Lachende Heimat
Der Lochgutzer
Es hat sich im Sommer 1945 in einem Gehängedorf des Egerlandes zugetragen. Den Leitner-Leuten verekelte ein besonders gehässiger, sackgrober Spravce (tschechischer Verwalter — oft Aneigner) das Leben. Tag für Tag beschuldigte er die Bäuerin, sie würde Milch und Eier verräumen. Eines Tages trieb er es besonders wild. Durch jedes Guckloch steckte er seine breite Nase, in der Meinung, er könnte Eier oder Milchtöpfe finden. Die Bäuerin mußte dabei sein. Vom Stall ging es in den Keller, von der Milch in die Futterkammer, von der Scheune in den Schupfen; sogar in die Kartoffelgrube und in den Backofen schob er seinen Riecher. Aber er spähte vergebens. Kein Milchhaferl war zu sehen, kein Tellerchen bot ein Tröpflein Milch für das Katzenvieh. Nun aber stieg der Bäuerin der Grant. Komme, was kommt, und wenn der Kopf in die Schlinge muß! Als sie an dem über dem Misthaufen thronenden „Häuschen" vorbeikamen, riß sie das Türl mit dem eingeschnittenen Herzl auf, trat ein, lupfte den runden Deckel und gellerte drauflos: „Hier, Herr Spravce, hier müssen Sie auch reinschauen!". Da flogen der rechtmäßigen Besitzerin dieses stattlichen Hofes aber auch schon Funken vor den Augen. Harten Schlages knallte der brutale Kommissar der Frau seine Hand ins Gesicht. Diese Watschen nahm ihr kein Mensch mehr ab. Die Bäuerin verschmerzte aber bald den Schlag, denn sie erzählte noch oft, dabei herzhaft lachend, von diesem „Inspektionsgang", denn sie hatte damit erreicht, was sie erreichen wollte: Von da an hieß ihr Spravce bei den Deutschen im ganzen Ort nur noch der „Sch...lochgutzer". Dieses Geschehen machte aber auch sehr schnell bei den inzwischen eingenisteten „Goldgräbern" die Runde. Auch bei ihnen hatte dieses Wort „Flügel" bekommen. Nur wurde es von seinen „Bridern" öfter und unverhohlener gebraucht als von den verängstigten Deutschen.
Das Erkennungszeichen
Es war zwischen den zwei großen Kriegen, da haben die tschechischen Grenzer in einer Stadt in Südegerland ihrem Landesvater Masaryk ein Denkmal errichtet. - Zum Festtag wurde bis tief in die Nacht hinein gekehrt, geschaufelt und poliert. Tipp-topp sollte alles zur Enthüllung sein. Hohe und höchste Gäste waren angemeldet.
Was gab es aber bei den Staatsvertretern und hohen Gästen für Stielaugen, als man die Hülle vom Denkmal zog. Da baumelten doch um den Hals des Landesvaters, mit einem Spagat verbunden, zwei Mausefallen. Den Herren vom Komitee blieb tatsächlich die Spucke weg.
Von diesem seltsamen Halsgeschmeide war in der Tagespresse nichts zu lesen. Trotzdem ging diese einmalige Würdigung des Landesvaters wie ein Lauffeuer dahin im schönen Böhmerland.
(Aus Otto Zerlik's Humorsammlung)
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