenheiten nach der Devise: „Steter Tropfen höhlt den Stein".

Da reichte mir an einem wunderschönen Frühsommersonntag ein gütiges Geschick die Hand zum Bündnis. Mama hatte sich und uns Kinder in den Feiertagsstaat gekleidet und promenierte mit uns über die „Alte Wiese" in Karlsbad. Es duftete nach Kastanienblüten, Teplwasser, frischem Kaffee, feinem Gebäck und teuren Parfüms. Um uns wogte internationale Eleganz im dezenten Plauderton. Dazu streichelte die Kurmusik aus dem Pupp-Pavillon so das Gemüt, daß man vor Freude die ganze Welt hätte umarmen wollen. Heini — mein Bruder — langweilte sich zwar sehr, aber Mama und ich, wir schwelgten in dem Angebot für Auge, Ohr und Nase. Reichtum, Schönheit, Mode, Juwelen, Häßlichkeit und Verrücktheit ergingen sich friedlich nebeneinander und miteinander auf der teueren Teplpromenade an den reichverzierten Stuckfassaden vorbei. Und wir waren mittendrin. Da trat plötzlich aus dem kristall- und messingglänzenden Eingang eines vornehmen Hauses die schönste Dame, die ich je gesehen hatte. Ihr schlanker Körper war von teerosenfarbener Seide umschmiegt. Der Naturstrohspitzenhut auf ihren rotblonden Locken zeichnete Filigranschatten auf das Gesicht, und zwei aufspringende Teerosenknospen wippten sanft auf der breiten Krempe. Vor so viel Schönheit mußte ich stehenbleiben. Ich konnte mich nicht sattsehen. Mama aber faßte mich an der Hand und zog mich beiseite, denn es war ihr höchst peinlich, daß ich die Dame so unverhohlen anstarrte. Diese entschwand ohnehin gleich darauf meinen Blicken, denn sie trat in das Haus zurück. Ich aber begann augenblicklich meine Mama daran zu erinnern, wie herrlich doch Gelb sei, das hätte sie nun selbst an der Dame sehen können, und auch sie hätte rötliche Haare gehabt. Mama blieb also nur noch das Argument, daß Gelb nicht die Farbe für kleine Mädchen sei. In mir rumorte die Auflehnung. —

Eines Tages kam unser Restlmann aus der Mieser Gegend. Er war ein gutmütiger Mann und hatte slawisches Blut in seinen Adern. Für gewöhnlich besuchte er uns nur im Frühling und im Herbst, aber nun hätte er, wie er versicherte, ein wunderbares Angebot außer der Reihe zu machen. Von seinem Fabrikanten hätte er eine einmalige Lieferung sommerlicher Stoffreste erhalten, die er seinerseits nur seinen besten Kundinnen anbieten würde. Er holte sodann ein „Stöfferl" nach dem anderen aus seiner Schatzkiste und legte es auf unseren Küchentisch. Da auf einmal verschlug es mir fast den Atem. Unser Restlmann hielt in seinen großen roten Händen ein Gespinst aus teerosengelbem Chiffon. Ich entriß es ihm und jubelte damit durch unsere Küche. Mama sah mich an und brachte es nicht fertig, dieses wunderbare „Stöfferl" nicht zu kaufen. „Wird sich scheenes Kleiderl für Herminka!" sagte der alte Händler, als er von Mama das Geld in Empfang nahm. Gleich wurde die Näherin mit der Arbeit beauftragt und am folgenden Samstag, als ich aus der Schule heimkam, hing das „Gedicht" bereits am Kleiderschrank. Der Rock bestand aus zwei Reihen Volants und der Pelerinenkragen reichte bis in den halben Oberarm. Am Ausschnitt flatterten zwei lange Schleifenbänder. Gleich mußte ich das Kleid anprobieren. Ich tänzelte hin, ich tänzelte her und wendete mich vor dem Spiegel. Mama beobachtete mich aus feuchtschimmernden Augen, ihr Gesicht war rot bis in den Ausschnitt hinein. „Morgen", sagte sie, „gehen wir zum Photographen!"

Nun muß man wissen, daß unsere Mama eine Schwäche dafür hatte, ihre Kinder immer wieder photographieren zu lassen. Wir waren ihre ganze Freude, ihr Stolz, und wenn sie uns besonders reizend fand, dann schleppte sie uns gleich zu Herrn Köhler (Name

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