Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 175
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Krátký Franz a Dlouhý Franz

Der „Kurze Franz" und der „Lange Franz"

Die meiste Zeit meiner Kindheit verbrachte ich mit Blick auf das große Elend der damaligen Wirtschaftskrise. Ihr eisiger Schatten streifte auch mich und erstickte oft mein Lachen. Nicht daß ich unter der Not körperlich zu leiden gehabt hätte, aber allein ihr Anblick blieb mir an keinem Tag erspart. Die Arbeitslosigkeit lauerte im fernsten Winkel und stieß mit ihren Krallen die Menschen ins Unglück. In den grauen Straßen von Meierhöfen war der Kampf ums Überleben unübersehbar geworden, denn die dortigen Fabriken waren entweder bereits stillgelegt oder sie standen in Kurzarbeit. Wir Kinder suchten in dieser Trostlosigkeit jedes sonnige Fleckchen, um fröhlich zu sein.

Mein Vater hatte damals großes Glück. Er vermochte als tüchtiger Handwerksmeister einen soliden Stamm von wirtschaftlich gesicherten Kunden zu gewinnen. Dieser Umstand ließ uns zwar nicht gerade im Überfluß, aber doch ohne wirtschaftliche Not leben. Die stetig tröpfelnden guten Aufträge erlaubten es sogar, daß selbst in der schlimmen Zeit neben den wenigen Gesellen immer zwei Lehrlinge in Arbeit standen. Diese Tatsache hatte sich weit herumgesprochen und entfachte manchen Hoffnungsschimmer. So kamen oft schon im zeitigen Frühjahr Väter, Mütter, Witwen und Paten, um wegen einer freien Lehrstelle anzufragen. Sie kamen aus dem ganzen Egerland, ja sogar vom Erzgebirge herunter. Vater konnte in einer großen Schar von Anwärtern wählen. Er entschied sich nicht nur nach Einsernoten im Zeugnis, viel lieber schaute er in die Bubengesichter. Einmal traf die Wahl zwei Jungen, die später immer mehr ein lustiges Gespann abgeben sollten. Ihre Heiterkeit wurde uns allen ein Lichtblick in der schweren Zeit.

Lustig an den Beiden war ja schon allein die Tatsache, daß sie den gleichen Namen trugen. Sie hießen Franz Schmidt. Der eine kam aus einem Dorf bei Graslitz und der andere aus der Gegend von Luditz. Beide wohnten, wie das damals üblich war, im Hause des Meisters. Sie bewohnten ein Stübchen neben der Werkstatt und wurden von unserer Mama verköstigt und mütterlich betreut.

Franz I., wie der Gebirgler genannt wurde, gefiel mir anfangs überhaupt nicht. Seine Mundart war mir auch so fremd. Er hatte einen großen borstenhaarigen Kopf auf schmalen Schultern. Seine rotgefrorenen Henkelohren standen dermaßen ab, daß sie ständig dazu einluden, an ihnen zu ziehen. Aus dunklen Wieselaugen musterte Franz unsere Küche. Er und sein Vater löffelten die heiße Suppe, die ihnen unsere Mama vorgesetzt hatte. Beide waren müde und hungrig. Sie hatten den weiten Weg vom Gebirge herunter zu Fuß zurückgelegt.

Vater Schmidt war ein Knopfmacher und hatte in seinem Häuschen auf dem Bergkamm eine abgehärmte Frau und sechs ständig hungrige Kinder. Selbstredend, daß er jeden Heller paarmal umdrehte, bevor er ihn ausgab. Er bedankte sich immer wieder für die freundliche Aufnahme. Als er ans Abschiednehmen ging, schluckte er nur mühsam seinen Schmerz herunter und wuschelte ein wenig in den Borstenhaaren seines Sohnes. Diesem quollen Tränen aus den Augenwinkeln und kullerten über die schmalen Wangen. Da nahm unsere gutherzige Mama den Bubenkopf an ihr Herz, bis das Schluchzen verstummte.

Noch zur selben Stunde kam Franz II. auch mit Vater. Sie brachten eine Wolke Landluft zur Tür herein. Ihr Zuhause war eine kleine Bauernwirtschaft, schon Richtung Sprachgrenze. Die Familie war groß, der Verdienst war klein. Franz II. war sehr blaß und sehr schmal. Sein Gesicht bestand nur aus zwei freundlichen himmelblauen Augen. Franz II. hatte aber schon ein winziges Bierkröpferl, das immer munter hüpfte. Die Hosenbeine des Buben endeten gleich unterhalb der dünnen Waden und die Jackenärmel dreifingerbreit über den Schaufelhänden. Wenn mich nicht Mamas zurechtweisender Blick getroffen hätte, wäre mir das Lachen nicht im Halse steckengeblieben. Vater und Sohn waren mit der Eisenbahn gekommen. Das Holzkofferl war klein, es barg alle Habseligkeiten des Buben. Der Abschied war wieder tränenreich. Während der Vater leise über die Schwelle ging und langsam die Tür ins Schloß zog, stöhnte sein Sohn und vergrub das Gesicht in beide Hände. Mama war für eine Weile damit beschäftigt, seine Tränen zu trocknen.

Trotz des Trennungsschmerzes gewöhnten sich unsere neuen Lehrbuben schnell in die fremde Umgebung, wozu sicherlich die verständnisvolle Art der Mama beitrug. Sie richtete ihnen ihr gemeinsames Zimmerchen zu einem gemütlichen Stübchen, setzte ihnen reichlich Essen vor und schaute auch ein wenig auf ihr Seelenleben. Sie beobachtete teilnehmend, wie die Buben sich entwickelten. Bald zeigte es sich, daß Franz I. zwar langsam

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