Menschenrechte überhaupt. Die Geschichte der Sudetendeutschen seit 1918 ist bestimmt durch den Kampf um dieses Recht. Sie mußten in einem Staat leben, der ihnen dieses Recht vorenthielt.
Als sie erkannten, daß ihre Heimat mit den Mitteln einer übermächtigen Verwaltungsapparatur immer mehr bedrängt und eingeengt wurde, fanden sie zu einer Sammelbewegung zusammen, die zwar den tschechoslowakischen Staat als politisches Ganzes nicht in Frage stellte, aber als „Sudetendeutsche Heimatfront", als Abwehrlinie aller vor der Heimat für eine Autonomie eintrat.
1945 haben die Sudetendeutschen ihre Heimat verlassen müssen. Ihr Schicksal ist ihr Auftrag zugleich: In einer Zeit, in der wiederum Millionen Menschen fliehend ihre Heimat aufgeben müssen oder aus ihr vertrieben werden, in einer Gesellschaft, die sich als „pluralistische" versteht und bei allen Bemühungen um die Sicherung der Eigenständigkeit des Individuums oft die Voraussetzungen der für den einzelnen gleichermaßen ebenso wichtigen Gemeinschaft vergißt oder gedankenlos mißachtet, sollten die Sudetendeutschen Mahner sein. Heimat ist keine Selbstverständlichkeit, wie unsere deutschen Zeitgenossen in ungefährdetem Besitz einer Heimat annehmen. Sie ist existentiell bedeutsam für jeden einzelnen wie für jegliche menschliche Gemeinschaft. Sie zu erhalten überall in der Welt ist vornehmste menschliche politische Verpflichtung.
Weihnachten bei uns daheim
In Kahl am Main wurde ich beim Treffen von meinen Rabensgrüner Landsleuten gebeten, etwas über Weihnachten zu schreiben. Meine Meinung ist, wenn man über Weihnachten etwas schildert, dann muß man schon beim Nikolaus anfangen. Ich will es gerne tun und hoffe, daß sich meine Landsleute darüber freuen.
Der Nikolaus kam. Damals wohnten wir in der alten Schmiede und oft sagte meine Mutter zu mir: „Wenn du nicht folgst, nimmt dich der Nikolaus mit. Dann kam er am Abend der Nikolaus. Ich habe mir vorgenommen, ihm die Rute abzunehmen. Aber dieses Vorhaben ist mir nicht gelungen, sondern ich bekam mit ihr eines hinten drauf. Meine Schwester Marianne saß in der äußersten Ecke am Tisch und schrie, als wenn sie am Spieß stecken würde, so große Angst hatte sie. Denn sie fürchtete, vom Nikolaus mitgenommen zu werden.
Nun kam das schöne Weihnachtsfest heran. Das Christbäumchen brachte meistens der Trollen Tone, aber auch der Kempen Vetter dachte oft an uns und brachte das Fichtenbäumchen. Übrigens die Krippe des Kempen war sehenswert. Das Bäumchen bei uns wurde mit schönen kleinen, roten Äpfelchen geschmückt. Mit Pumpernickelbehang war das Bäumchen gut herausgeputzt, und wir Kinder hatten damals bestimmt eine größere Freude daran, als die heutigen Kinder mit dem vielen Firlefanz.
Von meinem Paten bekam ich einmal ein Stöpselgewehr geschenkt. Natürlich war das Ziel der Christbaum. Mit Schlittenfahren und anderen Winterfreuden war die schöne Weihnachtszeit bald vorbei.
Besonders gern fuhren wir auf den Schlitten vom Zintl. Mit zwei Steuermännern, die Schlittschuhe befestigt hatten, sauste der Schlitten dahin. Das war das schönste Vergnügen an diesen Tagen.
Bald hätte ich in meinem Bericht etwas vergessen. Am ersten Weihnachtstag war es für uns Spießkinder eine Selbstverständlichkeit, zum Kempen zu gehen und gesunde Feiertage zu wünschen. Die Tage schwanden schnell dahin, und ein neues Jahr kam wieder ins Land.
Ich wünsche allen meinen Landsleuten ein „fröhliches Weihnachtsfest" und ein „gesundes glückliches neues Jahr".
Otto Hofmann (Rabensgrün)
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