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hinunter bis zum Marktplatz. Wir streuten auch fleißig Blumen aus unseren Körbchen. Trauermantel, Katzenpfötchen und Margareten, natürlich auch die kostbaren Pfingstrosen gehörten zum Fronleichnamsfest.
Die Ausstattung des Altars gehörte zum Hausinventar und jeder Einwohner mußte sich verpflichten, den Altar an Fronleichnam aufzustellen. Eine eigene Kammer enthielt ein großes Ölgemälde, zwei große Figuren, eine kleine Kapelle, echt Schlaggenwalder Zinnleuchter, Gedecke, Teppich usw.
Unser Schlaggenwald war nicht so aufwendig mit Blumenläden, wie es jetzt so üblich ist, bestückt. So wurden fleißig Trauermanteln und Katzenpfötchen heimgetragen, Kränzchen um die 6 Kerzenständer gebunden. Außerdem wurden noch Blumen-Schwänzchen zur Verzierung der Kerzen umgewickelt. Vorher waren in der ganzen Stadt die Fenster mit Blumenstöckchen geschmückt.
(Isolde Riedel, geb. Geyer, sandte das Foto und den Bericht ein).
Unzeitgemäße Bekenntnisse
Unzeitgemäße Bekenntnisse
Antworten eines Zeitgenossen
Es gilt heute mehr denn je für einen jeden von uns, auf die vielen Herausforderungen unserer Zeit seine eigene Antwort zu finden, zu formulieren und sie auch beherzt zu vertreten. Die Massenmedien haben die Möglichkeit einer — von wem auch immer — gelenkten Beeinflussung der Wertvorstellungen jedes einzelnen Bürgers, seiner Lebensgewohnheiten und seiner Zukunftserwartungen geschaffen, wie sie vor uns noch keine Generation erlebt hat. Ich bin überzeugt davon, daß meine „Unzeitgemäßen Bekenntnisse" bei den meisten Redaktionen in den Papierkorb wandern werden, weil sie den Prüfern nicht „progressiv" im Sinne des heutigen Sprachgebrauchs erscheinen mögen. Ich pfeife darauf, zu den „Progressiven um jeden Preis", die stets bereit sind, auf die nächste Modewelle umzuschwenken, wenn sie dadurch „am Drücker" bleiben können, gerechnet zu werden, ohne auf einen echten Fortschritt verzichten zu wollen. Dieser aber wird nicht „gemacht", sondern ist die reife Frucht eines langen Wandlungsprozesses.
Ich bekenne mich dazu, daß sich ein deutscher Schriftsteller in seiner eigenen Muttersprache ausdrücken sollte. Sie bietet einen so großen Schatz an Möglichkeiten, einen Vorgang in den feinsten Unterschieden sprachlich bis in die kleinsten Verästelungen sichtbar zu machen, daß dieser nie voll ausgeschöpft werden kann. Dabei wehre ich mich zugleich, wegen dieser meiner Auffassung in einen Topf mit jener Sekte der Sprachreiniger geworfen zu werden, die meinen, sie dienten ihrer Sprache dadurch, daß sie für Begriffe, die wir etwa mit Erfindungen zugleich aus einer fremden Sprache übernommen haben, teilweise urkomische, häßliche Eindeutschungen anbieten, die dem Gegenstand der Betrachtung nicht angemessen sind. Eine so lebendige Sprache wie die deutsche ist kräftig genug, um immer wieder fremde Begriffe in sich aufzunehmen und sich zu eigen zu machen. Ich wende mich aber in aller Schärfe gegen jene Halbgebildeten, die da in der Öffentlichkeit mit Fremdwörtern nur so um sich werfen, wo sie ohne weiteres kräftige, bildhafte und ausdrucksstarke deutsche wählen könnten. Das gilt besonders für Politiker aller Schattierungen, Funk- und Fernsehreporter, Lehrer, Studenten und Gymnasiasten, die sich in zunehmendem Maße darin gefallen, ein schauderhaftes Kauderwelsch zu sprechen oder zu schreiben, mit dem sie zwar vorübergehend naive Gemüter verblüffen, auf die Dauer gesehen aber sprachlich nicht bestehen werden. Ich bekenne mich zu Ehe und Familie, weil ich meine, daß sie nicht nur nach dem Grundgesetz unseres Landes, sondern auch nach dem von einer großen, allerdings immer noch schweigenden Mehrheit unseres Volkes anerkannten Sittengesetz als die beste Form des Zusammenlebens zweier Menschen und das gesunde Aufwachsen in ihrer Geborgenheit für unsere Kinder darstellt. Wir sollten den Mut haben, auch öffentlich festzustellen, daß unsere Massenmedien den sogenannten Randgruppen unserer Gesellschaft einen viel zu breiten Raum in ihren Sendungen einräumen und die Darstellung der Lebens- und Verhaltensweise der großen Mehrheit vernachlässigen. Ich bekenne mich dazu, daß unsere Generation, die durch die Schrecken des Krieges und den Hunger der Nachkriegszeit gezeichnet wurde, aufstehen
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