Ankündigungen: Wallfahrt, Romfahrt, Neuerscheinung
Sudetendeutsche Wallfahrt 1984
Die traditionelle Sudetendeutsche Wallfahrt nach Altötting findet in diesem Jahr am 30. Juni/1. Juli statt. Alle sudetendeutschen Katholiken sind aufgerufen, an dieser Wallfahrt teilzunehmen. Die einzelnen Heimatgruppen und Ortsgruppen bitten wir in Trachten und mit ihren Fahnen zu dieser Wallfahrt. Den Festgottesdienst, Sonntag, 1. Juli, 10.00 Uhr hält der langjährige Vertriebenenbischof Heinrich Maria Janssen.
Romfahrt
Im Anschluß an den Sudetendeutschen Tag in München lädt die Ackermann-Gemeinde zu einer Romfahrt ein. 11. - 17. Juni 1984. Einladungen können bei der Hauptstelle der Ackermann-Gemeinde in 8000 München 34, Postfach 340 161, angefordert werden.
Neuerscheinung:
Pater Bernhard Tonko — Ein Priester unserer Zeit — ein großer Sudetendeutscher. Das Buch kann bei der Europa-Buchhandlung, 8000 München 40, Knollerstraße 1 bezogen werden.
Ums liebe Brot
Es ist doch unentbehrlich, in guten und schlechten Zeiten, bei arm und reich. Als ich einmal zum Wochenende ohne Brot da saß, kam mir das so recht zum Bewußtsein, und es ging mir so Verschiedenes durch den Kopf.
Im Ersten Weltkrieg backte meine Mutter Brot oft selber. Wir hatten eine alte Schrotmühle. Vom versteckten Korn wurde ein Teil geholt und mit viel Mühe und Schweiß gemahlen. Was wurde da nicht alles noch beigemischt! Das Brot war schwarz, schwer und körnig. Aber es schmeckte und bei uns gab es viele Münder zu stopfen. Beim Backen mußten die Türen geschlossen bleiben, daß der Duft des frischgebackenen Brotes nicht in „unbefugte" Nasen stieg. Nach dem Zweiten Weltkrieg backte Mutter unter ähnlichen Verhältnissen, nur wurde da das Korn auf der Kaffeemühle gemahlen, was noch mühseliger war.
Nun war Schönfeld von den Amerikanern, nachher von den Tschechen, die Nachbardörfer von den Russen besetzt. Auf jedem Weg zu einem dieser Dörfer standen Posten und kontrollierten die Leute, die vorbei wollten. Mein Bruder wohnte in Petschau, welches von den Russen kontrolliert wurde. Von ihm erfuhren wir, daß es dort Brot schwarz zu kaufen gäbe. Es war auch bekannt, daß Kinder leichter durch die Kontrollen kamen. So schickten wir zwei Nichten von mir los. „Seid nur schön freundlich", sagten wir „und winkt den Posten schön zu, dann tun sie euch auch nichts" (Wie unverantwortlich damals von uns). So war es auch. Der Bruder in Petschau (er hatte ein Textilwarengeschäft) hatte zwei Brote besorgt, und mit diesen strebten sie auf Umwegen heim. Als sie in der Nähe von Schönfeld Posten sahen, versteckten sie das Brot voller Todesangst auf einem Feld, von wo es mein Vater in der Nacht holte.
Im ebenfalls russisch besetzten Müllersgrün wohnte ein uns gut bekannter Bauer. Mein Schwager wollte versuchen, von diesem Brot zu bekommen. Eines Nachmittags machte er sich auf den Weg. Voller Ungeduld und Sorge warteten wir auf seine Rückkehr. Aber er kam und kam nicht. Die Nacht verging. Kein Mensch dachte bei uns an Schlaf. Wir sahen ihn schon gefoltert, verschleppt oder gar tot. Früh am Morgen kam er zurück, mit einem Sack voller Lebensmittel. Er erzählte uns sein Erlebnis. Als er zu den Bauersleuten kam, saßen sie mit Russen in der Wohnstube. Er wurde aufgefordert, sich dazuzusetzen. Die Soldaten waren schon in Stimmung und tranken und sangen. Als mein Schwager in der Stube eine Zither erblickte (er ist ein hervorragender Musiker), und den Gesang der Russen darauf begleitete, waren sie vor Freude außer sich. Die ganze Nacht mußte er spielen. In der Frühe entließen sie ihn mit einem Sack voller Fleisch und Brot. Er solle ja bald wiederkommen, gaben sie ihm zu verstehen. Aber er ließ es trotz der großen Verlockung sein, denn es schien ihm doch etwas zu gefährlich.
Besonders zu Festzeiten sollte man am üppig gedeckten Tisch solcher Notzeiten gedenken.
Anna Egerer (Lochschmidt) aus Schönfeld
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