Noch einmal werden sich viele Landsleute zu einer gemütlichen Plauderei in Kahl zusammenfinden. Der Termin des 16. und 17. Juli 1983 dürfte niemandem Probleme bereiten, denn in dieser Zeit sind im Süddeutschen Raum noch keine Ferien und der Straßenverkehr dürfte kein Hindernis sein, um an dieser Zusammenkunft teilzunehmen. Mit Urlaubs- und Wochenendfahrten, die so mancher unternimmt, muß er sonst auch manche Hindernisse in Kauf nehmen, so erwarte ich, daß unser Mühen nicht umsonst war und ich eine stattliche Zahl Landsleute zum Treffen begrüßen kann. Man sollte bedenken daß wir Heimatbriefleser jahrzehntelang der Heimat in der Fremde die Treue gehalten haben und dies immer aufs neue unter Beweis stellen durch den Bezug des Heimatbriefes. Solche Zusammenkünfte, wie unsere Treffen, zeigen unseren Zusammenhalt. Gemeinsam weisen wir auf das an uns begangene Unrecht hin. So haben wir in den vergangenen Jahren der Bevölkerung unserer Patenstadt Auerbach, aber auch in Goldbach, Roßhaupten und in Kahl, in denen solche Zusammenkünfte stattfanden, den rechten Anschauungsunterricht erteilt, was es heißt, gewaltsam aus seiner jahrhundertalten Wohnstatt mit Gewalt vertrieben worden zu sein, mit Kiste und Sack, die nur das allernotwendigste enthielten, was zum Überleben gerade noch ausreichte. Dann die Ungewißheit, wohin die Reise ging. Viele hatten das Glück, von den Amerikanern in das ausgeblutete Westdeutschland geschickt worden zu sein. Was haben wir dann angetroffen — oft keinen Herd und keine Schlafstellen, monatelang wurde auf dem Fußboden gelagert. Froh mußte man sein, wenn man ein dichtes Dach über dem Kopfe gefunden hatte. An die herzliche Aufnahme, die uns damals zuteil geworden war, möchte ich lieber gar nicht erinnert werden. Es ist zwar heute nicht mehr fair, an die damalige Notzeit zu erinnern, aber meiner Meinung nach lohnt sich so ein Rückblick, denn dann ist man wieder gewillt etwas zufriedener zu sein. Obwohl ich das unserer Generation gar nicht erst ins Bewußtsein bringen muß, aber unsere Nachkommen haben schon vielfach vergessen, unter welchen Opfern und Entbehrungen ihre jetzigen Lebensweisen errungen worden waren. Darum sollten die jungen Menschen, trotz der jetzigen bösen Zeit, in der Westdeutschland wieder ein Millionenheer von Arbeitslosen hat, die Hoffnung auf Besserung nicht aufgeben. Es soll daher unser Osterwunsch sein: „Der Herr möge die Not, ob politische oder materielle, von unserem Volke abwenden." Nur der Fleiß und die Anpassungsfähigkeit hat uns Ansehen und Geltung verschafft. Und unser Zusammenhalten tut ein übriges dazu.
Somit hoffe ich, daß sich zu dem Treffen am 16. und 17. 7. 1983 recht viele Landsleute aufraffen und durch ihre Teilnahme beweisen, daß uns die alte Heimat noch immer in ihrem Bann hält.
Der 1. Bürgermeister von Kahl, Herr Helmut Röll, die meisten kennen ihn ja noch vom letzten Treffen her, hat mir zugesagt, wieder eine kurze Begrüßungsansprache zu halten, und er wird unter uns weilen. Ein besonders großes Programm wird es nicht geben. Es haben alle bisherigen Zusammenkünfte der Landsleute bewiesen, daß man sich den Plaudereien mit lange nicht gesehenen Freunden hingeben möchte, und den Darbietungen wenig Beachtung schenkte. Trotzdem wird am Samstagabend eine Musikkapelle für uns aufspielen. Für die jüngeren Landsleute wird es eine frohe und beschwingte Unterhaltung sein.
Das Treffen ist wieder in dem Lokal an der Kirche. Dort sind wir gern gesehene Gäste und herzlich willkommen. Für Speisen und Getränke ist bestens gesorgt, das haben wir schon einmal dort erfahren. Auch kein Nepp wird zugelassen.
Wer an dem Kirchgang teilnehmen möchte, der kann sich nach dem im HB bekanntgegebenen Gottesdiensten richten. Einen eigenen Gottesdienst werden wir nicht feiern können.
Sollten sich noch Änderungen bezüglich des Treffens ergeben, so wird es im Juni-HB veröffentlicht.
Euer Richard Brummeissl
Allen unseren Lesern ein recht frohes Osterfest!
věta pokračuje na dalším listu ⟶
Rozdělení textu na listy je odhad — text může o odstavec přetéct na sousední list. Původní znění vlevo je vždy přesné.
Klikni na větu a ukáže se, kde na skenu stojí. Zvýrazňují se celé řádky, ne přesná slova — místo je tedy přibližné.
