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es aus vielen Erzählungen. Er lernte spielend leicht im Unterricht und brauchte neben seinen vielen Hausaufgaben nicht noch zu üben. Statt dessen mußte er schon bald der Mutter zur Hand gehen, Besorgungen erledigen und später sogar bei den Bauern die Kühe hüten. Während dieser letzteren Tätigkeit hatte er stets ein Stück Zeitung dabei, denn er nützte jede Möglichkeit, um seine Neugier zu sättigen. Viel Auswahl hatte er nicht, so griff er nach allem Lesbaren, das sich ihm bot. Mitunter nahm er eine leere Zuckertüte und den Bleistift mit, dann zeichnete er ringsherum seine Heimat, denn er war auch für die Malerei begabt, jedoch niemand hatte es erkannt. Nur der Herr Dechant legte meinem Großvater wiederholte Male ans Herz, er solle seinen Sohn Heinrich doch nach Duppau in das Geistliche Gymnasium schicken. Dort hätte er zudem Kost und Logis frei und würde später ein wohlbestallter Priester werden. Meinen Großeltern wäre die Sache schon recht gewesen, hätten sie doch wenigstens eins ihrer Kinder gut versorgt gewußt, aber ihre Zureden halfen nichts. Mein Vater antwortete immer: „Dau kure ja mal neat heiarn!"
Da rechneten Großvater und Großmutter erneut ihren kargen Etat durch und fanden schließlich, daß sie, wenn sie noch ein bisserl mehr sparen würden, den Buben nach Schlaggenwald in die Bürgerschule schicken könnten. Die nötigen Bücher bekäme er geliehen, aber die Hefte, Zeichenblätter usw. müßten selbst beschafft werden. Für eine Schultasche reichte das Geld natürlich nicht mehr. Mit zwei Lederriemen wurde das gesamte Schulzeug festgezurrt und als Packerl getragen. Zum Runterrutschen auf der verschneiten „Neien Straß" war es natürlich nicht geeignet und schon garnicht als Waffe bei Raufereien. So klug mein Vater als zehnjähriger Bürgerschüler auch sein mochte, er
hatte jedoch noch keine echte Vorstellung von einem Sonnenstich, jedenfalls die er hatte, war falsch. Diese Unkenntnis und die Tatsache, daß er einen roten Haarschopf und Sommersprossen hatte, sollten für ihn ein unvergeßliches, teils betrübliches Erlebnis auslösen. — Zu der damaligen Zeit waren rote Haare beinahe ein Makel, was kam es, daß die Kinder hinter dem Heiner „summaspriessicha Fuchs" herriefen. Diese ständigen Frotzeleien stumpften den Buben indessen nicht ab, ganz im Gegenteil, sie machten ihn stetig verwundbarer.
So kam wirklich einmal der Tag, es war an einem schönen, sonnigen im Frühling, daß der Bub vor Wut und Schmerz zum Gegenangriff überging. Er hatte während der Pause auf dem stillen Örtchen gesessen, als plötzlich eine Schar seiner Klassenkameraden mit ihren Fäusten an die Tür hämmerten und im Takt „summaspriessicha Fuchs!" riefen. Da zog das Füchslein schnell den mächtigen Abortschlüssel aus dem Schloß und stürzte sich in blinder Wut in das Knäuel von erschreckten Buben, wobei er den Schlüsselbart als Waffe benutzte. Das Kampf- und Wehgeschrei war solchermaßen, daß das Lehrerkollegium angerannt kam und entsetzt das Schlachtfeld räumte. Der Herr Direktor verdonnerte ohne Untersuchung alle Beteiligten zu einer Stunde Nachsitzen. Wenn aber jemand glauben sollte, diese Stunde hätte ausgereicht, um die tobenden Gemüter abzukühlen, dann irrt er.
In den borstigen Bubenköpfen gärte der Plan nach Rache an dem „Fuchserl", denn es war natürlich schuld an dem Freiheitsentzug. Das Füchserl war zwar gescheit und auch schlau, aber es war noch unerfahren. Daß eine Massenwut nicht so schnell abflaut, hatte es noch nie erlebt gehabt. Ahnungslos ging es nach dem Arrest mit seinem geschnallten Bündel über den Markt in Richtung „Neia Strauß" heimwärts. Es dachte schon bald an nichts schlimmes mehr, als plötzlich auf der Höhe Gfeller Straße / Poschitzauer Weg seine Häscher aus dem Gebüsch stürzten. Sie drohten das Füchslein zu zermalmen, wenn es nicht in blitzschneller Gegenwehr mit ganzer Kraft und dem Bücherbündel um sich geschlagen hätte. Dabei flogen die Fetzen im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Bücher und Hefte zerflatterten über der staubigen Straße und dem Graben. Und das Füchserl konnte es dennoch nicht verhindern, daß es am Ende der Rauferei kopfverwundet auf dem Schlachtfeld zurückblieb. Nach einer Weile nahm es seinen Federkasten und seine Bücher auf, denn nur sie waren heil geblieben, und ging voller Bangen heim nach Gfell. Es suchte in seinem schmerzenden Kopf nach einer Ausrede, wenn es vor Mutters Augen treten und sie erkennen würde, wie es aussah. So schlich es sich endlich in die Stube. Da kam die Mutter vom Ofen her und erblickte ihren verdreckten, abgerissenen, blutverschmierten Sohn und fragte halb zornig, halb erschreckt: „Wos håust dann du uagstellt?" Da stotterte der Bub: „Mich håut da Sunnastich gstochn!" Die Mutter — meine gute Großmutter war es — konnte ihre auf sie einstürmenden Gefühle gar nicht so schnell ordnen, jedoch ihre Wut wegen der Lüge ihres Sohnes nahm überhand, und so bekam das arme Kind zu allem noch das Hinterteil versohlt. Als die Mutter meinte, daß es nun der Strafe genug sei, stellte sie den Buben auf und besah ihn sich genauer. Da entdeckte sie am roten Haaransatz eine klaffende Wunde, worauf sie vor Angst und Reue nach Wasser und Leinenzeug lief und ihr Möglichstes tat, damit alles wieder gut werden sollte. Während ihrer Samariterdienste fragte sie nach dem Geschehen, dabei erzählte ihr der Bub die wahre Begebenheit. Da schmolz das Herz der Mutter wie die Butter in der Sonne, sie drückte ihr Kind an sich und Tränen rannen ihr über die Wangen. Am liebsten hätte sie die Prügelstrafe wieder zurückgenommen. Als abends der Vater müde von der Arbeit kam, mußte ihm die Mutter alles erzählen. Sie sprach so behutsam, daß auch ihm das Herz weich wurde und er in die Schule ging, um es dem Herrn Direktor zu erzählen. Als dieser die warmen, erbarmungheischenden Worte hörte, fühlte auch er sein Herz wie Butter in der Sonne schmelzen und meinte deshalb, daß es wegen der Bezahlung der Bücher nicht so eilig sei, außerdem seien es ohnehin schon alte Bücher gewesen, die im nächsten Jahr nicht mehr verliehen worden wären. — Voller Freude kam der Vater heim, nahm sein Füchslein glücklich in die Arme und drückte es stolz an sein Herz, als ob es eine große Tat vollbracht gehabt hätte.
Hermine Walter, geb. Palm
● Beilagen-Hinweis:
Dieser Ausgabe liegt ein Prospekt des Verlages Herder, Wien — „Geld ist wie Staub" (Roman von Czjzek) — bei. Wir bitten um Beachtung.
Unsere Toten und Familien-Nachrichten
Unsere Toten
Franziska Rippl, geb. Franz, am 20. 12. 1981 in Dingolfing
Oswald Weidl (Hubhof), am 22. 6. 1973
Aloisia Weidl (Hubhof), 1982 in Herne
Ernst Friedrich, am 21. 1. 1982 in Würzburg
Rudolf Grimm, am 9. 3. 1982 in Gelnhausen
Berta Abfalter, am 7. 3. 1982
Marie Wilfert, geb. Abfalter, am 1. 5. 1982
Alois Schöberl, am 5. 5. 1982 in Linsengericht
Anna Kämpf, am 19. 5. 1982 in Bad Reichenhall
FAMILIEN-NACHRICHTEN
Wir gratulieren
Geburtstage:
90. Anna Wettengel, geb. Otto, Pforzheimer Str. 12, 7252 Weil d. Stadt, am 23. 6.
90. Anton Hoffmann, Am Kramberg 6, 8572 Auerbach, am 4. 6.
88. Anton Riedl (Leßnitz), Fichtenstr. 9, 8964 Nesselwang, am 5. 8.
85. Walter Fussl, Schwammerlweg 9, 8900 Augsburg, am 26. 8.
85. Anna Joachimsthaler, geb. Martin, Fabrikstr. 25b, 8673 Rehau, am 16. 8.
84. Fränzi Müller, Rekt. i. R., Schulstr. 2, 6348 Herborn-Seelbach, am 30. 6.
92. Emma Janke, geb. Ziener, Holzweg 85, 4019 Mohnheim, am 16. 7.
88. Franziska Rippl, Wetterstr. 12, 6461 Geißlitz, am 12. 5.
84. Emma Roßmeissl, 8802 Windsbach 4, am 11. 8.
81. Walter Stadler, Mittelstr. 1, 6461 Geißlitz, am 17. 5.
81. Alois Gareis, Zahnarzt, Kapellenweg 14, 8766 Großheubach, am 9. 8.
81. Amalie Herold (Poschitzau), Schulstr. 5, Oberkotzau, am 7. 7.
81. Richard Pröckl (Leßnitz), Albert-Schweitzer-Str. 13, 6000 Frankfurt, am 7. 7.
81. Heinrich Kempf, Sudetenstr. 1, 6481 Lettgenbrunn, am 20. 7.
80. Georg Schindler, Direkt., Hahnenfeldstr. 20, 8939 Bad Wörishofen, am 25. 6.
80. Marie Rippl, geb. Hahn, Große Allee 66, 5548 Arolsen, am 27. 5.
78. Emilie Röhm, Neckermannstr. 25, 8000 München 40, am 22. 5.
77. Anna Friedrich, geb. De Santis (Leßnitz), Fichtenstr. 9, 8964 Nesselwang, am 28. 5.
76. Josef Reif, Altmannsdorfer Str. 199, Stiege 16/I/5, Wien 23, Österreich, am 1. 7.
75. Angela Lang, Holunderweg 7, 2199 Cuxhaven 18, am 21. 1.
75. Franz Köhler (noch in Schlaggenwald), am 19. 7.
75. Gusti Scharnagel, geb. Hölperl, am 4. 6.
74. Anna Lindner, geb. Kunzmann, Mariahilfstr. 7, 8958 Füssen, am 29. 5.
74. Karl Prosch, Ing., Imhofstr. 28, 8850 Donauwörth, am 17. 7.
74. Hugo Frisch, Kohlmüller, Neue Schulstr. 1, 6291 Ahausen, am 24. 5.
72. Franz Rippl, Pol.-Beamt., Große Allee 66, 5348 Arolsen, am 15. 7.
71. Erich Rauscher, Albert-Schweitzer-Str. 13, 6000 Frankfurt 7, am 6. 8.
72. Alfred Jessl (Rabensgrün), Troppauer Str. 11, 6451 Bruchköbel, am 10. 8.
71. Irma Pimpl, geb. Rippl (Rabensgrün), Wilhelmstr. 20, 6451 Großkrotzenburg, am 2. 6.
71. Oskar Paulus, Fabrikstr. 3, 6486 Brachtal, am 12. 5.
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