Weihnachten 1983 — Fest der Menschwerdung im Heiligen Jahr
Auf dem Widmungsblatt eines Büchleins aus dem Jahre 1744 „Sprach' der Kinder Gottes" steht folgender Text: „Dem kleinen Jesulein, dem großen Gott, dem Sohn des Ewigen Vaters, der Jungfrau und des Zimmersmanns, dem zweimal Eingeborenen, der Natur nach vom Allmächtigen Vater, der Natur nach von einer machtlosen Mutter, dem Eingeborenen Wort, dem bethlehemitischen Kinde, dem schönsten aller Menschensöhne gewidmet vom Autor." In diesem Widmungstext ist das christliche Weihnachtsmysterium ausgesprochen: Gott wird Mensch, Gott wird ein Kind.
Weihnachten im Heiligen Jahr 1983. Dieses Heilige Jahr nahm seinen Anfang am Feste Mariae Verkündigung, 25. März 1983. Der Papst beginnt seine Eröffnungspredigt: „Seht, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären. Sein Name ist: Immanuel — Gott mit uns" (Jes. 7,14). Mit diesem Ereignis beginnt die Erlösung der Welt, denn schon im Schoß der Jungfrau Maria ist dieser Immanuel unser Erlöser.
In diesem Zeichen beginnt das Heilige Jahr der Erlösung und es wird enden, wenn wir an Ostern 1984 das Paschamysterium vom Leiden und Sterben, von Tod und Auferstehung unseres Herrn werden gefeiert haben.
Zunächst aber wollen wir Weihnachten feiern, das Fest der Nativitas Domini — der Geburt des göttlichen Kindes, unseres Erlösers.
Es ist etwas Seltsames, daß in einer Zeit, da in weiten Teilen unseres Landes das Weihnachtsfest des christlichen Charakters weithin entbehrt und zu einem Fest des Schenkens und des Konsums geworden ist, besonders im Alpenraum eine Renaissance des Krippenbaues begonnen hat, mit Krippenausstellungen und Krippenvereinen, in denen Krippen gebaut werden. Die Mitte jeder Krippe aber ist das göttliche Kind. Viele Heimatvertriebene trauern heute noch ihren mit viel Liebe gestalteten Hauskrippen, aber auch den Krippen der Heimatkirchen nach. Erfreulich aber ist, daß in vielen noch religiös ansprechbaren Familien die Krippe und damit das Christkind wieder zur Mitte der weihnachtlichen Familie geworden ist. So sei mir hier wieder die Frage des Seelsorgers erlaubt: Hat in Deinem Haus und in Deiner Familie die Weihnachtskrippe wieder ihren zentralen Platz, wo die christliche Familie weihnachtlich singen und beten kann?
Aber weder Krippe noch Christbaum sind die ältesten Zeugnisse weihnachtlichen Brauchtums, sondern das Christkindlwiegen und das stehende Jesuskind, das in einem Glasschränkchen zu Weihnachten in der festlichen Stube aufgestellt wurde. Das Christkindlwiegen nahm von den Nonnenklöstern seinen Ausgang und verbreitete sich im weiten Umland der Klöster und hat sich mancherorts in Deutschland bis in unsere Tage erhalten. Ich selber erinnere mich gerne, wie in den Tagen meiner Kindheit in weihnachtlicher Zeit eine alte Rentnerin mit einer kleinen Wiege und um das Jesuskind als Fatschenkindl in unser Haus kam und mit brüchiger Stimme das aus dem 14. Jahrhundert stammende Kindlwiegenlied des „Mönchs von Salzburg" sang: „Josef, lieber Josef mein, hilf mir wiegen das Kindelein." Gerne gaben wir ihr unsere weihnachtliche Gabe. Bei unseren Bemühungen im sudetendeutschen Priesterwerk um Wiederverlebendigung der Verehrung des „Gnadenreichen Prager Jesuleins" erfahren wir immer
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